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Apfelmarkt in Bewegung

Handel

Russland: Katalysator, nicht Urheber der Apfelmarkt-Trends

Schon gleich nach dem EU-Embargo Russlands wussten Agrarmarktexperten, dass Marktverwerfungen nicht alleine auf Moskau zurückzuführen sind. Zu der Zeit zeichnete sich bereits eine sehr gute Apfelernte ab, von der die Vermarkter nicht wussten, wo sie unter zu bringen ist. Südtirol ist ein „Apfelland“ schlechthin und die Fachmesse „Der Apfel in der Welt“ zeigte, wie sich auch ohne Russland der Apfelmarkt verschiebt.

Der Anbau in der EU wanderte in den letzten Jahren immer mehr in Richtung Osteuropa. Von den rund 7,5 Millionen Tonnen Tafeläpfel ist der Anteil der osteuropäischen Produktion von 25 auf 35 Prozent gestiegen, berichtet der Südtiroler Bauernbund. Zudem verzehren die Europäer immer weniger Äpfel. Würden sie die EU-Ernte ganz verzehren, müssten jeder der 500 Millionen EU-Bürger 15 Kilogramm Äpfel essen. Immerhin: Die Österreicher und Deutschen essen mit 29 und 25 Kilo deutlich mehr als der EU-Durchschnitt mit 15. Kilogramm. Allerdings lassen sich die EU-Bürger die Äpfel immer weniger schmecken. Der jährliche Konsumverlust von zwei Prozent entspreche rund 150.000 Äpfeln, die außerhalb Europas abgesetzt werden müssen.

Das geschieht auch. Italien hat zwischen 2009/10 und 2013/14 den Export nach Nordafrika und den Mittleren Osten stark erhöht. Auch Asien und Südamerika stehen auf der Empfängerliste. Das hat sich in den traditionellen Erzeugerländern in Übersee herumgesprochen. So liefert Peru weniger Äpfel nach Europa und steigt im Anbau auf ökonomisch rentableres Beerenobst um.

Der Export erfordert einen Sortenwechsel. Die Südtiroler bauen mehr Gala und Red Delicious für den Export an. Polen wird langfristig auf Idared verzichten, weil das die Sorte war, die bevorzugt nach Russland ging. In Polen boomt derzeit der Absatz eigener Äpfel, von dem künftig auch die Südtiroler Bauern profitieren wollen. Langfristig aber liege die Zukunft des Apfelmarktes nicht in Osteuropa.

Roland Krieg

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