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Bitterer Zucker

Handel

Nordzucker schließt Werke

>Europa muss nach dem WTO-Beschluss 2,8 Millionen Tonnen weniger Zucker produzieren. Langsam wird es ernst und die Rübenfabriken werden sich bis zum 01. August 2006 entscheiden müssen, ob sie in der danach beginnenden Rübenkampagne noch die Ernte annehmen oder nicht. Wer sich bis zu diesem Datum entscheidet bekommt 730 Euro je Tonne Austiegsgeld. Danach sinkt der Entschädigungspreis.
Nordzucker hat jetzt die Schließung zweier Werke angekündigt, um anteilig 200.000 Tonnen weniger Zucker zu produzieren.

Beschluss des Vorstandes
Schrittweise werden die Werke geschlossen. Am 31. Dezember 2005 stellt die Zuckerfabrik Wierthe bei Braunschweig ihre Produktion ein und nach Abschluss der Rübenkampagne 2006 schließt Groß-Munzel bei Hannover. In Wierthe sind 116 Mitarbeiter betroffen, im zweiten Werk 72, für die der Vorstand und der Betriebsrat einen Interessensausgleich und Sozialplan zum sozialverträglichen Abbau der Arbeitsplätze vorsehen. Außerdem ist vorgesehen, so meldet Nordzucker, jedem Mitarbeiter einen Arbeitsplatz in einem der verbleibenden sechs Werke anzubieten. Vorstandvorsitzender Dr. Ulrich Nöhle kündigte an: "Wir setzen vor allem auf unternehmensweite Vorruhestandsregelungen und Arbeitsplatzangebote in anderen Werken." Das Service-Center in Wierthe sowie das Flüssigzucker-Werk in Groß Munzel mit dem jeweiligen Mitarbeiterstamm bleibe erhalten. Alle Auszubildenden werden ihre Ausbildung sowie das im Anschluss vereinbarte Praxisjahr zu Ende bringen können.

Wertstrukturkonzept für Norddeutschland
Die Schließungen bilden den Kern eines Wertstrukturkonzepts, das für den Zuckerproduzenten notwendig geworden war, nachdem im April 2005 EU-Zuckerexporte ab 2006 auf den Weltmarkt verboten worden sind. Zusätzlich erwartet Nordzucker durch die im Juni dieses Jahres vorgelegten Reformpläne der EU-Kommission für eine neue Zuckerordnung weitere Belastungen.
Dr. Nöhle sieht das Strukturkonzept in einem größeren Zusammenhang: "Nordzucker wird die Veränderungen aktiv lenken. Die WTO-Entscheidung schlägt bei uns mit über 200.000 Tonnen pro Jahr zu, die wir weniger erzeugen können. Das ist die Kapazität von mehr als einem Werk." Zudem stellen laut Nöhle die angekündigten Reformschnitte der EU enorme Herausforderungen dar, die nur durch Senkungen der Produktionskosten in der gesamten Erzeugungskette beantwortet werden können.
Der Vorschlag der EU, der noch von den Mitgliedsländern angenommen werden muss, sieht eine Preissenkung von 43 Prozent für Rüben und von 39 Prozent für Zucker vor. Nordzucker sieht für die Landwirte in Norddeutschland einen Rückgang der Rübenanbaufläche zwischen 15 und 20 Prozent.

Den Bauern Sicherheit
Auf der agrarpolitischen Tagung der Düsseldorfer Euroforum mit dem Handelsblatt in Berlin hatte Dr. Nöhle bereits frühzeitige Entscheidungen angemahnt. Die Bauern müssen am 15. März die neue Rübensaat in den Boden bringen und brauchen bis dahin Sicherheit, dass ihre Zuckerfabrik die Ernte im Oktober noch abnimmt. Die Rübenbauern rund um Braunschweig und Hannover wissen jetzt, was die stunde geschlagen hat. Nöhle: "Rasches handeln ist das Gebot der Stunde , damit wir uns fit für den Markt machen."

roRo

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