Die Probleme im Logistikbereich

Handel

Verkehrspolitik hat den Punkt nicht getroffen

Die Pressekonferenz zum Thema Verkehr im Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) vom Dienstag kommt zu dem Schluss, dass die bisherige Verkehrspolitik die Anforderungen nicht getroffen hat. Es geht nicht nur um die Pandemie mit Störungen in der Lieferkette, die noch amtierende Bundesregierung hat es verpasst Signale zur Dekarbonisierung in der Logistik zu setzen.

Pandemie

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im BGA, Carsten Taucke, sieht die Logistiker ganz im Zeichen der Bewältigung der Pandemie. Redereien bauen ihre Kapazitäten ab und verschärfen die Knappheit an Containern. Die 20- und 40-Fuß-Container lagern bisweilen am falschen Ort und stehen für die benötigten Routen nicht zur Verfügung.

Die Frachtraten sind derzeit mit 8.000 bis 12.000 US-Dollar 10-mal höher als vor der Pandemie. Mitunter müssen Händler ihre Container für eine Priority-Rate von zusätzlich 2.000 US-Dollar verladen. Die Situation werde sich nicht vor dem ersten Quartal 2022 entspannen.

Güterverlagerung

Das Thema Güterverlagerung von der Straße auf die Schiene bestand schon vor der Pandemie. Dabei geht es nicht nur um die Entlastung der Straßen und ihrer Schäden, sondern um die Dekarbonisierung des Güterverkehrs. Der Güterverkehr werde sich bis 2030 um weitere 38 Prozent erhöhen und der meiste Transport findet nach wie vor auf der Straße statt. Das Verkehrsministerium geht von 84 Prozent des Transportaufkommens per Lkw aus.

Auch ohne Pandemie ist die Transportlage nicht mehr haltbar. Der Automobilclub ADAC hat für das Jahr 2019 alleine auf den Autobahnen 679.000 Kilometer Stau gemessen. Eine von Bund und Ländern gemeinsame Planung für Bau, Erhalt und Finanzierung hatte der BGA vor Jahren angemahnt. Die aber von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gegründete Autobahn GmbH verlief nicht nur holprig, es gibt Probleme mit Personal und unbeglichenen Rechnungen. Auch die Reformkosten sind um das Dreifache gestiegen.

Das Thema „Geisterbaustellen“, das vor Jahren einmal in die Schlagzeilen geriet, ist heute wieder Alltag. Taucke kritisiert die viel zu langen Bauzeiten, die Reduzierung der Fahrspuren und mangelnde Koordination entlang der Strecken.

Unzuverlässige Bahn

Die Unternehmen des BGA transportieren rund 60 Prozent ihrer Waren per Lkw auf den Straßen. Im Vergleich mit der Bahn sei das noch immer „am schnellsten, planbarsten und kostengünstigsten“. Es gebe zwar Betriebe, die lieber die Bahn nutzen würden, doch müsse diese „planbarer und zuverlässiger“ werden.

Das Schienennetz ist veraltet, mit der Bahnreform von 1994 um 20 Prozent verkürzt worden und 6.000 Bahnkilometer sogar stillgelegt worden. Das Fazit von Taucke ist eindeutig: „Für den Großhandel und andere Wirtschaftszweige ist der Transport auf der Schiene derzeit schlichtweg unattraktiv.“

Schon vor der Pandemie hatten sich Bund, Länder und Bahn auf neue, deutlich erhöhte Milliardeninvestitionen geeinigt – Doch reicht es maximal für einen Schrumpfungsstopp. Für eine Trendumkehr reiche es nicht. Deutschland komme noch nicht einmal den erklärten Absichten für die ausstehenden Anbindungen des Ceneri- und Gotthard-Basistunnels oder der Betuwe-Linie nach [1].

Dekarbonisierung

Die Hersteller von Lastkraftwagen nutzen neue Ideen für den regionalen und überregionalen Transport. Die Firmen stehen zusammen mit dem BGA für eine Dekarbonisierung der Logistik. Taucke fordert aber für den Einsatz in die Breite alle Möglichkeiten ein. Euro-VI-Motoren, dieselelektrische Motoren und Gasantrieb sind schon weit. Einseitige Verteufelungen wie Dieselverbote und einseitige Bevorzugung von Elektromotoren spiegelten die Anforderungen aber nicht ab.  Es fehlt ein Gesamtplan, der die Transportunternehmen von ihrer Kernaufgabe, der effizienten Güterdistribution abhielten. Für Taucke gehört die Erhöhung des Gesamtgewichts von 40 Tonnen per Lkw dazu.

Lesestoff:

[1] Betuwe-Linie https://herd-und-hof.de/handel-/baustelle-auf-der-betuwe-linie.html

Der BGA ist mit der CSU-Verkehrspolitik im Berliner Ministerium schon länger nicht mehr zufrieden: Maut-Unsinn statt Verkehrspolitik: https://herd-und-hof.de/handel-/maut-unsinn-statt-verkehrspolitik.html

Roland Krieg

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