Der nächste „Failed State“

Handel

Ausnahmezustand in Zentralasien

Mit Kasachstan reiht sich der nächste Staat in den Kampf gegen die eigene Bevölkerung ein. In dem zentralasiatischen Staat reichten hohe Kraftstoffpreise in der Kombination von Misswirtschaft und Armut aus, um die Menschen auf die Straße zu bringen. Präsident Kassym-Jormat Tokajew lässt seit Ende der Woche ohne Vorwarnung auf Menschen schießen. 164 Tote und Tausende Verletzte hat es bereits gegeben. Mehr als 6.000 Festnahmen soll es nach Medienberichten bis zum Sonntag geben haben.

Kasachstan ist das Land, mit dem die EU erst vor zwei Jahren eine erweiterte Partnerschaft abgeschlossen hat [1]. Das Land leidet enorm unter dem Klimawandel, Wasser ist knapp. Der verlandende Aralsee ist seit Jahrzehnten warnendes Beispiel für rücksichtslose Misswirtschaft. Die Landwirtschaft muss trotz vorhandener fruchtbarer Lössböden modernisiert werden. Wie es jetzt weitergeht ist offen. Das an Rohstoffen reiche Land hat die Erdölpreise kurzfristig in die Höhe getrieben und stützt damit die hohen Energiekosten – im Ausland und im eigenen Land.

Langfristig droht ein weiterer Kollaps: Ende 2021 hat Kasachstan erst den Export von Lebendvieh verboten. Wegen anhaltender Dürre sind viele Fleischrinder verhungert und die Preise gestiegen. Der Exportbann soll die Preise einfangen. Das Land ist ein wichtiger Exporteur von Getreide. Im Wirtschaftsjahr 2020/2021 wurden 5,8 Millionen Tonnen Weizen exportiert. Dennoch ist das Land von Lebensmittelimporten abhängig. Im Oktober 2010 hat die Regierung mit dem „Nationalen Projekt“ ein Programm bis 2025 beschlossen, die Importe durch mehr eigene Produktion zu ersetzen. Dazu gehört, dass rund 300.000 Bauern, die für den lokalen Markt produzieren, Produkte mit einem höheren Mehrwert .erzeugen.

Lesestoff:

[1] EU-Kasachstan: https://herd-und-hof.de/handel-/eu-partnerschaft-mit-kasachstan.html

Roland Krieg

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