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Alle 60 Sekunden 30 ha Regenwald zerstört

Handel

Grüner Gesetzentwurf für Urwaldschutzgesetz

In hundert Jahren gewachsen und in drei Minuten gefällt: Ob im Amazonas, in Indonesien oder in Russland – nach Aussagen des World Wild Life Fund For Nature (WWF) wird bei über 50 Prozent des dort geschlagenen Holzes gegen geltendes Recht verstoßen. Jährlich verschwinden rund 15 Millionen Hektar Regenwald, der zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde gehört und zur Regulierung des weltweiten Klimas beiträgt. Eine gehörige Portion Schuld trägt dabei der illegale Holzeinschlag.

Ein Drittel des Holzes ist illegal
Zum Tag des Waldes bezifferte Cornelia Behm, Sprecherin für Waldpolitik von Bündnis 90/Die Grünen, gestern im Jakob-Kaiser-Haus die Holz-Importmengen nach Deutschland. Aus Brasilien führt Deutschland Holz im Wert von 272 Millionen Euro ein, aus Russland für 354 und aus Indonesien für 277 Millionen Euro. Rund ein Drittel dieser Wertmenge stammt aus illegalem Holzeinschlag, den auch die betroffenen Länder nicht unter Kontrolle bringen, so Behm.
Daher gibt es zwei Handlungsfelder, die mit einem neuen Gesetz zum Urwaldschutz abgedeckt werden können: Zum einen wird „der weiteren Zerstörung ein Riegel vorgesetzt“ und zum anderen verhindere ein Gesetz Dumpingpreise. Illegales Holz kommt billiger auf den Markt und verschlechtert die Wettbewerbssituation des heimischen Holzes, dem im Waldbericht 2006 ein noch nicht ausgeschöpftes Nutzungspotenzial für CO2 – neutrale Holzfeuerungsanlagen und modernes Baumaterial attestiert wird. Allen Waldländern zusammen entgehen durch den illegalen Handel nach Angaben der Weltbank Einnahmen in Höhe von 15 Milliarden Euro pro Jahr.

Neues Gesetz soll FLEGT ergänzen
Der Ministerrat der EU hatte im Herbst 2005 den FLEGT-Aktionsplan beschlossen, ist aber nach Ansicht der Grünen unzureichend. Mit FLEGT werden die Rechtsdurchsetzung, Politikgestaltung und Handel im Forstsektor bezeichnet. Anstelle eines Verbotes für illegal geschlagenes Holz verhandelt die EU über ein Genehmigungssystem auf der Basis freiwilliger Partnerschaftsabkommen mit Ländern wie Kamerun, Ghana, Malaysia, Indonesien und Russland. Cornelia Behm sieht vor allem den langwierigen Prozess für FLEGT als Hindernis für ein schnelles Handeln.
In Brasilien soll die Regenwaldzerstörung nach jüngsten Studien doppelt so schnell voran schreiten, wie ursprünglich angenommen. Daher kann ein neues Urwaldschutzgesetz als Lückenschluss gelten, solange FLEGT noch nicht umgesetzt ist. Es soll dieses auch nicht ablösen, denn liegt dem EU-Abkommen gemäß eine Genehmigung vor, so würde das grüne Urwaldschutzgesetz nicht mehr gelten. Gedacht ist das Gesetz demzufolge nur für den rechtsfreien Raum.
Der Entwurf des Urwaldschutzgesetzes (als Gesetz zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes) wurde am 15.03.06 als Drucksache 16/961 eingebracht und wird übernächste Woche im Bundestag diskutiert.
Cornelia Behm kann sich durchaus optimistisch zeigen, dass der Entwurf angenommen wird. Die CDU/CSU-Fraktion hat bereits den Bundestag aufgefordert „die Einfuhr illegal geschlagenen oder gehandelten Holzes aus Urwäldern und anderen Primärwäldern sowie von Produkten aus seiner Verarbeitung ohne Genehmigung zu unterbinden und Wege aufzuzeigen, die dem Importeur eine Pflicht zur Nachvollziehbarkeit der Produkt- und Handelskette aufzuerlegen und für Verstöße entsprechende Sanktionsmaßnahmen vorzusehen“. Das allerdings war in der vergangenen Legislaturperiode im März 2004 (Drucksache 15/2747). Dr. Peter Paziorek, einer der damaligen Antragsteller, ist heute Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Isotopenanalyse und Zertifikate
Einen transparenten Holzmarkt verspricht die Jülicher Firma Agroisolab. Mit der so genannten Isotopenmethode können Abgeholzter Regenwald Deutsche Bundesstiftung Umweltchemische Fingerabdrücke von Lebensmittel und Holz erstellt werden. Je nach äußeren Einflüssen wie dem Niederschlag besitzen die Proben ein unterschiedliches Muster an chemischen Elementen, dass für eine Region typisch ist. Geschäftsführer Dr. Markus Boner ist gerade mit dem WWF dabei Vergleichsmuster aus den skandinavischen Ländern, dem Baltikum, Russland, Polen, Indonesien und Malaysia anzulegen, um die Herkunft von Hölzern einwandfrei zu bestimmen. Damit hätte ein Etikettenschwindel keine Chance mehr. Allerdings befindet sich die Isotopenanalyse, für die sich auch das Bundeslandwirtschaftministerium interessiert, erst noch im Aufbau.
Zertifikate bieten eine bessere Orientierung. Zumal kann die Isotopenanalyse zwar die Herkunft bestimmen, aber nicht sagen, ob das Holz legal eingeschlagen wurde.
Zwei Drittel des deutschen Waldes sind bereits nach FSC, PEFC oder durch Naturland zertifiziert. Etablierte Nachweissysteme, auf die bereits FSC-Kampagnezurückgegriffen werden könnte. Zum einen spricht das gegen das Argument, Zertifikate würden die Bürokratie erhöhen, denn die deutschen Waldbesitzer können sich mit dieser Profilierung zusätzliche Märkte sichern, und zum anderen suchen Verbraucher mittlerweile nach solchen ideellen Werten. Allerdings verschwindet die Nachfrage nach Zertifikaten im Verlauf der Holzverarbeitung wieder. Cornelia Behm berichtete von einem Sägewerk in Südbrandenburg: „Der Kunde fragt nicht nach.“
Auf der Grünen Woche profilierte sich Chiquita mit einem Umweltfrosch, der bei den Verbrauchern gut ankommt. Aber: Angesichts des Raubbaus im Regenwald, reicht das nicht aus. Daher der Gesetzesentwurf, der von der Nachfrageseite her, „den illegalen Holzeinschlag austrocknen“ könnte, so Behm.

Wo erhalte ich zertifiziertes Holz? Welche Prüfkriterien gibt es?
www.fsc-deutschland.de
www.pefc.de
www.naturland.de

roRo

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