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Wenn der „Zucker-Trick“ nach hinten los geht

Ernährung

Zurückhaltung genauso wichtig wie Reformulierung

In den Regalen der Supermärkte warten kalorienarme und kalorienreiche Lebensmittel nebeneinander auf die Kunden. Der Griff zu den verlockenden Angeboten basiert nicht immer auf der Basis einer Sachstandsanalyse. Wer zu viel Fett, Salz und Zucker zu sich nimmt, der kann das aus der Nährstoffanalytik auf der Verpackung nicht immer herauslesen oder will es vielleicht auch gar nicht. Hilfe für Konsumenten hat Bundesernährungsministerin Julia Klöckner jüngst mit dem Grundsatzpapier Reformulierung in Zusammenarbeit mit der Ernährungsindustrie vorgestellt [1].

Das ist gut, reicht aber nicht aus. In einer internationalen Studie unter Federführung des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen hat Dr. Antje Hebestreit Daten von mehr als mehr als 16.000 Kindern in ganz Europa ausgewertet. Kinder, die zum Zeitpunkt der ersten Untersuchung mehr gezuckerte Früchte, Smoothies und Milchprodukte konsumierten, zeigten zwei Jahre später deutlich höhere Anzeichen für Übergewicht und Fettleibigkeit als die Vergleichsgruppe.

Gerade wenn Kinder meckern, dass es nur „gesundes Obst“ zu essen gibt, tricksen Eltern gerne mit Zucker auf Früchten, Naturjoghurt oder Kakao in der Milch. Dieser Trick geht nach hinten los, wie die Studie zeigt. „Die Ergebnisse zeigen, dass das Zuckern von gesunden Lebensmitteln – auch wenn es gut gemeint sein mag – eher das Gegenteil bewirkt. Hier spielt offenabr die Prägung des Geschmacks eine wesentliche Rolle für das spätere Essverhalten“, erklärt Hebestreit. „Unsere Empfehlung ist daher, auf Zucker, Honig und Instantpulver zum Süßen von Früchten und Milchprodukten weitgehend ganz zu verzichten. Sinnvoller ist es, den Kindern ganz bewusst eine hohe Geschmacksvielfalt anzubieten, um der großen Langeweile am Esstisch und einer monotonen und damit auch ungesunden Lebensmittelauswahl in späteren Jahren vorzubeugen. Wer auf Vielfalt statt Zucker setzt, liefert seinen Kindern zudem viel eher die breite Nährstoffpalette, die Kinder für ihr Wachstum und Wohlbefinden brauchen.“

Lesestoff:

[1] Weiß war gestern: https://herd-und-hof.de/ernaehrung-/kloeckner-zaehmt-ernaehrungsindustrie.html

Roland Krieg

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