Aldi begründet Preissenkung
Handel
Neu bei Aldi: Preissenkungsbegründung
Aldi Nord und Süd senken bei mehr als 30 Produkten aus den Bereichen Molkerei und Schweinefleisch die Preise. Das der Discounter montags vorprescht ist nicht neu. Neu ist, dass es bei der Pressemeldung einen eigenen Absatz für die Begründung gibt. Der Lebensmitteleinzelhandel fühlt sich durch die ständigen Vorwürfe, die Preissenkungen finden auf Kosten der Bauern statt, offenbar unter Rechtfertigungsdruck.
Die Preissenkung erfolgt nach Aldi „marktbedingt durch sinkende Rohstoffpreise. Derzeit gibt es bekanntermaßen ein Überangebot auf dem Milch- und Fleischmarkt, wodurch der Lebensmitteleinzelhandel einen günstigeren Einkaufspreis erzielen kann“. Diese Ersparnis soll an den Kunden weiter gegeben werden.
Kritik folgt prompt
Der Deutsche Tierschutzbund reagiert prompt: „Zu befürchten ist, dass weitere Discounter und auch der Handel nachziehen.“ „Aldi Nord und Süd provozieren mit diesen Billigfleischangeboten Tierleid. Denn hier geht es nicht um einmalige Aktionen“, kommentiert Tierschutzpräsident Thomas Schröder die neue Preisrunde. Zudem werden die Verbraucher „auf Billigpreis trainiert“.
Wirkliche Preisentwicklung
Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft AMI hat zuletzt zwei Preisbeobachtungen verschickt. Wegen der weltweit guten Ernte in diesem Jahr und des russisichen Importembargos ist ein Druck auf die Preise entstanden. Der Rohstoffindex für Agrarprodukte der AMI ist um 3,6 Prozent auf 124,2 Punkte gefallen und hat den tiefsten Stand seit August 2010 erreicht.
Auch der Milchwert ist rückgängig. Dieser gibt den Rohstoffwert der Milch für die weiter verarbeiteten Molkereiprodukte an. Weil die Erlöse aus der Milchverwertung gesunken sind, liegt der Milchwert aktuell rund 10 Prozent unter dem Januar-Niveau. Für die Landwirte bedeutet die Verwertungsschwäche ein sinkender Erzeugerpreis. Zum Ende des 3. Quartals haben die deutschen Milchbauern im bundesweiten Mittel nur noch 35,9 Prozent erhalten.
Fazit: Aldi hat die richtige Begründung eingereicht.
Roland Krieg