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Bio könnte mehr

Handel

Wachstumssorgen im Ökolandbau

>Neben dem Biomassemarkt, gibt es in der Landwirtschaft noch einen weiteren Sektor, der hohe Wachstumsraten aufweist: Der Biomarkt. Mit einem Anteil von 9,7 Prozent an der landwirtschaftlichen Nutzfläche liegt Brandenburg ganz vorn in der Bundesstatistik. Zusammen mit der verarbeitenden Industrie, präsentieren sich märkische Ökobauern in der Halle 21a den Berliner Konsumenten. Während der Anteil der Brandenburger Produkte am Berliner Lebensmittelmarkt zwischen sechs und acht Prozent liegt, erreicht der Anteil der ökologischen Waren 20 Prozent, sagte heute morgen Michael Wimmer von der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Brandenburg. Frischmilch, Käse, Quark und Backwaren sind die Zugpferde, die Berliner Verbraucher zu schätzen wissen. Der Messeauftritt sei daher als ein "Best of Regionale Produkte" zu verstehen, denn fast alle Erzeugnisse können die Hauptstädter auch im Alltag "gleich um die Ecke kaufen".

Nachfragemarkt Bio
Schwieriger sei die Situation bei verarbeiteten Produkten, denn es gibt nur wenig kleines Handwerk in der brandenburgischen Ernährungsindustrie. Es fehlt an Tradition, wie sie in Niedersachsen oder in Südwestdeutschland vorhanden ist, stellte Regina Witt vom Anbauverband Gäa fest. Das Wachstum der Biosupermärkte führe auch dazu, dass regionale Erzeugnisse in Produkten stecken, ohne dass es auf dem Etikett vermerkt ist.
Die Diskussion um das Gammelfleisch hatte wie zuvor andere Lebensmittelskandale, die Nachfrage nach Biofleisch erhöht. So viel, wie es die Verbraucher wünschten, können die Betriebe allerdings nicht liefern. "Bioferkel werden zur Zeit steckbrieflich gesucht", beschreibt Wimmer den Markt. Wünschenswert wäre es auch, dass es in jeder Region eine Lehrwerkstätten Bollewick, die auch für Ökobetriebe aus dem nördlichen Brandenburg schlachten können.
Wenn der Discounter Plus bundesweit eine Biowurst listet, dann fegt er diesen Markt auf der Erzeugerseite praktisch leer. Je mehr größere Geschäfte mit Biofleisch einsteigen, desto größer wird das Angebot für die Verbraucher, die dann, so zeigt es sich, das Fleisch auch vermehrt nachfragen.

Stagnation auf Betriebsseite
Die wachsende Nachfrage zeigt sich auch beim Betriebsgewinn. Der Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes weist selbst nach Entlohung aller eingesetzten Arbeitskräfte einen höheren Betriebsgewinn für Ökobetriebe, als für die konventionelle Nachbarschaft aus. Trotzdem stagniert die Zahl der Umstellungen, wie es Biolandvorstand Thomas Dosch auf der Grünen Woche bereits beklagte. Umsteller müssen zwei Jahre warten, bis sie ihre Erzeugnisse als Ökoprodukte vermarkten können und sind daher betriebswirtschaftlichen Risiken ausgesetzt. Sie können noch nicht die höheren Erzeugerpreise abschöpfen, verringern aber durch den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und geringerem Düngemitteleinsatz ihre Erträge. Auf den leichten Böden Brandenburgs kann das bis zur Hälfte des Ertrages ausmachen, berichtete Regina Witt.
Brandenburg fördert die Umsteller seit letztem Jahr aber nicht mehr. Betriebe, die ihre Flächen erweitern, erhalten nur noch für zwei Hektar Finanzhilfen. Die Ökobranche sieht in dieser Politik ein kontraproduktives Verhalten für einen wachsenden Absatzmarkt.

Gefühlte Förderung
Vorwürfe gehen auch an den neuen Landwirtschaftsminister Horst Seehofer. Seinem ständig wiederholten Argument, das der Ökolandbau von seiner Vorgängerin stärker gefördert worden sei, bleibt er den Beweis schuldig. Künast hatte mit ihrer Politik die Biobranche aus der Müsliecke herausgeholt und vor allem mit dem Biosiegel gesellschaftsfähig gemacht, bewerteten Witt und Wimmer gemeinsam die vergangene Verbraucherpolitik. Kritik äußerte Michael Wimmer an der aktuellen Sprachregelung der Regierung. Sie wolle ideologische Argumentationen der rot-grünen Politik überwinden, falle aber genau in diese wieder zurück und beginne erneut, zwischen dem ökologischen und konventionellen Landbau zu trennen.

Roland Krieg

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