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Wie viel Kalorien braucht die Welt?

Ernährung

Der Mensch wird größer, schwerer und hungriger

Änderung von Gewicht und Körpergröße

Kalorisch reicht die Ernte für aktuell rund sieben Milliarden Mensch aus. Hunger ist ein Verteilungsproblem. Hinzu kommt, dass zwischen 30 und 40 Prozent möglicher Nahrungsmittel beim Wachstum der Pflanzen, bei der Ernte und später in der Aufbewahrung verloren gehen. Die Diät ändert sich mit zunehmendem Wohlstand. Pflanzliche Kalorien werden durch tierische Kalorien ersetzt. Die Weltbevölkerung im Jahr 2050 wird auf rund zehn Milliarden Menschen ansteigen, aber offen ist, wie viel Nahrungsmittel wirklich mehr produziert werden müssen, wenn sich die Parameter Diät und Ernteverluste günstiger entwickeln?

Professor Daniel B. Müller von der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU) hat sich dieser Frage anders genähert. Die Bezifferung der zusätzlichen Produktion geht schließlich am Ende mit dem Schutz der Ressourcen zusammen. Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen will im Jahr 2030 den Hunger auf der Welt beseitigt haben. Doch die Menschen ändern sich.

Größer und schwerer

Die Wissenschaftler haben Menschen aus 186 Ländern mit ihren Lebensdaten zwischen 1975 und 2014 verglichen. Zwei Phänomene haben sie herausgefunden: „Zum einen werden die Menschen größer und schwerer. Zweitens werden die Menschen immer älter.“ Nach Ko-Autor Gibran Vita resultiert der erste Trend in einem Mehr an Nahrung, der zweite Trend läuft dem zuwider. In der Summe haben die Menschen 1974 durchschnittlich 2.465 kcal am Tag zu sich genommen.  Heute sind es 2.615 kcal. Der gesamte Nahrungsverzehr hat in der Zeitspanne um 129 Prozent zugenommen. Davon gehen 116 Prozentpunkte auf die wachsende Bevölkerung und 15 Prozentpunkte auf die veränderte Physiognomie bei Körpergröße und Gewicht zurück. Senioren brauchen zwar weniger Nahrung, reduzieren den Kalorienverbrauch global gesehen um nur zwei Prozent.

Kalorisch steigt der zusätzliche Verzehr also um 13 Prozent. Das entspricht der Nahrungsmenge, die Indonesien und Skandinavien gemeinsam verzehren. Und entspricht dem Bedarf von 286 Millionen Menschen.

Große Länderunterschiede

Der Durchschnittsmensch von Tonga wiegt 93 Kilogramm, während der Durchschnittsvietnamese lediglich 52 kg auf die Waage bringt. Der Unterschied macht sich in einem zusätzlichen Nahrungsbedarf von zwei Schüsseln Hafer mit 800 kcal bemerkbar – pro Tag und Mensch.. Es gibt auch einen zeitlichen Unterschied. Die Menschen auf der karibischen Insel Saint Lucia haben für den Anstieg des Durchschnittsgwichtes von 62 auf 82 Kilogramm rund 40 Jahre gebraucht. Die schnellsten Veränderungen des Körperbaus finden derzeit in Afrika statt.

Auswirkungen

Die meisten Studien gehen für den künftigen Nahrungsbedarf von einem gleichmäßigen Kalorienbedarf für alle Menschen aus. Eine Zunahme durch Größe und Gewicht hat bislang noch keinen Einfluss gehabt. Die Korrektur um die Ergebnisse der norwegischen Studie weist also einen künftig höheren Bedarf auf Grund der körperlichen Veränderungen aus.

Lesestoff:

Food Security for an Aging and Heavier Population. Felipe Vásquez, Gibran Vita and Daniel B. Müller. Industrial Ecology Programme, Department of Energy and Process Engineering, Norwegian University of Science and Technology (NTNU).Sustainability 2018, 10(10), 3683; https://doi.org/10.3390/su10103683

Roland Krieg; Grafik: NTNU

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