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Braugerste: Falscher Alarm

Handel

Warum sollen die Bierpreise steigen?

Der Lebensmittelhandel in Deutschland hat so wenig Interesse daran, die Lebensmittelpreise zu erhöhen, dass die Branchenverbände mit Blick auf die Rohstoffpreise nach höheren Erzeugerpreisen rufen. Die Fruchtgetränkeindustrie verweist beispielsweise auf die Preisexplosion innerhalb eines Jahres bei brasilianischem Orangensaft-Konzentrat von 900 auf 2.500 Dollar je Tonne. Raffiniertes Rapsöl wurde nach Angaben der Feinkostindustrie in den letzten 18 Montane um 30 Prozent teurer und begründet das durch die vermehrte Nachfrage nach Bio-Diesel. Vergleichbares gilt für Pfeffer, Muskat und andere Gewürze. Die Alarmmeldungen führen die Konkurrenz von Nahrungspflanzen zu erneuerbaren Energien und die steigende Nachfrage in Indien und China an.

Höhere Bierpreise gefordert
Jetzt versucht auch die Brauwirtschaft höhere Endpreise durchzusetzen – weil die Getreidepreise gestiegen sind. Dem allerdings widerspricht der Deutsche Bauernverband (DBV) heftig. Richtig ist, dass die weltweite Getreideernte in den letzten Jahren niedriger gewesen, die Nachfrage in den wachsenden asiatischen Märkten angestiegen ist und sich somit weltweit der Getreidepreis auf ein höheres Niveau einpendelt.
Die Brauwirtschaft ist allerdings nicht unschuldig an der Gemengelage in Deutschland. Durch die in den vergangenen Jahren sinkenden Braugerstenpreise ist die Anbaufläche von 840.600 ha im Jahr 1999 auf 542.000 im letzten Jahr gesunken. Die „aggressive Preispolitik“ der Brauwirtschaft hat die Bauern veranlasst, trotz steigender Produktionskosten aus dem Braugerstengeschäft auszusteigen. „Zuletzt war eine kostendeckende Braugerstenproduktion in Deutschland kaum mehr möglich“, klagte der DBV vor Ostern. Der Rückgang im Braugerstenanbau ist seit dem Jahr 2000 rückläufig – vor dem Biogasboom.

Geringer wertmäßiger Anteil
Wie beim Brötchen ist auch beim Bier der wertmäßige Anteil des Rohstoffes nur der kleinste Teil am Endprodukt. Beim Bier sind es aktuell nur 1,4 Cent Braugerstenanteil je Liter Bier. In einer Kiste mit 20 Flaschen zu 0,33 l Gerstensaft fallen lediglich 33 Cent für die Braugerste an. Der zweite landwirtschaftliche Rohstoff, der Hopfen, schlägt ebenfalls nur mit etwa 1 Cent pro Liter zu Buche.
In keinem anderen Land gibt es so viele Brauereien wie in Deutschland. Von 1.694 Brauereien in der EU befinden sich 1.274 in Deutschland. Diese produzieren gut 105 Millionen Hektoliter Bier bei einem Umsatz von 8,2 Milliarden Euro. Pro Kopf trinken die Deutschen 115 Liter Bier im Jahr, wobei es vor 20 Jahren noch 30 Liter mehr waren. Der DBV hatte in seinem Situationsbericht 2007 bereits den neuen Trend zum Billig-Bier ausgemacht.
Preiswertes Bier, rückläufiger Verbrauch und viele Brauereien: Komponenten eines Strukturwandels und mittlerweile vereinen die acht größten Brauereien zwei Drittel des Biermarktes. Eine Preiserhöhung auf Grund der Bioenergie hält der DBV für „Irreführung der Öffentlichkeit“.

Deutschlands größte Bierbrauer

Unternehmen

Marke

Hektoliter

InBev Deutschland

Beck´s Franziskaner, Diebels, Spaten, Hasseröder

17,3 Mio

Radeberger Gruppe

Radeberger, Jever, DAB, Clausthaler

13,7 Mio

Bitburger Gruppe

Bitburger, König, Licher, Köstritzer

8,1 Mio

Brau-Holding International (BHI)

Paulaner, Kulmbacher, Fürstenberg

7,4 Mio

Carlsberg-International

Holsten, Lübzer, Carlsberg, Tuborg

7,0 Mio

Oettinger

Oettinger

6,5 Mio

Krombacher

Krombacher, Rhenania, Eichner, Cab

5,7 Mio

Q: Situationsbericht DBV 2007

VLE

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