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Aldi kommt mit Transfair-Kaffee

Handel

Handel: erst fair, dann bio

Im April will Discounter Aldi mit einem Transfair-Kaffee bei Verbrauchern punkten. Bis dahin hat die Transfair-Bewegung eine erstaunliche Entwicklung hinter sich. Nach Dieter Overath, Geschäftsführer von Transfair Deutschland, lag der Umsatz im Jahr 2004 noch bei 14 Millionen Euro, im Jahr 2008 hingegen bereits bei 213 Millionen. Das liege vor allem daran, dass sich der Lebensmitteleinzelhandel dem Thema geöffnet hat und nicht nur Verbraucher in den Weltläden erreicht.

Dieter Overath und Tuuli SyvaenenMit fairen Preisen die Biozertifizierung bezahlen
Im Gegensatz zu einem Biosiegel können die Bauern sofort am Fairtrade-Handel teilnehmen. Die Bauern erhalten Sicherheit und langfristige Verträge, beschreibt Tuulia Syvaenen von der Fairtrade Labelling Oganisation (FLO). Ein weiterer Vorteil: Das Logo ist weltweit einheitlich, folgt damit den gleichen Richtlinien und hat einen starken Wiedererkennungscharakter. Mehr als eine Million Kleinbauern profitieren von den besseren Preisen, und der faire Handel erreicht über Angestellte und Familienmitglieder mehr als fünf Millionen Menschen direkt. 2008 umfasste der weltweit faire Handel 2,9 Milliarden Euro und brachte einen zusätzlichen Bonus in Höhe von 43 Millionen Euro in die Entwicklungsländer. Die einheitliche Präsentation resultiert in einem starken Verbrauchervertrauen: 91 Prozent der Fair-Trade-Konsumenten halten das System für glaubwürdig.
Der Einstiegsschwelle in den fairen Handel ist einfach. Die Bauern reduzieren den Gebrauch von Dünger und Pflanzenschutzmittel und halten einfache Umweltrichtlinien ein. Für die meisten ist das der Einstieg in die Biozertifizierung, die sie mit dem Mehrgewinn aus dem fairen Handel finanzieren, so Syvaenen. Insgesamt ist ein Drittel der fairen Produkte biozertifiziert. Leitprodukte wie Kaffee und Bananen haben einen höheren Bioanteil.

Fair, bio und humorvollCSR geht nicht ohne fairen Handel
In Deutschland sind die fairen Produkte zu zwei Drittel biozertifiziert, weil Bio eine intensivere Tradition als in andern Ländern hat. Dafür liegt der deutsche Konsument mit 16 Euro Fairkonsum deutlich hinter den Schweizern, die mit 40 Euro pro Jahr die meisten Produkte aus dem fairen Handel einkaufen.
Der neuste Trend sind fair gehandelte Blumen und Kosmetik. Dieter Overath sagte auf der BioFach, dass die Kunden jetztlangsam entdecken, dass die Berücksichtigung der Inhaltsstoffe wie Shea Butter, auch mit den Entwicklungschancen im Süden verbunden ist. Overath warnt aber vor zu viel Corporate Social Responsibility (CSR) , mit der sich viele Unternehmen derzeit schmücken. Man müsse genau hinschauen, dass das keine leere Versprechungen sind. CSR gehe nicht ohne den fairen Handel.
Dieser legt den Fokus auf die Kleinbauern, von denen rund 75 Prozent der Produkte stammen. Die Einkommen der Bauern steigen und führen damit zu einer deutlich verbesserten Lebenssituation. Es entstehen neue Arbeitsplätze, so dass auch die junge Generation auf dem Land bleibt und die Landflucht minimiert werde.

Roland Krieg (Text und Fotos)

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