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Zucker und Steuern nur in Maßen

Ernährung

Das Problem der Zuckersteuer

Zu salzig, zu fett und zu süß. So wird die westeuropäische und nordamerikanische Ernährungsweise in aller Kürze beschrieben. Mittlerweile findet sie auch Nachahmer in Schwellenländern. Die Folgen für die Menschen lassen sich kurz und knapp zusammen fassen: Zu dick. Doch welche Korrektur auf ein Normalmaß des Zuckerverbrauchs notwendig ist, spaltet die Welt. So hat foodwatch die Sommerruhe mit einer neuerlichen Einführung einer Zuckersteuer durchbrochen. Ziel: Was teuer ist, wird weniger konsumiert. Und weil weniger Zucker gesund ist, werden Übergewicht und Adipositas auf ein Normalgewicht zurückgeführt.

Zuckersteuer

Foodwatch nimmt sich allerdings nur den Erfrischungsgetränkebereich vor. Demnach ist jedes zweite Getränk „überzuckert“. Im Durchschnitt enthielten die Getränke mehr als sechs Stück Würfelzucker je 250 ml. Die Hersteller sollen eine „zweckgebundene Abgabe“ für ihren Zuckereinsatz zahlen und die Getränke mittels einer Nährwertampel kennzeichnen.

Nicole Maisch, verbraucherpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, sieht in der Zuckerverwendung den direkten Zusammenhang zu Übergewicht und Adipositas und verweist auf einzelne Stimmen in der Bundesregierung für die Auflage einer Zuckersteuer. Großbritannien will damit verbessertes Schulessen finanzieren. Maisch will die Ergebnisse für einen möglichen parlamentarischen Auftrag genau prüfen. Sie unterstützt zudem das von foodwatch geforderte Werbeverbot für süße Lebensmittel an Kinder unter 14 Jahren.

Können Steuern steuern?

Die Erhebung von Steuern ist ein Lenkungsmittel. Genauso wie die Senkung auf einen ermäßigten Steuersatz. Ob aber der Finanzbeitrag das Verhalten steuern kann ist bei einem so komplexen Sachverhalt wie der Adipositas fraglich. „Durch Verbote und Bevormundung lasse sich kein Bewusstseinswandel in der Ernährung erreichen“, sagte Michaela Rosenberger von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Problematisch sind nicht die Lebensmittel oder bestimmte Getränke, sondern die Häufigkeit ihres Konsums.“ Die mit der Steuer verbundene Preissteigerung würde vor allem Familien mit geringem Einkommen treffen.

Gitta Connemann ist verbraucherpolitische Sprecherin der CDU/CSU und lehnt die Forderung ebenfalls ab: „Sie ist Augenwischerei. So bitter es ist: Die Erfahrungen in anderen Ländern zeigen: Strafsteuern auf zucker-, fett- und salzhaltige Produkte bzw. Verbote haben keinen nachhaltigen Erfolg.“ In Mexiko hat eine Strafsteuer auf Softdrinks keine Pfunde schmelzen lassen, weil Kunden auf andere Produkte ausweichen oder es den Konsumenten gar nicht um den Preis gehe. Connemann sagt aber auch: „Die brutale Wahrheit ist: Wer zu viel isst, nimmt zu. Er riskiert, an Adipositas zu erkranken und erhöht sein Diabetes-Risiko. Egal, woher die Kalorien kommen – durch zu viel Zucker, zu viel Fleisch, zu viele Nudeln oder zu viel Brot.“

Wie viel ist zu viel?

Auch die Ernährungsindustrie bezeichnet die Zuckerabgabe als „Scheinlösung“. Mit Blick auf Großbritannien kritisiert Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), die Steuer als „willkürlich“. Sie unterscheide nicht zwischen natürlichem und zugesetztem Zucker, „obwohl Zucker immer denselben Energiegehalt hat, nämlich vier Kilokalorien pro Gramm. Außerdem fehlt die eindeutige wissenschaftliche Grundlage, um „zu viel“ an Zucker zu definieren.“ Generell könne ein „zu viel“ nie gesund sein, was über eine Aufklärung über einen gesunden Lebensstil nachhaltiger wirke.

In der Tat schreibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), dass eine klare „Dosis-Wirkungs-Beziehung und Grenzwerte für Zucker abzuleiten“ schwierig ist. Für einen „Grenzwert fehle die wissenschaftliche Datenbasis. Die DGE bezieht sich dabei auf die Arbeiten der Weltgesundheitsorganisation WHO aus dem letzten Jahr. WHO und DGE machen dabei den Unterschied zwischen freiem, zugesetztem Zucker und in Milch, Obst und Gemüse enthaltenem natürlichem Zucker. Für letztere Zucker finden sich „keine Hinweise auf nachteilige Gesundheitswirkungen“. Unter freiem Zucker verstehen die Ernährungswissenschaftler „Monosaccharide“ wie Glucose und Fructose“ und „Disaccharide“ wie Saccharose und Haushaltszucker. Es bestehe zwar ein Zusammenhang zwischen hohem Konsum von zuckerhaltigen Getränken zu Übergewicht und Karies, aber bis 10 Prozent der täglichen und individuellen Energiezufuhr sind maximal „erlaubt“. Mit „eingeschränkter Aussagekraft“ hat die WHO die Empfehlung aktualisiert und beschränkt die Zufuhr freien Zuckers auf maximal fünf Prozent der Gesamtenergiezufuhr ein. Das sind in der Regel auch noch 25 Gramm oder sechs Teelöffel.

Lesestoff:

Wie komplex das Thema Adipositas ist, zeigt die Grafik des Max-Rubner-Instituts, Die können Sie unten herunterladen.

Roland Krieg

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