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Agrarpreistrends bis 2020

Handel

Agrarwirtschaftsausblick von OECD und FAO

Am Freitag haben FAO und OECD einen neuen Blick in die Kristallkugel geworfen, um für den Zeitraum 2011 bis 2020 die Agrarmärkte einzuschätzen. Der Blick ist differenziert.
Die realen Preise für Agrargüter sind in den letzten Dekaden immer weiter gesunken. Mit einer neuen Inwertsetzung landwirtschaftlicher Produkte durch neue Nutzungskonkurrenzen wie der Bioenergie und steigender Nachfrage aufgrund des Bevölkerungswachstums und Veränderung der Verzehrgewohnheiten werden die Preise anziehen. Mais wird gegenüber der letzten Dekade bis 2020 rund 20 Prozent teurer werden, Geflügelfleisch etwa um ein Drittel. Doch der Bericht sagt auch, dass die Preishöchststände aus der Jahresrallye 2011 nicht mehr erreicht werden.

Zweischneidiges Schwert

Steigende Agrarpreise haben gegensätzliche Auswirkungen. Zum einen sind sie ein Signal, mehr in die Landwirtschaft und den ländlichen Raum zu investieren, können so einen weiteren Preisanstieg eindämmen, auf der anderen Seite treffen sie genau die Bevölkerung, die mehr als die Hälfte ihres Budgets für Lebensmittel ausgeben muss. Nach FAO-Generaldirektor Jacques Diouf leben in den ländlichen Räumen 98 Prozent der Hungernden. Dort wird in den nächsten Dekaden die Bevölkerung auch noch um 47 Prozent ansteigen. Länger anhaltende Hochpreisphasen erschweren das Ziel der Ernährungssicherung.
Bis 2020 wird die landwirtschaftliche Produktion jährlich nur um rund 1,7 Prozent ansteigen. In früheren Dekaden lag das Wachstum bei 2,6 Prozent. Das liegt einmal an weniger stark wahsenden Erträgen, zum anderen steigenden Produktionskosten. Pro Kopf wird die landwirtschaftliche Produktion nur um 037 Prozent im Jahr ansteigen.

Fischerei

Erstmals wurde im Agrarausblick auch die Fischerei aufgenommen. Die Fischproduktion wächst nur um 1,3 Prozent jährlich. Auch das ist weniger als in den letzten Dekaden. Die Aquakultur halbiert ihr Wachstum von 5,6 auf 2,8 Prozent. Die Fischbestände in den Weltmeeren sind teils überfischt. Trotzdem erwarten FAO und OECD, dass 2015 erstmals mehr Fisch aus Aquakultur als aus den freien Weltmeeren stammt.

Ölpreis und Erträge

Die Preise für Agrargüter reagieren unterschiedlich auf veränderte Erdölpreise und Erträge. Schwankt der Ölpreis um 25 Prozent, steigen vor allem die Kosten für Betriebsmittel. Auf Weizen- oder Reiserpreise sind die Auswirkungen kleiner. Umgekehrt sind die Preise für Grundnahrungsmittel sensibler für Ertragsschwankungen. Sinkt der Weltertrag für Weizen, Reis und Mais um nur fünf Prozent, ziehen die Preise bereits um ein Viertel an.

Maßnahmen

Um den komplexen Herausforderungen zu begegnen, ist ein ganzes Maßnahmebündel notwendig. Nach Ansicht des Berichtes muss die Produktivität vor allem für Kleinbauern gesteigert, Märkte müssen gegen externe Preisschocks abgesichert werden und die Nachernteverluste müssen verringert werden. Um die Nahversorgung sicher zu stellen müssen lokale Märkte aufgebaut werden. Zur Realisierung müssen Investitionen in den Agrarsektor und den ländlichen Raum gelenkt werden.

Lesestoff:
Den ausführlichen Ausblick für die Zeit 2011 bis 2020 finden Sie auf www.agri-outlook.org

roRo

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