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Das Gold Marrokos

Handel

Erlesenes Arganöl traditioneller Handwerkskunst

>Olivenöl hat es vorgemacht: Speiseöl kann verkostet werden, wie alte Weine. Während hingegen das Öl der Olive an allen Ecken erhältlich ist, gibt es noch weitere Kostbarkeiten, die meist unbekannt sind - und noch viel wertvoller. Dabei spielen die ungesättigten Fettsäuren und der Gehalt an Vitamin E fast nur noch eine untergeordnete Rolle. Bei dieser Premiumqualität werden andere Dinge wichtiger.

Einzigartige Bäume
Der Arganbaum ist einer der ältesten Bäume der Welt und war auch vor der Eiszeit im südlichen Europa zu Hause. Es gibt vergleichbare Bäume jetzt noch in Mexiko und auch in Israel, aber es scheint ihnen immer etwas zu fehlen, denn Früchte bilden sie dort nicht aus. Das gelingt ihnen nur im Südwesten Marokkos, in der Region Arganeraie. In sechs Provinzen wachsen die seltsamen Bäume, die das Meer, die Trockenheit und die Kälte brauchen, um gleichzeitig zu ihren Früchten auch bereits die Blüten für das nächste Jahr tragen. Der Baum kann in symbiotischer Zusammenarbeit mit Mykhorriza-Pilzen noch Wasser aus 30 Meter Tiefe erschließen. In dem von der UNESCO ausgerufenen Biospährenreservat, das in seiner Ausdehnung von 250 bis 400 km die Ausmaße Luxemburgs erreicht gibt es nur noch rund 20 Millionen dieser Bäume. Die Bäume sind stachelig, so dass sie zur ernte nicht bestiegen werden können. Das Herunterschütteln der Früchte ist verboten, denn damit verliert der Baum auch die Blüten für das nächste Jahr. So sammeln die Frauen die Nüsse von ihrem Baum, wenn sie heruntergefallen sind.
Die Bäume sind in vererbbaren Nutznießerrechten, erklärte Dr. Elke Böhmert, so dass jede Familie, jede Frau weiß, wo ihre Bäume stehen. Der Baum wird auf diese Weise nicht zur handelbaren Ware, sondern erst die Ernte. Die Nüsse gibt es zudem nur alle zwei Jahre, der Baum ist äußerst schwer in Gewächshäusern zu vermehren und gegenüber 2.400 Millionen Litern Olivenöl geben die Nüsse der Arganbäume zurzeit nur vier Millionen Liter Öl her. Arganöl ist das exklusivste Speisöl der Welt.
Industrieproduktion gefährdet Handwerk Anlass der Presseveranstaltung der Firma Argand´Or auf der Nürnberger BioFach aus dem Taunus, die das Öl exklusiv für den deutschen Markt vertreibt, ist die Vermischung zwischen industrieller Arganölproduktion und traditionellem Handwerk gewesen. Seit die Firma für das Öl im letzten Jahr den Titel "Produkt des Jahres" erhalten hat, drängen andere Anbieter auf den Markt, die das Arganöl aber industriell herstellen.
Das bietet die Vorteile, dass es schneller geht, billiger ist und eine zentrale Logistik aufweist, sagte Mohamed El Karz. Das einzige was allerdings technisiert werden konnte ist bislang die Pressung. Und die wird traditionell von den Berberfrauen durchgeführt. Daher bietet die handwerkliche Pressung den Frauen und Familien eine eigene Wertschöpfung, verhindert die Landflucht, erhält die Position der Frau in der Wirtschafts- und Lebensgemeinschaft, bewahrt die dörflichen Strukturen und sichert ein einzigartiges Kulturgut.
Fünf Jahre lang können die Nüsse gelagert werden. Bei Bedarf werden sie frisch gepresst. Die Schatzmeisterin der Union des Coopératives des Femmes de l´Arganeraie (UCFA), Fatma al Karaa, schlägt die Nüsse mit einem flachen Stein auf einem hochgradigen Stein so geschickt auf, dass die daraus gelösten Mandeln fast alle in die linke Hand fallen. Sie gibt diese in eine Flache Schale, aus der sich die Präsidentin der UFCA Fatima Hoummadi eine handvoll nimmt und in eine traditionelle Steinmühle gibt. Das besondere an dieser Steinmühle ist, so erklärte Mohamed Al Karz gegenüber Herd-und-Hof.de, dass nur wenige Handwerker diese Mühlen aus lokalen Steinen hauen können. Zudem fließt die cremefarbene Paste spiralförmig durch die Mühle, an der Hoummadi eine horizontale Kurbel dreht, in einen Korb. Die Paste wird solange geknetet bis das Öl austritt. Für einen Liter Öl brauchen die Frauen etwa 30 Kilogramm Nüsse, die von vier bis acht Bäumen stammen. Zum Vergleich: Ein Liter Olivenöl entsteht aus maximal 10 Kilo Oliven.
Während die Marokkaner das Arganöl mit Mandelresten lieben, wird es für den Export in Agadir gefiltert. Als lokale Speise wird es für Amlou verwendet: Ein Dipp für das gereichte Brot aus Mandelmus, Honig und Arganöl. Arganöl wird aber auch traditionell für die Kosmetik verwendet.

UFCA
Die UFCA ist ein Dachverband, in dem momentan 13 lokale Frauenkooperativen mit 500 Frauen vertreten sind. Sie handeln die Verkaufserlöse aus, kaufen gemeinsam die Gerätschaften und suchen sich die Händler und verhandeln selbsttätig über ihren Jahresbeitrag. Das sind 500 Familien, die sich mit dieser Handwerkskunst einen Erwerb sichern, so Dr. Böhmert. In diesem Jahr sollen weitere 12 Kooperativen hinzukommen. Wegen geringer Vermarktungserfahrung, schlechter Zahlungsmoral der lokalen Abnehmer und unregelmäßiger Anlieferung lag das traditionell erzeugte Arganölvolumen bei unter 6.000 Liter pro Jahr ? Tendenz sinkend. Der Dachverband UFCA wurde von der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) gegründet und erhält mittlerweile Beihilfen aus dem Fonds des marokkanischen Königshauses ?Foundation Mohamed V?. Als Argand´Or die Vermarktung übernahm konnte die Jahresproduktion in 2005 auf über 12.000 Liter gesteigert werden und in den ersten vier Monaten des neuen Wirtschaftsjahres 2005/06 sind schon über 9.000 Liter verkauft worden.
Handgepresstes Arganöl von der UFCA gibt es in Deutschland bei tegut und der Galeria Kaufhof. Weitere Geschäfte finden Sie unter www.argandor.com

Roland Krieg

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