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Afrika braucht ein neues Narrativ für die Wirtschaft

Handel

Private Investitionen in Afrika

Deutschland exportiert Waren im Wert von etwa 22 Milliarden Euro nach Afrika. Die Hälfte davon geht nach Südafrika. Für rund 23 Milliarden Euro kommen Waren aus Afrika. Das Handelsvolumen mit dem Nachbarkontinent Afrika ist kleiner als mit dem EU-Partner Ungarn. Das Meinungsforschungsinstitut Demoskopie Allensbach hat für den Berliner Thinktank Global Perspective Initiative (GPI) mit einer Elitebefragung innerhalb der deutschen Wirtschaft nach Hemmnissen und Gründen für ein wirtschaftliches Engagement in Afrika befragt. Ende August hat Dr. Renate Köcher die Ergebnisse in Berlin vorgestellt und mit Martin Jäger, Staatssekretär des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und Dr. Stefan Mair vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) diskutiert.

In Tiefeninterviews zeigte sich, dass sich die Wirtschaft ein neues Narrativ über Afrika wünscht. Kritische Entwicklungen in einzelnen Ländern werden unzulässig verallgemeinert. Afrika werde dadurch mehrheitlich als „Gefahrenzone“ wahrgenommen. Langjährige positive Entwicklungen, wie in Westafrika mit konstant hohem Wirtschaftswachstum werde vernachlässigt.

In den ersten fünf Monaten 2019 ist der deutsche Handel mit Afrika gegenüber der Vorjahresperiode um mehr als 12 Prozent gestiegen. Die deutschen Unternehmen sind nach GPI-Gründerin Dr. Ingrid Hamm gerade erst dabei, die Länder in Afrika zu entdecken. Das komme gerade rechtzeitig, weil Arbeitsplätze auf dem jungen Kontinent immer wichtiger werden. Die deutsche Wirtschaft könne mit ihren Investitionen einen Beitrag für die Umsetzung der UN-Agenda 2030 leisten.

Deutsche Unternehmen wollen mit ihrem Wirtschaftsbeitrag Rahmenbedingungen für ein allgemeines Wachstum schaffen. Zwei Drittel der Führungsspitzen halten dieses Ziel für „sehr wichtig“ und weitere 29 Prozent für „wichtig“. Ohne eine gute Entwicklung in Afrika käme es zu einer enormen Zuwanderung nach Europa.

Martin Jäger sieht keinen Konflikt zwischen Wirtschaft und Entwicklung. Die zahlreichen Initiativen des BMZ wie develoPPP oder dem aufgelegten G20-Programm „Compact for Afrika“ beziehen das privatwirtschaftliche Engagement gezielt ein. Öffentliche Entwicklungsgelder  reichen nicht aus – auch „wenn wir keine Zwerge sind“. Nach den USA ist die EU der zweitgrößte Geldgeber in der Entwicklungshilfe.

Die Europäer sehen sich in einer anderen Rolle, als China, das ebenfalls in Afrika investiert. „Die investieren dort in Infrastruktur und im Gegenzug bekommen sie Rechte an Ressourcen“, sagte ein Unternehmer im Interview der Umfrage. Die Europäer haben beispielsweise jahrzehntelang versäumt, die Eisenbahn von Mombasa nach Nairobi zu modernisieren. Die Chinesen haben zwei Jahren gebraucht und stellen sogar das Fahrpersonal. Das chinesische Engagement in Afrika wollte Jäger aber nicht kleinreden: „Es ist nicht alles schlecht, was die Chinesen in Afrika machen.“

Nach der Umfrage sieht die Politik bei den Investitionen eher die Chancen und die Wirtschaft eher die Risiken. Unternehmen, die bereits in Afrika aktiv sind, bewerten ihre Chancen schon deutlich positiver. Eine mangelhafte Infrastruktur oder fehlende Facharbeiter werden nicht als großes Risiko für Investitionen eingeschätzt. Für mehr als die Hälfte der Unternehmen sind politische Instabilität und Korruption die größten Hemmnisse. Mehr als ein Drittel kritisiert die Rechtsunsicherheit vor Ort.

Deutschland arbeitet gerade am Nationalen Aktionsplan Menschenrechte und Umwelt, um bei Unternehmen die internationale Wertschöpfungskette nachhaltig zu gestalten. Einige EU-Länder haben ein vergleichbares Wertschöpfungskettengesetz, setzen aber individuelle Prioritäten. Gegenüber herd-und-Hof.de gesteht Mair diesen Bestrebungen gute Entwicklungsansätze zu. Sie dürften aber nicht überschätzt werden. Große Unternehmen könnten Nachhaltigkeitsbedingungen leichter umsetzen, als kleine.

Roland Krieg

Der Text ist zuerst auf rural21.com erschienen

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