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Bio-Ökonomie braucht grünes Geld

Handel

EU-Parlament regelt nachhaltige Finanzen

Was macht mehr Sinn? Die Investition in ein Steinkohleunternehmen oder in eine Windkraftanlage? Da hat jeder seinen eigenen Geschmack; der Weg in die Bio-Ökonomie für ein nachhaltiges Wirtschaften setzt jedoch eine nachhaltige Finanzierung voraus. Nachhaltig im Sinn einer Rentabilität oder nachhaltig im Sinn einer ressourcenschonenden Wirtschaft?

Damit fangen die Missverständnisse schon an. Deutschland hat Ende Februar dieses Jahres eine „Sustainable-Finance-Strategie“ beschlossen. Die EU ist schon seit 2018 auf den politischen Spuren von grünem Kapital. Dazu brauchen Investoren, die nicht nur zwischen Wind und Kohle unterscheiden wollen, ein Klassifizierungssystem, nach dem sie sich orientieren können.

Das Europaparlament hat diesen Montag mit dem Rat eine Einigung erzielt, welche Kriterien einer grünen Investition zu Grunde liegen. Es sind Investitionen in Richtung Klimawandelanpassung und Klimafolgenminderung, Projekte für die nachhaltige Nutzung von Wasser und Meeren, für den Einstieg in die Kreislaufwirtschaft inklusive Abfallvermeidung und Nutzung von sekundären Rohstoffen, zur Vermeidung und Kontrolle von Verschmutzung und in Sicherstellung sowie Herstellung von Biodiversität und Ökosystemen.

Nach der Entwicklung der Buchhaltung ist die Klassifizierung für ein nachhaltiges Investment der wichtigste Schritt im Finanzbereich“, sagte die finnische Berichterstatterin aus dem Umweltausschuss Sirpa Pietikainen von den Christdemokraten. Doch ist die Einigung lediglich der erste Schritt, Geld in grüne Projekte zu leiten. Immerhin müssen alle Finanzprodukte, die als grün bezeichnet werden wollen, jetzt strengeren Regeln unterliegen, ergänzte  der Niederländer Bas Eickhout im Ausschuss für Ökonomie (Grüne). Finanzprodukte in Projektedürfen die genannten Kriterien nicht untergraben. Bisherige Label in verschiedenen Ländern haben für Verbraucher und Investoren intransparente Kriterien benannt. Mit den Klassifikationen soll zudem ein „Greenwashing“ verhindert werden.“

Die Klassifizierung will mit Ausnahme von fossilen Energieträgern wie Stein- und Braunkohle keine Negativliste werden. So sind Gas und Atomkraft nicht komplett von nachhaltigen Investitionen ausgeschlossen. Sie können als Übergangstechnologie ebenfalls grün sein.  

Im nächsten Schritt folgt die Prüfung der Vorlage in den beiden Ausschüssen, bevor das Plenum darüber abstimmt. Final sollen die Kriterien zum 31. Dezember 2021 stehen.

Nach Angaben des Südwind-Institut gelten in Deutschland rund 4,5 Prozent und 219 Milliarden Euro des angelegten Kapitals als nachhaltig. In einer öffentlichen Anhörung im Bundestag haben Banken den „starken Trend“ zu grünem Geld bestätigt. Renate Waßmer von der Sparkasse Bad-Tölz-Wolfratshausen hingegen befürchtet, dass nicht zertifizierte Unternehmen höhere Zinsen und damit ein Wettbewerbsnachteil drohe. Die FDP hatte Anfang November die Bundesregierung aufgefordert, die europäischen Ziele abzulehnen. Der Finanzsektor bepreise Risiken und keine politischen Absichten.

Lesestoff:

Nachhaltige Finanzierung: https://herd-und-hof.de/handel-/nachhaltige-finanzierung.html

Roland Krieg

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