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Bedroht Coca-Cola das Mehrwegsystem?

Handel

Coca-Cola schafft Mehrwegflaschen ab

Künftig sollen die 0,5 und 1,5 Liter-Flaschen beim Brausehersteller Coca-Cola nur noch als Einwegverpackung angeboten werden. Dem Getränkeriesen ist der Aufwand für die Logistik zu groß, die vom Verbraucher hier eingekauften und dort abgegebenen Flaschen wieder einzusammeln.

Die Nachricht kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Mehrwegsystem seinen Schwung verliert. Die Mehrwegverpackung ist bei den Verbrauchern sehr beliebt, aber mit der Einführung eines Pfandsystems bei Einwegflaschen sind die Kunden regelrecht verwirrt, was noch Einweg und was Mehrweg ist. Die Mehrwegquote ist getränkespezifisch. Bei Bier liegt sie noch bei 80 Prozent, bei Mineralwasser sind es nur noch 30 Prozent und bei Fruchtsaftgetränken liegt sie noch niederiger. Daher sendet Coca-Cola ein durchaus fatales Signal an die Kreislaufwirtschaft.

Das fürchtet auch Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD), Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. Am Mittwoch bezeichnete sie das Mehrwegsystem im Bundestag als „ökologisches Vorzeigeprojekt“ und den Ausstieg von Coca-Cola nehme sie „mit Sorge zur Kenntnis“. Mehrweg verringert Abfall und vor allem die sortenrein gesammelte PET-Flasche sei im Mehrwegsystem besonders vorteilhaft. Das ifeu-Institut entwickele neue Parameter für die Umweltauswirkungen, die aber keine neuen Erkenntnisse hervorbringen, sondern die bestehenden Ökobilanzberechnungen wissenschaftlich belastbarer machen will. In Kürze werden die Ergebnisse vorgestellt.

Um Verbraucher besser über die Unterschiede zwischen Mehrweg- und Einwegsystem zu informieren soll es eine Hinweispflicht auf der Verpackung geben. Das entspricht den Wünschen der Umweltverbände. Der Entwurf liege aber derzeit noch immer im Bundesrat.

Welche Wirkungen der Firmenentschluss auf Umwelt und Arbeit nach sich ziehe, könne nicht abgeschätzt werden, sagte Schwarzelühr-Sutter. Peter Meiwald (Bündnis 90/Die Grünen) fürchtet, dass bald die Ein-Liter-Flaschen folgen werden.

Die Berliner Verbraucher-Initiative hat eine aktuelle Studie veröffentlicht: „Mehrweg- und ökologisch vorteilhafte Einweg-Getränkeverpackungen (MövE). „Weniger Verpackung schon die Umwelt“ und „Wiederverwertung hat Priorität“. Diese beiden Merksätze haben die Konsumenten verinnerlicht und können sie beim Einkauf schnell und einfach umsetzen. Doch nur noch 40 Prozent der Kunden können im Geschäft Mehrweg von Einweg unterscheiden. Die Verbraucher-Initiative fordert von der Bundesregierung eine „bundesweite, akteursübergreifende Verbraucherkampagne“.

Lesestoff:

Machen Sie den Test: Der Nabu hat 2012 die Einschätzung zur Umweltfreundlichkeit von Getränkeverpackungen getestet

Studie der Verbraucher-Initiative: www.verpackungsbarometer.de/verbraucherstudie

Roland Krieg

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