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Alter Käfig, neuer Käfig

Handel

Handel listet 3er-Eier aus

>In Deutschland ist am 31. Dezember vorfristig die Haltung von Legehennen in Käfigbatterien ausgelaufen. Aufschub haben nur die Betriebe bekommen, die ein vorgelegtes Umbaukonzept zu Ende bringen. Die anderen EU-Mitgliedsländer haben noch Zeit bis 2012. Trotzdem gibt es neben der Öko-, Freiland- und Bodenhaltung auch weiterhin eine Käfighaltung in einer Kleinvoliere. Oder Kleingruppenkäfig – oder Käfighaltung. Hier sind die Begrifflichkeiten zwischen Bauern, Verbänden und Tierschützern nicht eindeutig, weswegen der Deutsche Tierschutzbund zum Jahreswechsel ankündete „auch weiterhin gegen jedwede tierquälerische Käfighaltung von Legehennen zu kämpfen.“

Verschiedene Modelle
Der Deutsche Bauernverband (DBV) wollte die Anstrengungen für den Tierschutz mit einer eigenen Kennzeichnung der Kleinvoliere gewürdigt wissen und appellierte mehrfach an den damaligen Landwirtschaftsminister Seehofer, die Kleingruppenhaltung mit einer „4“ oder „3+“ kennzeichnen zu lassen. Der DBV fürchtet um die Wettbewerbsfähigkeit der Eierproduzenten.
KleinvoliereDas Institut für Tierschutz und Tierhaltung der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft Braunschweig hatte zusammen mit dem Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) eine Langzeitstudie für „Ausgestaltete Käfige“ durchgeführt und kam zu dem Schluss, dass diese „künftig das Referenzsystem für die Erzeugung preisgünstiger Eier in der EU sein“ werden. Die Strukturen und das Platzangebot wurden von den Hennen gut angenommen, so die Studie, und sofern die Hennen sich in den ausgestalteten Käfigen ausreichend bewegen können, kann bei dem Teilaspekt Tierverhalten das Haltungsverfahren akzeptiert werden.
Demgegenüber empfindet der Tierschutzbund das gestiegene Platzangebot von der Käfigbatterie zur Kleinvoliere lediglich als Sprung vom DIN A4-Blatt zum Aktendeckel – von 550 zu 800 cm2. In den Kleingruppensystemen sei keine artgerechte Haltung möglich, weil die Hennendichte eine Nutzung der dargebotenen Strukturen nicht erlaube. Aktive Hennen nutzten die Sitzstangen als Querung und störten dabei die ruhenden Tiere.
Herstellerbedingt gibt es jedoch mittlerweile verschiedene Modelle der ausgestalteten Käfige. Scharrflächen wurden vergrößert und Sitzstangen in verschiedenen Höhen angebracht. Sind Nest und Sandbad von anderen Bereichen deutlich getrennt, stören die aktiven nicht die ruhenden Tiere. Die größten Modelle geben einer Henne bis zu 890 cm2 Platz.

Der Handel macht keinen Unterschied
Der Streit um die neuen Käfige wird also weitergehen – doch der Handel regiert. Kaiser´s, tegut, Aldi (Süd und Nord), Lidl, Kaufland, Edeka, Norma und famila haben dem Tierschutzbund gegenüber formuliert, Eier mit der „3“ auszulisten. Eine neue Kennzeichnung wird es nicht geben, so dass die Konsumenten im Handel zwischen „0“ (Bioei), „1“ (Freilandhaltung) und der „2“ (Bodenhaltung) unterscheiden können. Sehr zum Ärger des Bauernverbandes, der das im Vorfeld als „marktfern“ und „sachfern“ kritisierte.
Offen ist derweil noch immer die von Rheinland-Pfalz anhängige Normenkontrollklage von 2006 gegen die neuen Käfige, weil Ministerpräsident Kurt Beck und Umweltministerin Margit Conrad auch mit der neuen Haltungsform die Grundbedürfnisse der Legehennen nicht erfüllt sehen. Wolfgang Apel, Präsident des Tierschutzbundes hofft, dass über die Klage bald entschieden wird.

roRo; Foto: Big Dutchman

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