Menü

Agrarexporte in Zeichen der Weltkrisen

Handel

Agrarexporte haben Russland längst kompensiert

Russland gilt in der Agrarbranche noch immer als Dauerargument für die aktuelle Marktkrise. Für die Exportbranchen hat sich das Thema längst erledigt. Das Land ist als Zieladresse für den Handel außerhalb der EU innerhalb seit Einführung seines Embargos vom dritten auf den fünften Rang abgestürzt und mittlerweile sogar von Saudi-Arabien verdrängt worden. Die German Export Association for Food and Agriproducts (GEFA) konnte im Rahmen der Internationalen Grünen Woche sogar mit einem Rekordergebnis aufwarten. 2013 und 2014 wurde über alle Warengruppen hinweg die Rekordsumme von 72 Milliarden Euro erzielt. Die letzten Wochen 2015 liegen zwar noch nicht vor, aber GEFA-Sprecher Dr. Franz-Georg von Busse prognostiziert ein Plus hinter dem Komma.

„Das ist eine gute Nachricht“, erklärte von Busse. Aber es ist hart erkauft. Das Umsatzergebnis musste mit einem höheren Warenvolumen erzielt werden. Rund fünf Prozent mehr mussten die Branchen vom Bier zu Landmaschinen über Delikatessen und Fleisch mehr herstellen. Dafür kostete mehr Input, so dass die Margen trotz Rekordumsatz gesunken sind.

Erst der Blick hinter diese Durchschnittszahlen offeriert Unterschiede. In der Molkereibranche ist der Export in den ersten drei Quartalen 2015 gegenüber dem Vorjahr um 13,3 Prozent zurückgegangen. Ein starkes Minus hat auch die Kategorie „Lebende Tiere“ mit sieben Prozent zu verzeichnen. Die Molkereien leiden vor allem bei Bulkware wie Milchpulver durch den starken Wettbewerb aus den USA und Australien sowie Neuseeland. Branchen, die mit Spezialitäten aufweisen können, wie Bier, Süßwaren oder Backwaren haben allesamt zugelegt.

Von Busse liest aus den Zahlen ein „tolles Ergebnis“ für die Branche heraus, die damit ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellt. Die Firmen, die ihre Exportmärkte diversifizieren konnten gehören zu den Gewinnern. Auch dank der GEFA, die mit Messeauftritten rund um den Globus neue Geschäftspartner zueinander bringt.

Auch ein bemerkenswertes, weil Deutschland im Vergleich zu Nachbarländern wie Frankreich, nur einen Bruchteil an staatlichen Exportaktivitäten hervorbringt. Drei Millionen Euro stellt die Bundesregierung für die „Exportoffensive“ zur Verfügung. Hinzu kommen 2,2 Millionen für Messeauftritte. Paris verteilt ein Budget in Höhe von 40 Millionen. Immerhin hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt auf der Grünen Woche eine neue Stabsstelle angekündigt. Ein zweiter Chefveterinär wird sich um die Belange der phytosanitären und Veterinärbelange kümmern. Das sind die Voraussetzungen für einen Marktzugang. Kritik aus der GEFA bleibt dennoch: Denn die Gelder für eine „Exportunterstützung“ sollten nicht in die Arbeit für einen Marktzugang, sondern nach Öffnung eines Marktes für den Export dorthin fließen.

Von Busse schaut ganz nach vorne. Sobald sich der Markt nach Russland wieder öffnet, können die Firmen Russland als Bonusmarkt nach erfolgreicher Diversifizierung hinzu abonnieren.

Die Grundlage für die Exportnation Deutschland bleibt auch im Agrarsektor die EU. In Asien und Nordafrika haben sich kaufkräftige Mittelschichten gebildet, die verstärkt nach deutschen Premiumprodukten fragen. Dort wächst der Export überdurchschnittlich.

Roland Krieg

[Sie können sich alle Artikel über die diesjährige Grüne Woche mit dem Suchbegriff „IGW-16“ anzeigen lassen]

Zurück