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Cholesterinsenker im Kühlregal

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Ab heute neue Kennzeichnungspflicht

> Der Mainzer Universitätsprofessor und Preisträger für Immunbiologie Bhakdi beschrieb vor zwei Jahren seine alternative These über Atherosklerose als Folge einer Überlastung des Lipid-Abtransportsystems, wobei die Überaktivierung des natürlichen Immunsystems die zentrale Rolle spielt. ?Jedes LDL - Molekül birgt das krankheitsauslösende Potential in sich und es ist unnötig, externe Faktoren wie Oxidation oder Infektion verantwortlich zu machen?, erklärt der Mediziner. Das LDL - Molekül setzt sich aus mehreren tausend Molekülen Cholesterin zusammen, die zusammen mit Phospholipiden von einer Proteinhülle umgeben sind. Bei Bedarf wird LDL von den Gewebszellen aufgenommen, und innerhalb der Zellen kommt es zur Freisetzung des Cholesterins. Ein körpereigenes Entsorgungssystem ist dafür verantwortlich, einen etwaigen Überschuss an unlöslichem Cholesterin wieder zu entfernen. Dieses Abräumen geht ohne nennenswerte Entzündungsreaktionen vor sich. Das Entsorgungssystem darf jedoch nicht überlastet werden. Denn dann kommt es einerseits zur Freisetzung inflammatorischer Zytokine wie IL-6, andererseits gehen Makrophagen, die sogenannten "Fresszellen", zugrunde. Die Lipide werden freigesetzt, und es kommt erneut zur Aktivierung von Abwehrmechanismen. Damit beginnt ein Teufelskreis und der Prozess geht in eine chronische Entzündung über. Schließlich findet eine Vernarbung der betroffenen Stelle statt, die mit einer Ablagerung von Kalzium-Lipid-Proteinkomplexen einhergeht: die Gefäßverkalkung beginnt. Die Folgerung des Mediziners: Bei der Geburt eines Menschen beträgt die Konzentration des LDL ? Cholesterin etwa 25 bis 30 mg/dl. Im weiteren Lebensverlauf erhöht sich bei Naturvölkern dieser Wert nur geringfügig, jedoch in den westlichen Ländern erreichen bereits Jugendliche hohe Werte von rund 180 mg/dl. Es bleiben, nach Prof. Bhakdi nur zwei Ursachen, die das erklären können: Bewegungsarmut und cholesterinreiche Nahrung mit Überernährung. Risikofaktoren bleiben Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen.

Cholesterinsenker senken auch den Gehalt an Beta-Carotin
Seit längerem tummeln sich neben Diätmargarine auch Milchgetränke, Joghurts und Joghurtdrinks im Kühlregal, die damit werben, dass sie den Cholesterinspiegel senken. Ab heute müssen diese Lebensmittel nach der EU-Verordnung Nr. 608/2004 ausführlich gekennzeichnet werden, denn sie enthalten sekundäre Pflanzenstoffe mit positiven aber auch unerwünschten Wirkungen. Es handelt sich dabei um Pflanzensterine, die von Natur aus in geringen Mengen vor allem in Sonnenblumenkernen, Nüssen und Hülsenfrüchten, aber auch in Gemüse vorkommen, wie der aid infodienst beschreibt. Sie senken zwar nachweislich den Cholesterinspiegel haben jedoch einen Nebeneffekt: Bei regelmäßigem Verzehr können sie auch den Beta-Carotin-Spiegel im Blutserum reduzieren. Natürliches Beta-Carotin aus Obst und Gemüse gilt jedoch als wertvolles Antioxidans, das bei der Vorbeugung von Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen eine Rolle spielt. Der Wissenschaftliche Ausschuss ?Lebensmittel? der EU empfiehlt daher aufgrund seiner Untersuchungen, nicht mehr als drei Gramm Pflanzensterine pro Tag aufzunehmen. Die neuen Kennzeichnungsvorschriften berücksichtigen diese Erkenntnisse: Der Hinweis ?mit Pflanzensterin-/Pflanzenstanolzusatz? muss in unmittelbarer Nähe des Produktnamens angebracht sein. In der Zutatenliste ist die genaue Menge an Phytosterinen aufzuführen. Damit Verbraucher diese Kennzeichnung richtig verstehen, sind noch weitere Angaben vorgeschrieben, nämlich die Information, dass das Erzeugnis ausschließlich für Personen bestimmt ist, die ihren Cholesterinspiegel senken möchten und daher für schwangere und stillende Frauen sowie für Kinder unter fünf Jahren möglicherweise ungeeignet ist. Auch müssen Hersteller darauf hinweisen, dass Patienten, die cholesterinsenkende Arzneimittel einnehmen, das Produkt nur nach Absprache mit dem Arzt verzehren sollten, und weiter, dass die Aufnahme von mehr als drei Gramm Pflanzensterinen pro Tag vermieden werden sollte und dass zur Aufrechterhaltung des Carotinoidspiegels der regelmäßige Verzehr von Obst und Gemüse zählt.
Wenn das alles auf einen Joghurtbecher passt, dann könnte vielleicht auch noch ein weiterer Zusatz vermerkt werden: Für gesunde Personen sind Produkte mit Cholesterin senkender Wirkung überflüssig.

roRo

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