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Brasilien kommt

Handel

Verteilerzentrum in Frankfurt geplant

>APEX ist die brasilianische Exportorganisation für Agrarprodukte. Sie hat das Konzept des intelligenten Handels entwickelt, dass ihr Vertreter Eduardo Caldaz auf der BioFach in Nürnberg vorstellte. Die einzelnen Bundesstaaten haben verschiedene Charaktere, die auf dem Binnenmarkt herausgearbeitet werden. Für den Export hingegen wird Brasilien als Einheit vermarktet. Die APEX widmet sich ausschließlich neuen Märkten und arbeitet mit Handelsketten zusammen, um über Messen und Veranstaltungen das Exportvolumen zu erhöhen.
Konkrete Zahlen: 200 Projekte mit 45 brasilianischen Firmen für 54 Exportländer. Die APEX wickelt mittlerweile 60 Prozent des brasilianischen Agrarexportes ab. Bis 2007 sollen jährlich 30 Millionen US-Dollar Auslandsinvestitionen in das Land gebracht werden und national wird 20 Prozent des Bruttosozialprodukts in den Agrar- und Ernährungssektor investiert. Gegenüber 2003 sind die Exporte, die Importe und der Exportüberschuß im Jahr 2004 im Gleichklang um etwa jeweils 30 Prozent angestiegen. Die APEX führt Marktstudien vor Ort durch und gestaltet den Handel durch den Aufbau von Verteilerzentren effektiv. Eines gibt es bereits in Miami, Florida - ein weiteres ist für 2005 in der Mainmetropole Frankfurt geplant.

Über diesen Kanal werden auch die ökologischen Produkte kommen. Mit 840.000 Hektar Ökofläche nimmt Brasilien Platz 5 in der Weltrangliste ein. 19.000 Betriebe, davon 90 Prozent Kleinbauern, entwickeln auf diesem Marktsektor ein jährliches Wachstum von 50 Prozent, so Caldaz. Kaffee, Tee, Hähnchen, Rindfleisch, Kräuter, Säfte, Shrimps, Obst und Gemüse: Nichts, was Brasilien nicht produzieren könnte, denn das riesige Land hat weist fast alle gängigen Ökosysteme auf. Der Umsatz mit Ökoprodukten beträgt 200 Millionen US-Dollar und erreicht den Verbraucher meist über den Supermarkt.
Auf der BioFach hat Brasilien einen 755 qm großen Pavillon. Das verdeutlicht wohin Brasilien will: "Wir wollen eine Exportkultur schaffen", sagt Caldaz selbstbewußt. Vor allem begnügt das Land sich nicht mit der Lieferung von Rohware. Verarbeitung und Verpackung sind zentrale Themen der APEX. Brasilien will den Mehrwert verarbeiteter Waren für sich selbst nutzen. Aus diesem Verständnis heraus resultiert die Forderung, Ökoprodukte im internationalen Handel von der Steuer zu befreien.

Gesetz 10.831
Jose Coelho Santiago ist der Präsident der Kammer für ökologische Landwirtschaft. Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes arbeitet die Regierung mit der Bevölkerung eng zusammen, sagt er. Die Kammer wurde geschaffen, um den Ökolandbau voran zu bringen, der mit allen Beteiligten abgestimmt wird. "Die Bauern schreiben sozusagen das Gesetz selber." Die Kammer ist mit 27 Einheiten und verschiedenen Ausschüssen so aufgebaut, dass die Bauern vor Ort repräsentativ und demokratisch ihre Wünsche und Vorstellungen an die Regierung weitergeben können. Das ist, berichtet Santiago, eine zeitaufwendige Sysyphos-Arbeit. Aber sie scheint sich zu lohnen. Mit 8,5 Millionen qkm ist Brasilien fast genauso groß wie China. Die Temperaturen liegen zwischen - 5 und 50 Grad Celsius: Die Bauern im Norden produzieren anders, als die Bauern im Süden. Dem soll das neue Gesetz 10.831 Rechnung tragen und kann daher nur einen Rahmen vorgeben, wie Rogério Dias vom Landwirtschaftsministerium bestätigt. Das Gesetz vom 23.12.03 hat bereits den Kongress passiert und wird im April fertig und der Öffentlichkeit präsentiert werden. Nachhaltigkeit, Zertifizierungen und soziale Gerechtigkeit sind die Grundpfeiler des Ökogesetzes.
Auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit werden die Bauern im Norden weiterhin Fungizide einsetzen müssen, weil die Pilze dort kaum anders zu bekämpfen sind. Exportgetreide muss in Brasilien mit Methylbromid behandelt sein, was dann allerdings nicht mehr ökologisch ist. Darin sieht Dias eine Herausforderung an die Normen. Kleinbauern brauchen bei der Direktvermarktung keine Zertifizierungen. Kooperationen bekommen ein Zertifikat, dass dann für alle Beteiligten gilt. Das Ausland müsse solche Besonderheiten akzeptieren, so Dias. Hierin liegt jedoch auch eine Menge Zündstoff.
Bauern wissen beispielsweise nicht, dass es ökologisches Saatgut gibt und fragen es beim lokalen Händler nicht nach. Weil es nicht nachgefragt wird, bietet der Händler das Saatgut nicht weiter an. Ein Beispiel, welche Probleme in Brasilien noch überwunden werden müssen. Im Rahmen des Programms Pro Organic, wird es computergestützte Datenbanken geben, die Wissenslücken deckt: Zuchtlinien, Saatgut, Prozessbeschreibungen werden darin erhältlich sein und können über Multiplikatoren an die Bauern weitergegeben werden.
Valter Biancchini aus dem Ministerium für Agrarentwicklung hält viel Geld bereit: In diesem Jahr sollen bis zu 13 Millionen Euro in den Ökolandbau investiert werden. Für 1,8 Millionen Bauern stehen Kredite in Höhe von 2 Milliarden Euro bereit. Klein- und Kleinstbauern sollen diese verbilligt bekommen.
Brasilien hat noch viel vor.

roRo

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