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Angebote oder Ramschpreise?

Handel

Handel wehrt sich gegen Ramschpreisimage

Mehr als die Dürreschäden beschäftigen sich die Landwirte derzeit mit den Preisen ihrer Lebensmittel. Die Erzeugererlöse sinken bei steigenden Inputkosten. Da liegt es nahe, Sonderangebote im Lebensmittelhandel die Schuld zu geben. Das Machtkartell der „Big 5“ ist vor dem Hintergrund der Kaiser´s – Veräußerung nicht von der Hand zu weisen. Von der Milch über Fleisch bis zum Getreide fallen die Preise auf breiter Front.

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) fährt gerade eine Aktion gegen „Ramschpreise“ bei Netto Markendiscount. Bei der Forderung von Zusatzanforderungen zeige sich der Handel großzügig, wenn es aber an das Bezahlen ginge, halte sich der Handel zurück. Vor allem werden deutsche Qualitätsprodukte im Preis um 11 bis 13 Prozent gesenkt. „Dies ist aus Sicht der ISN eine komplett verfehlte Preispolitik und ein Stück weit schizophren“, fassen die Schweinehalter ihren Ärger zusammen. Sie gestehen dem Handel die Betrachtung von Angebot und Nachfrage zur Preisgestaltung als Marktinstrument zu, wehren sich aber gegen „Ramschpreise“.

Unterstützung findet die Aktion bei der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die „alle Landwirte, Verbraucher, Politiker und Medien“ auffordert, die Aktion zu unterstützen. Allein sie die Schuld nicht nur dem Handel zu, sondern auch dem System der Agrarkonzerne, die mit „angeheiztem Überangebot für den angeblichen Weltmarkt“ die Grundlage für das Verhalten im Handel legen. Die teuer in Deutschland erzeugte Milch oder das Schweinefleisch trifft auf dem Weltmarkt auf kostengünstig erzeugte Konkurrenzangebote aus Brasilien, Ozeanien oder den USA.

Der „Schizophrenie“ gibt AbL-Sprecher Eckhard Niemann ein deutliches Gesicht: „Es geht nicht an, dass Handelskonzerne mit ihrer Teilfinanzierung einer „Initiative Tierwohl“ werben, und sich gleichzeitig durch Preissenkungen ein Mehrfaches der für den Tierwohl-Fonds gespendeten Summen wieder hereinholen!“

Am 07. September wollen die EU-Agrarminister das Problem der gesunkenen Preise besprechen. Der agrarpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Franz Holzenkamp, forderte vor dem Treffen alle Akteure auf, ihre Verantwortung zu leben. Im Vordergrund stehen allerdings Liquiditätshilfen, Verwendung der Superabgabe für die Milchbauern, die Bildung starker internationaler Marken und eine Exportoffensive.

Gegen Kritik am Handel wehrt sich Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverband Deutschlands (HDE). Die Preisgestaltung im Lebensmitteleinzelhandel sei nicht Hauptursache für die Existenzprobleme der Bauern. Zwar stiegen die Lebensmittelpreise in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres nur um moderate 0,3 Prozent, aber: „Dies ist jedoch auch vor dem Hintergrund deutlicher Preissteigerungen der Vorjahre zu sehen“, fügt Genth hinzu. So verteuerten sich Lebensmittel zwischen 2010 und 2014 um rund elf Prozent und damit spürbar stärker, als die Verbraucherpreise insgesamt.

Roland Krieg; Foto: Aktionsplakat der ISN

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