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Die Exportwirtschaft hat wenig Grund zur Klage

Handel

Deutsche Agrarexporte trotzen allen Widrigkeiten

Wer auf dem Weltmarkt unterwegs ist, der ist widrige Winde gewohnt. Die Exporteure der Agrarbranche hatten nach nur einem Jahr das Embargo Russlands mehr als ausgeglichen. Sie werden auch einen US-Präsidenten Donald Trump überstehen. Das Exportgespräch der German Export Association for Food and Agriproducts (GEFA) im Rahmen der Grünen Woche fand allerdings vor Trumps Stornierung des Transpazifischen Handelsabkommens TPP statt.

Zusammen mit der Hochrechnung der beiden letzten Monate erreicht das Jahr 2016 bei Agrarprodukten, Lebensmitteln und Landtechnik ein Exportvolumen von 74,6 Milliarden Euro. Ein neuer Rekordwert, der 1,4 Prozent über dem Vorjahreswert liegt. In dieser Gesamtsumme kommt das Plus aus der Landmaschinenindustrie, die im letzten Jahr mit Russland und der Ukraine nicht geplante neue Geschäfte abschließen konnte. Der Run auf deutsche Landtechnik und Verarbeitungsmaschinen resultiert aus einer hohen Liquidität durch gute Ernten in Russland und der Ukraine.

Der Blick auf die  Exporte in Drittländer (ohne Landtechnik) zeigt in der Zeitspanne von Januar bis Oktober ebenfalls ein Umsatzplus von 0,4 Prozent, bei einem Volumenrückgang von 5,9 Prozent, was vor allem einem Minus bei Weizen geschuldet ist. 13,6 Milliarden Euro haben die Exporte außerhalb der EU erzielt.

Die Branchen haben sich im letzten Jahr unterschiedlich entwickelt. Den allgemeinen Referenzwert von 2,3 Prozent Zuwachs haben die Kategorien „Lebende Pflanzen“ (8,0 %), Süßwaren (7,4 %) und Backwaren (4,8 %) deutlich übertroffen. Das meiste Minus hat die Kategorie „Lebende Tiere“ mit 10.3 Prozent eingefahren. Die Afrikanische Schweinepest, das Schmallenbergvirus und die Blauzungenkrankheit haben manches Importland von der Einfuhr absehen lassen. An der Reihenfolge der Top-Ten ändert sich nichts. Fleisch und Wurst spülen 7,6 Milliarden Euro in die Exportkassen. Molkereiprodukte folgen mit sieben und die Süßwarenbranche mit 6,5 Milliarden Euro.

Bei den Zielländern findet ein bemerkenswerter Wechsel schon vor Trumps Präsidentschaft statt. Zusammen mit Hongkong hat China die USA als wichtigstes Exportland außerhalb Europas – die Schweiz bleibt die Nummer eins – abgelöst. Unter Hochrechnung der beiden letzten Monate nimmt China bei einer Steigerung der deutschen Einfuhren im Agrarbereich mit 32,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr alleine die Nummer eins. Die gesamte asiatische Region bleibt nach den Exporten in andere EU-Länder die Zieladresse Nummer eins. 9,9 Prozent aller Exporte gehen mit einer Zunahme von 8,8 Prozent dorthin. Namentlich stehen dort China, Südkorea und Saudi-Arabien ganz vorne. Exporte nach Afrika wollen nicht so recht klappen. GEFA-Sprecher Franz-Georg von Busse sieht in Westafrika die Franzosen und in Ostafrika die Engländer traditionell vorne. Der Exportanteil auf den Nachbarkontinent liegt bei zwei Prozent. Die meiste Ware geht nach Marokko, Algerien und Südafrika. Der Raum südlich der Sahara fällt nahezu kaum ins Gewicht.

Der Blick auf 2017 ist trotz Trump optimistisch. Der Agrarexport blüht, wo tarifäre und nicht-tarifäre Handelshemmnisse abgebaut werden. Die Forderung nach einem Abschluss der Welthandelsrunde bleibt vorne. Nur bis dahin können bilaterale Handelsabkommen den Exporteuren Erleichterungen bringen. Die Fleischindustrie mahnt daher jährlich den Fortgang der Veterinärabkommen ein. Ganz oben auf der Wunschliste ist das für Schweinefleisch nach Taiwan.

Putin, Trump und Brexit

Dieser Dreiklang stellt die Hürden für das Exportjahr 2017.Die erfreulichen Exporte nach Russland haben den Verkauf von Landmaschinen jedoch nicht einfacher gemacht. Das Quotenmodell für Mähdrescher ist wie geplant nach drei Jahren ausgelaufen, doch lässt sich die Regierung Neues einfallen, berichtet Dr. Bernd Scherer vom Verband der Landmaschinenhersteller. Nicht russische Hersteller bekommen keine Subventionen und müssen eine Verschrottungsprämie zahlen, die heimische Anbieter über eine Abwrackprämie wieder erstattet bekommen. Wie lange die russischen Verbraucher das Embargo noch hinnehmen, bleibt offen. Nach Dr. Björn Börgermann vom Milchindustrie-Verband hat Russland die Milcherzeugung trotz guter Milchpreise nicht erhöhen können und erzeugt weniger Milch als Deutschland. Damit im Handel mehr Angebote vorhanden sind, wird Käse mit importiertem Palmöl gestreckt.

Die meisten Probleme hat die Süßwarenbranche. Durch die Ankündigung des Brexits ist sie am meisten betroffen. Das Embargo Russlands betrifft zwar keine Süßwaren, aber die Exporteure leiden unter den ungünstigen Wechselkursen. Sollte Trump den Import deutscher Süßwaren behindern, treffe es einen Kernmarkt der Branche außerhalb der EU, führte Dr. Carsten Bernoth, Geschäftsführer von German Sweets aus. In den letzten zehn Jahren ist der Export süßer Waren nach Nordamerika um 64 Prozent auf 83.807 Tonnen angestiegen. Die USA stehen auf Rang acht der Hauptzielmärkte insgesamt.

Roland Krieg

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