COP26. Aussis entdecken das Licht
Handel
Was Australien vom Klimagipfel lernt
Australien hat zwei Lieblingsspiele: Spitznamen geben und Kohle verfeuern. Letzteres hat das Land von „Down Under“ in den vergangenen Wochen den mentalen Mainstream der Nachhaltigkeit erheblich gestört. Von der Kohle als Energieträger will das Land nicht lassen. Premierminister Scott Morrison (ScoMo) manifestierte sich als Blockierer auf dem G20-Gipfel in Rom. Zwar haben sich die Länder auf ein Auslaufen der Kohleinvestitionen geeinigt, aber zusammen mit China und Indien hat Australien ein fixes Enddatum verhindert. Kritiker befürchten Schlimmes von Australiens Rolle auf dem Weltklimagipfel in Glasgow. Auf der letzten Klimakonferenz in Madrid hatte sich Morrison für die Übertragung der nicht genutzten australischen Emissionen aus dem Kyoto-Protokoll als Gutschrift in das Pariser Klimaabkommen stark gemacht. Für Glasgow hatte Morrison auch keine Verschärfung der Klimaziele für 2030 im Gepäck. Diese Einstellung findet nach Michael Mazengarb, Energiejournalist, nur zu Hause Zustimmung.
„Twiggy“ könnte ihm aushelfen können. Dahinter verbirgt sich der umtriebige Geschäftsmann Andrew Forrest, der kurz vor dem Start von COP26 von einem Deal mit Lord Bamford sprach. Dessen Vorfahre gründete 1945 die Baumaschinenfirma JCB, die mit Ryze Hydrogen einen Firmenableger für grünen Wasserstoff besitzt. Forrest und Bamford wollen die größten Versorger Großbritanniens für grünen Wasserstoff werden.
Kritiker sind skeptisch. Forrest habe mittlerweile Projekte für erneuerbare Energien in der Größenordnung von 300 GW versprochen, aber keines davon wurde bislang realisiert.
Doch ausgerechnet jetzt entdecken die Australier und Forrest die Sonne Australiens. Die Regierung von Morrison hat einem eigenen Bericht nach die Möglichkeit erarbeitet, allein mit der im Überfluss vorhandenen Sonneneinstrahlung die Stromkosten auf 15 australische Dollar pro Megawatt zu drücken. Forrest hat schnell gerechnet und kommt auf das Ergebnis, dass grüner Wasserstoff „Made in Australia“ für zwei australische Dollar erzeugt werden kann. Die Zielmarke für Canberra lautet nun 30-30-30. Mit einer Effizienzsteigerung von 30 Prozent bei Solarpaneelen kostet bis 2030 ein Watt je installierter Leistung 30 Cent.
Forrest will jetzt im Bundesstaat Queensland eine Fabrik für Solarmodule bauen. Allerdings keine mit monokristallinen Strukturen mit höchstem Wirkungsgrad, sondern Dünnschichtmodule. Die sind preiswert, haben ein geringes Gewicht – aber auch nur einen geringen Wirkungsgrad.
Roland Krieg
© Herd-und-Hof.de Nutzungswünsche: https://herd-und-hof.de/impressum.html