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CMA: Neue Halle - neue Zukunft?

Handel

Deutschland schmeckt bunt

Die CMA-Halle 20 ist auf der Internationalen Grünen Woche schon immer ein Publikumsmagnet gewesen und die Bundesländer halten an dieser Präsentationsmöglichkeit fest. In diesem Jahr zeigt sich die Halle der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) mit dem Motto „Deutschland schmeckt bunt“ mit einem neuen Hallenkonzept. Besucher können wie gewohnt auf eine kulinarische Deutschlandreise gehen und sich über den ältesten Energiedrink der Welt informieren. Als Blickfang dienen „Wunderbäume“, in denen es viel spannendes und Wunderbares zu erraten gibt, so die CMA.
Mit dem Schwung der neuen Halle will die in die Kritik geratene Gesellschaft zeigen, „wie wichtig die CMA heute ist“, sagte Werner Hilse, Vorsitzender des Aufsichtsrates und Präsident des Bauernverbandes Landvolk Niedersachsen heute Mittag auf dem Messegelände.

Ungebremstes Wachstum
Mehr wirtschaftliches Wachstum bedeuten mehr Konsum und mehr Nachfrage nach Lebensmitteln, resümiert Hilse das vergangene Jahr. Die Land- und Ernährungswirtschaft hat mit einem Umsatz von 40 Milliarden Euro eine neue Schallmauer durchbrochen und konnte gegenüber 2005 um stolze 10,25 Prozent zulegen. Von 2004 zu 2005 gab es bereist ein Wachstum des Agrarexports von 33,81 auf 36,5 Milliarden Euro. Zwar werden auch Massenprodukte wie Getreide und Kartoffeln ins Ausland verkauft, jedoch mehr bereits veredelte Produkte.
CMA LogoMit 47 Prozent liegen Exporte von pflanzlichen Produkten vor den tierischen mit 33 Prozent. Genussmittel mit 18 und lebende Tiere mit zwei Prozent Exportanteil runden die Statistik ab. Der Erfolg liege an dem guten Image der Marke „Made in Germany“. Der Bauernpräsident sieht aber auch die Binnennachfrage im Aufwind. 40 Prozent der Lebensmittel werden mittlerweile außer Haus verzehrt. Damit brauchen die Produkte eine ganz anderes Image als die ursprünglichen Rohstoffe.

Mehrwert durch veredelte Produkte
Jörn Dwehus, Geschäftsführer der CMA, brachte es auf den Punkt: „Käse verdient mehr Geld als der Rohstoff Milch!“ Butter und Käse haben im Gegensatz zum Vorjahr um 3,1 Prozent zugelegt. Der Frischmilchkonsum lediglich um 0,5 %. Über die einzelnen Märkte verteilt konnte Dwehus lediglich einen negativen Effekt bei Geflügelfleisch ausmachen: Während der Konsum bei Rind- und Schweinefleisch mit rund 8,8 und 39,4 kg/Kopf stabil geblieben ist, sank der Geflügelfleischkonsum durch die Vogelgrippe von 10,5 auf 10,0 kg/Person.
Die Gesundheitswelle zeigt keine Effekte bei Sahne und Butter. Von kleineren Schwankungen abgesehen sind die Verbräuche von 7,7 kg Sahne und 6,4 kg Butter pro Person nahezu identisch mit den Werten von 1998.

