Die Berge rufen

Handel

Aldi expandiert in die Schweiz

> Aldi Süd wird 2005 einen weißen Flecken auf der Aldi-Weltkarte ausfüllen. Der Discounter sucht in der Schweiz bebaute und unbebaute Grundstücke in der Größenordnung von 5.000 qm und Erdgeschossflächen von 1.200 qm mit Parkplätzen drum herum. Aldi will mit seinem 700 Artikel umfassenden Sortiment ?vor allem den täglichen Bedarf der Konsumentinnen und Konsumenten decken?, wie es bei Aldi heißt. Eine vergleichbare Strategie im Lebensmittelhandel gibt es bei unseren südlichen Nachbarn nicht. ?Wo immer möglich? sollen auch regionale Produkte verkauft werden ? jedoch als Eigenmarke. Der offene Internetauftritt der www.aldi-suisse.ch beantwortet auch die Frage, warum Aldi so viele Parkplätze braucht: ?einfaches Aus- und Einparken sowie bequemes Be- und Entladen. Zudem wird die Umwelt durch weniger Parkplatzsuchverkehr entlastet.? Diese Strategie ist in Deutschland sehr erfolgreich, wie Ende Oktober der Deutsche Handelskongress zeigte (s. Herd-und-Hof.de vom 27.10.2004). Erreichbarkeit, dass so genannte one-stop-shopping, haben die deutschen Discounter mit zwei Läden je 5.000 Einwohner perfektioniert. Aldi hat sich mit einem klaren Konzept als Marke unter den Einkaufsstätten etabliert. Gerne siedeln sich Supermärkte in die Nähe von Discountern an, um von der Frequentierung zu profitieren.

Jetzt zittert die Schweiz
Als Aldi dieses Jahr mit 10 Freilandeiern für 0,69 Euro einen deutlichen Kampfpreis fuhr, bezeichnete der Deutsche Bauernverband diesen als Dumping, da kaum ein Bauer damit seine Kosten decken kann. Jede vierte Flasche Wein wird in Discountern gekauft und mittlerweile rund 40 Prozent des Fleisches. Wenn Aldi einen Cent runter geht, erschüttert das die gesamte Branche. Diese Preisradikalität kann auch eine positive Seite haben, wie der Non-Food-Bereich zeigt: Im Bereich der mobilen Navigation haben die Aktionen der Discounter dem Markt überhaupt erst eine Initialzündung gegeben. Wäre diese nicht ?durch die Discounter gekommen, dann hätte der übrige Handel hierzulande den Wachstumsmarkt mobile Navigation völlig verschlafen?, zitiert die Lebensmittelzeitung einen Branchenkenner. Die Billiganbieter haben sich bereits einen Marktanteil von 60 Prozent erobert.
Und davor zittert jetzt die Schweiz. Die Schweizer Coop hat nun bei 50 Markenartikeln die Einstandspreise um bis zu 20 Prozent gesenkt. Dabei spürt der Branchenzweite auch eine eidgenössische Konsumzurückhaltung, weshalb die Senkung der Preise nicht nur auf den bevorstehenden Angriff von Aldi zurückzuführen sind. Coop wurde jüngst auch generell in einer Konsumentenzeitschrift als zu teuer eingestuft. Der Branchenführer Migros baut unterdessen seine Billiglinie M-Budget aus.

Alles hat ein Ende
Preisschrauben können nicht unendlich angezogen werden. So hat Aldi bei Küchenrollen bereits einen Marktanteil von 54 Prozent und die jüngste Preissenkung von 10 Cent wird den Discounter einiges an Geld kosten, so die Lebensmittelzeitung. Die Branche ist sich einig: ?Das sind strategische Preise.?
In der Regel steht der Lebensmittelhandel ratlos vor dem Verbraucher, denn seine Bekenntnisse, nur höchste Qualität, umweltgerecht oder aus tiergerechter Haltung zu kaufen, setzt dieser nicht adäquat um. Die Bequemlichkeit beim Einkauf steht noch vor dem Preis als Auswahlkriterium an erster Stelle. Der Einkauf mit dem Auto nimmt zu ? auch weil es das Tante-Emma ? Geschäft um die Ecke nicht mehr gibt.
Zudem suggeriert das Bombardement der Werbung nur noch den Preis als alleiniges Auswahlkriterium, was auch Edeka Chef Dieter Jungjohann aus Flensburg auf der BÖLW ? Herbsttagung beklagte: Wenn nur noch Fläche zur Verfügung steht, auf welcher der Kunde auf Ware trifft, die durch Sonderangebote für Quote, Frequenz und Drehzahlen sorgen, dann bleibt dem Verbraucher beim Einkauf auch nur noch die Schnäppchen Jagd.
Wenn der Lebensmittelhandel so viel Ressourcen investiert den Preis zu bewerben, dann könnte er doch auch die Qualität bewerben. Denn in dem Dschungel zwischen Q+S, dem staatlichen Biosiegel, denen der ökologischen Verbände oder regionalen Labeln hat der Verbraucher sich schon längst verloren.

VLE

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