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Der „Saubere-Kraftwerke“-Plan der USA

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CO2-Reduktion in US-Kraftwerken vorgestellt

Sie nennen es selbst historisch: Zusammen mit US-Präsident Barack Obama hat das Umweltministerium einen umfangreichen Plan vorgelegt, Emissionen aus den Kraftwerken zu reduzieren. Obwohl sie die größte Emissionsquelle der USA sind, wollen die Amerikaner trotz des „Clean Power Plan“ Energie verlässlich und günstig zur Verfügung stellen.

Der Umschwung kommt nicht nur aus gesundheitlichen Gründen. Das letzte Jahr war das heißeste der Geschichte. Allein die 14 der 15 wärmsten Jahre fielen seit dem Jahr 2000 an. Der Plan sieht bis 2030 eine Reduzierung der Kohlendioxidemission um 32 Prozent auf das Basisjahr 2005 bezogen vor. Bei Sulfiden werden sogar 90 Prozent und bei Stickstoffoxiden 72 Prozent anvisiert.

Das Umweltministerium bilanziert den Nutzen mit 20 Milliarden US-Dollar für das Klima, zwischen 14 und 34 Milliarden für die Gesundheit und einen Nettonutzen zwischen 26 und 45 Milliarden US-Dollar. Jedes Jahr sollen 3.600 vorzeitige Todesfälle, 1.700 Herzattacken, 90.000 Asthmafälle und 300.000 verloren gegangene Arbeitstage vermieden werden.

Drei Arbeitsblöcke

Im ersten Block soll durch eine bessere Wärmenutzung der bestehenden Kohlekraftwerke eine Reduzierung der Kohlendioxidemissionen in der Stromerzeugung erreicht werden. Im zweiten Block sollen Niedrig-Emissions-Gaskraftwerke die Kohlekraftwerke mit hohen Emissionen ersetzen. Im dritten Block sollen Wind und Solar die restlichen Kohlekraftwerke ersetzen.

Bis zum 06. September 2016 müssen die Bundesstaaten mindestens einen Entwurf für die Emissionsreduzierung vorgelegt haben. Allerspätestens am 06 September 2018 muss der letzte Plan vorliegen.

Rechtzeitig vor Paris

Das Bundesumweltministerium in Deutschland begrüßt die Pläne vor dem Paris-Gipfel für ein neues Klimaprotokoll.

Nach erster Gegenrechnung von Jo Leinen, Europapolitiker der SPD, verschärfen die USA dadurch ihre bisherigen Klimapläne um neun Prozent: „Nachdem die USA jahrelang der größte Umweltverschmutzer der Welt war, kann jetzt ein Rettungsplan für ein stabiles Klima doch noch gelingen.“ Leinen prognostiziert sogar einen Wettbewerb um die beste klimaneutrale und energiesparende Technologie zwischen China, den USA und Europa.

„Die Zeit der Kohle ist zu Ende“, frohlockt Germanwatch. „US-Präsident Obama zeigt, dass er es ernster als bisher meint mit dem Klimaschutz“, sagt Lutz Weischer, Teamleiter Internationale Klimapolitik. In den nächsten Jahren werden viele Kohlekraftwerke vom Netz genommen. Vor wenigen Jahren wären die heute, nicht nur von den USA vorgestellten Klimapläne, undenkbar, so Weischer. Für Paris sendet der US-Plan ein wichtiges Signal aus, aber für das Erreichen des Zwei-Grad-Zieles reiche es nicht. Dafür müsse Paris die Weichen stellen.

Die Republikaner allerdings stehen nicht hinter dem Plan. Ted Cruz, Jeb Bush und Mehrheitsführer im Senat Mitch McConnell bezeichnen den Plan als „blinde Ideologie“. Der ehrgeizige Plan des Präsidenten setzt nicht nur für Paris ein Zeichen, sondern könnte auch eines für Canberra sein. Premier Tony Abbott hatte im letzten Jahr die Steuer auf Kohlendioxid wieder abgeschafft und ist alles andere als ein Freund von Wind- und Sonnenenergie [1].

Lesestoff:

Den Clean Power Plan finden sie auf www2.epa.gov/cleanpowerplan/clean-power-plan-existing-power-plants

[1] Das Klima auf dem G20-Gipfel

Roland Krieg

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