Abpfiff in der Bundesliga
Die CMA fördert landwirtschaftliche Produkte im Allgemeinen und nicht auf eine Firma bezogen. „Das Beste vom Bauern“ vor der Bundesliga ist einer der bekanntesten Werbespots. Finanziert werden Werbeformen, inhaltliche Plattformen und Öffentlichkeitsarbeit durch gesetzliche Beiträge aus der Landwirtschaft und Ernährungsindustrie. Dagegen haben einige Molkereien und Schlachthöfe geklagt und das Bundesverfassungsgericht (BVG) wird bis Ende 2008 über drei Punkte entscheiden: Ist über die CMA-Aktivität eine Gruppe zu identifizieren, sind die Ausgaben auch tatsächlich nützlich für den Sektor Landwirtschaft und ist das Absatzfondsgesetz überhaupt verfassungskonform? Hilse zeigte sich zuversichtlich, dass „die CMA ihre Aufgaben auch in Zukunft nachkommen kann“, zumal das BVG die Konformität des Gesetzes mit der Verfassung bereits 1990 bestätigt hat. Geschäftsführer Dwehus legte Zahlen einer repräsentativen Umfrage auf, bei denen die Bauern deutlich ihre Zufriedenheit mit der Arbeit der Marketinggesellschaft zeigten.
Allerdings werden die Beiträge zur Zeit nur unter Vorbehalt bezahlt, weswegen die Auswirkungen bereits deutlich zu spüren sind. 20 Mitarbeiter sind bereits entlassen worden und die Verträge von befristeten Arbeitsverhältnissen werden nicht mehr verlängert, sagte Dwehus. Rund die Hälfte des Etats steht für 2007 durch die Rückstellungen für die Vorbehaltszahlungen nicht mehr zur Verfügung. So sind einige Verträge und Kooperationen mit Fernsehanstalten bereits eingestellt und werden für ZDF, 3SAT und SAT 1 auch nicht mehr verlängert. Mit Ende der laufenden Bundesligasaison ist auch mit dem „Besten vom Bauern“ Schluss in der Liga.

Zukünftige Aufgaben
Drei Kernthemen stehen bei der CMA weiter im Fokus. Die Transparenz bei der Lebensmittelproduktion und die Wertigkeit von Lebensmitteln in der Öffentlichkeit zu transportieren, sowie die Exportförderung. 70 Prozent der CMA-Unterstützung begleiten die Exporte in die alte EU-15. Fast acht Prozent stehen für die neuen Beitrittsländer zur Verfügung, wobei die osteuropäischen Märkte einen Wertzuwachs von 20 Prozent erhielten. Weitere Schwerpunktmärkte der CMA sind Nordamerika, China, Indien und die Wachstumsmärkte Asiens.
Auch in diesem Jahr konnte die CMA durch ihre Verbraucherbefragung ermitteln, dass zuletzt der Preis nicht mehr das Hauptargument für den Lebensmitteleinkauf ist. Für Qualität, Premiumprodukt oder für das Image bei Bioprodukten legt der Konsument wieder gerne mehr auf CMA Bio mir zuliebeden Ladentisch. Nicht selbstbestimmt muss er aber bald generell mehr für sein Essen bezahlen, denn die Nutzungskonkurrenz der Landbewirtschaftung mit erneuerbaren Energien und steigende Rohstoffpreise von Getreide bis zu Kaffee durch die Nachfrage in Asien wirken auf die Preise. Gegenüber Herd-und-Hof.de sieht Jörn Dwehus darin aber kein Problem. Zwar habe der Konsument in den letzten Jahren nur über den Preis entschieden, aber mit der Umkehr des Verhaltens ist er zuversichtlich, dass Verbraucher sich auch wieder mehr um die Herstellung und Bedeutung ihrer Lebensmittel kümmern. Nahrungsmittelsicherheit aus Deutschland gewinnt an Bedeutung. Darüber ließen sich auch solche komplexen Marktverhältnisse transportieren.
Mit erneuerbaren Energien wandelt sich der Landwirt zum Energiewirt. Könnten sich da neue Betätigungsfelder für die CMA auftun? Holz, so Dwehus weiter, hat vor einigen Jahren einen eigenen Absatzfonds erhalten, der ursprünglich aus der CMA-Tätigkeit resultierte. In Zukunft könne man sich Synergien auf diesem Gebiet wieder vorstellen.
„Bestes vom Bauern: Energie“

roRo

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