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Wie viel Regionalität nach der Pandemie?

Ernährung

Regionalität reicht nicht für die Weltbevölkerung

Die Umgestaltung der Landwirtschaft in der Zeit nach der Pandemie wird bereits diskutiert. Alles was Handarbeit macht ist bei weltweiten Krankheitsgeschehnissen höchst gefährdet. Nicht nur beim Spargel, die Lebensmittelkette bis hin zu den Schlachthöfen leidet unter Krankheitsfällen und Verfügbarkeit von Saison-Arbeitskräften.

Labil sind wegen drohender Exportsperren auch internationale Lieferketten. Die Zielbild einer nur noch regionalen Landwirtschaft drängt sich auf. Eine finnische Studie von Pekka Kinnunen vom Aalto Institut in Espoo in Zusammenarbeit mit Stefan Siebert  von der Georg-August-Universität Göttingen kommt zu einem anderen Schluss. Demnach ist nur ein Drittel der Weltbevölkerung durch regionale Landwirtschaft zu ernähren.

Regionalität wird sehr unterschiedlich eingeschätzt und oft an nationalen Grenzen festgemacht. Eine der engsten Varianten bevorzugt Lebensmittel aus einem Radius von 100 Kilometer. Das ist nach Berechnung der Experten nur für elf bis 28 Prozent der Weltbevölkerung möglich. 26 bis 64 Prozent der Weltbevölkerung bezieht Lebensmittel aus einem Radius von mehr als 1.000 Kilometer.

Es ist abhängig, wovon sich die Menschen ernähren. Getreide aus einer Entfernung von maximal 900 Kilometer ernährt die Hälfte der Welt. Die andere muss Getreide der gemäßigten Zonen bereits aus einer Entfernung von über 5.200 km beziehen.  Bei Reis sieht das anders aus. Die Hälfte der Menschen kann sich reis aus bis zu 650 km beschaffen, die andere Hälfte braucht eine Distanz von bis zu 2.700 km.

Ein anderer Parameter ist die Geografie. Die kürzesten Entfernungen zwischen Erzeugung und Produktion gibt es in Südamerika, in Ost- und Südwestafrika. Die Transportwürdigkeit und Logistik bestimmt ebenfalls, wie weit pflanzliche Produkte gehandelt werden. Im Wesentlichen sind die Hauptwege für pflanzliche Nahrungsmittel bereits erschlossen. Markterschließung und Handelsabkommen sind weitere Parameter, die den Handel mit Nahrungsmitteln beeinflussen.

Die Autoren haben sechs Nahrungsprodukte, wie Getreide aus gemäßigten und tropischen Regionen, Hülsenfrüchte und Wurzelgemüse untersucht. Deren Komposition in der täglichen Nahrung macht in Afghanistan rund 70 Prozent des Speisetellers aus. In Belgien sind es lediglich 30 Prozent.

„Die Ergebnisse zeigen, dass Nahrungsmittel fast überall über große Entfernungen transportiert werden müssen, um die Versorgung der Bevölkerung bei den heutigen Ernährungsgewohnheiten sicherzustellen“, so Siebert. „Handels- oder Transportbeschränkungen, zum Beispiel als Folge der Ausbreitung von Epidemien, könnten gefährlich sein, zu Hunger führen oder die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten zwingen, sich anders zu ernähren.“

Lesestoff:

Pekka Kinnunen et al. Local food crop production can fulfil demand for less than one-third of the population. Nature Food (2020). Freie Leseversion: https://rdcu.be/b3C3K
Doi: https://doi.org/10.1038/s43016-020-0060-7

Roland Krieg, VLE

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