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Weltdiabetestag 2006

Ernährung

Schon im Mutterleib „vorprogrammiert“

Traditionell am 14. November finden rund um den Diabetes-Tag zahlreiche Veranstaltungen statt. Dieses Jahr heißt das Motto: Diabetesversorgung für Jedermann“. In über 150 Ländern werden Vorträge gehalten und in Berlin gibt es einen Gesundheitsparcours. Der aid infodienst meldet, dass in diesem Jahr der Fokus auf Diabetes bei sozial Benachteiligten und besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen liegt. Dazu gehören die Menschen in den Entwicklungsländern, aber auch in den Industrieländern, die nicht am Gesundheitssystem teilnehmen. Weltweit sind rund 200 Millionen Menschen betroffen, teilt die Internationale Diabetes-Förderation (IDF) mit.

Insulinresistenz schon im Mutterleib
Die neueste Forschung der Berliner Charité belegt in einer Arbeit von Prof. Berthold Hocher, dass Insulinresistenz als Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen bereits beim Neugeborenen vorhanden ist. Die Insulinresistenz ist eine Vorstufe der Typ2 – Diabetes und begünstigt Herzmuskelschwäche oder Bluthochdruck.
Seit 15 Jahren gilt die Barker-Hypothese, die besagt, dass ein direkter Zusammenhang zwischen einem geringen Geburtsgewicht und der Neigung zu Herz-Kreislauferkrankungen besteht: Je leichter das Baby, umso höher das Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt aber auch Diabetes mellitus. Als Erklärungsmodell dient der Mechanismus des „fetalen Programmierens“. In der Entwicklung des Fötus gibt es kurze Phasen, in denen bestimmte Stoffwechselfunktionen eingestellt werden, teilte die Charité mit. Bei einer Unterernährung etwa arbeitet der Organismus auf Hochtouren, um eine maximale Verwertung zu erreichen. Diese Adaption ist irreversibel und gilt lebenslang. Wenn also später eine normale Ernährung folgt, wird diese überproportional gut verwertet und sorgt daher für Übergewicht.
Die Arbeit von Hocher konnte nun belegen, dass die Insulinresistenz nicht durch falsche Ernährung im Erwachsenenalter hervorgerufen, sondern bereits im Mutterleib geprägt wird.
Ob allerdings auch eine Form der „Re-Programmierung“ möglich ist, hält Prof. Hocher für unwahrscheinlich: „Das ist allerdings noch blanke Zukunftsmusik.“ Generell gilt die Empfehlung an die jungen Mütter, sich bewusst zu ernähren, denn Folgeerkrankungen treten nicht nur bei Unterernährung des Fötus auf, sondern auch durch generelle Fehlernährung. So wurde im Tierexperiment bereits nachgewiesen, dass eine Überversorgung mit Protein im frühen Stadium der Schwangerschaft zu einem geringen Geburtsgewicht und damit zu Herz-Kreislauferkrankungen führen kann.

Lesestoff:
Informationen, nicht nur zum Weltdiabetstag finden sie unter www.worlddiabetesday.org und www.diabetes-union.de
Die Arbeit von prof. Hocher ist erschienen in: Am J Phsiol Regul Integr Comp Physiol: 2006 Oct; 291 (49: R 1025-30)

VLE

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