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Asiens Wirtschafts-Attraktivität schlägt Alles

Handel

Ohne Asien stockt der Welthandel

„Das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert Asiens!“. Das sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher schon im März bei der Vorstellung des Asian Development Outlook 2016 [1]. Die Unternehmensberater von A.T. Kearney kommen mit ihrem am Montag vorgestellten Ranking der wichtigsten Märkte für den Handel zum gleichen Ergebnis. China, Indien und Malaysia stehen auf den ersten drei Plätzen. Indonesien hält Platz 5. Ausschlaggebend für die Attraktivität der Märkte sind Zahlen über das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum.

Das hat auch der deutsche Handel bemerkt. Schon im letzten Jahr hat die Metro eine Kooperation mit dem chinesischen Online-Händler Alibaba abgeschlossen. Der Online-Handel in China beträgt rund 2,8 Billionen US-Dollar. Die Metro hatte sich ebenfalls den Riesen „Classic Fine Foods“ mit Hauptsitz in Singapur einverleibt. Die Metro Group hat damit den besten Startplatz für direkte Belieferungen von Hotels, Restaurants und Caterern.

Auch der Non-Food-Bereich blickt nach Asien. Adidas will in Indien die Zahl seiner Geschäfte auf 750 steigern. In China ist der Sportschuhhersteller bereits die führende Marke.

Verlierer und Gewinner

Auf den Plätzen 4 und sechs bis zehn folgen Kasachstan, die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Peru und Aserbeidschan [2].

Verlierer sind die südamerikanischen Länder Uruguay und Chile, die im Ranking der TOP 30 im letzten Jahr noch auf den Plätzen 2 und 3 rangierten und ganz rausgefallen sind. Von politischer Instabilität sind die Staaten des Mittleren Ostens geprägt. Neu im Index ist Rumänien. Lidl will sein Filialnetz dort ausbauen. Mit 190 Läden ist die Schwarz-Gruppe mit dem Discounter bereits vertreten. In diesem Jahr sollen zehn weitere Filialen hinzukommen. Stärker in den wirtschaftlichen Fokus rücken mit Marokko, Algerien und Ägypten drei nordafrikanische Staaten auf den Plätzen 14, 18 und 30.

Die Schwellenländer bleiben für den Handel attraktiv. In den vergangenen Jahren wuchs die Bevölkerung um 21 Prozent auf 6,2 Milliarden Menschen und der Umsatz um 350 Prozent. Sie stellen rund die Hälfte des globalen Umsatzes

Zukunft Online

In fast allen Märkten kann mit wenig Startkapital Online-Umsatz generiert werden. „So übersteigt das Umsatzvolumen im Online-Handel nicht nur längst den des stationären Handels in fast allen Märkten“, schreiben die Marktanalysten von A.T. Kearney. Das Risiko bleibt überschaubar und bietet den Händlern das Vordringen in ländliche Regionen.

„Die globale Expansion des Handels steht vor einer Zeitenwende“, fasst Branchen-Experte Dr. Mirko Warschun zusammen. „Dabei spielt – einmal mehr – das Internet die Hauptrolle. Wenn der allgemeine Wohlstand weiter zunimmt und weltweit immer mehr Menschen auch mobil Online-Zugang haben, kann der Handelsumsatz auf 22,1 Billionen Dollar steigen. Verlangsamt sich dagegen das Wachstum in China und Indien und gewinnen Nationalismus, Zensur und staatliche Regulierung die Oberhand, liegen unsere Prognosen um gut acht Billionen Dollar niedriger.“

Lesestoff:

Die komplette Studie finden Sie unter www.atkearney.de

[1] Entwicklungsbericht Asien 2016

[2] Heute empfängt Bundeskanzlerin Angela Merkel den Präsidenten der Republik Aserbaidschan, Ilham Alijew, im Bundeskanzleramt. Deutschland ist viertwichtigstes Einfuhrland. Gebraucht werden Maschinen, Eisen und Stahl, Transportmittel und – auf Platz vier – Nahrungsmittel. Rund zehn Prozent der Nahrungsmittel werden eingeführt. Bei Fleisch (90 %), Eiern (80%) und Milchprodukten (75%) hat das Land einen hohen Selbstversorgungsgrad. Bis 2020 hat das Land eine eigene Entwicklungsstrategie für die Landwirtschaft aufgestellt, bei der überwiegend Agrartechnik und landwirtschaftliche Versicherungen im Vordergrund stehen. Auch Bewässerungsanlagen sowie Lagerhallen stehen auf der Wunschliste. Die Bewässerungsanlagen auf rund 85.000 Hektar müssen saniert werden. Wichtigster Agrarsektor ist die Einfuhr von Getreide. Im Januar hat das aserbaidschanische Wirtschaftsministerium nach Angaben von Germany Trade and Invest (gtai) die Einfuhrumsatzsteuer für Weizen (18 Prozent) gestrichen.

Roland Krieg

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