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Die Schattenseite von Biodiesel

Handel

Verursacht  Biodiesel bei Kälte technische Probleme?

Die norwegische Ölindustrie ist eindeutig: Biodiesel im kalten Norwegen verursacht keine technischen Probleme bei Fahrzeugen. Allerdings muss Biodiesel anders gehandhabt werden als herkömmlicher Diesel, weil es in Skandinavien kälter und die Lagerungsdauer länger ist. Prof. Terese Lovas von der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU) will Biodiesel nicht so einfach aus der Verantwortung für verstopfte Filter und Einspritzdüsen entlassen.

Lebende Substanz

Herkömmlicher Diesel wird aus Umweltgründen in Norwegen mit einem Anteil von sieben Prozent mit Biodiesel vermischt. „Biodiesel ist eine „lebende“ Substanz und verändert sich im Zeitablauf“, erkäutert Prof. Lovas. Das kann zu Problemen führen, die von der EU nicht über die vorgeschriebenen Standards aufgenommen werden.

Seit einigen Jahren beschweren sich Autofahrer über verstopfte Filter und kostspielige Werkstattbesuche, bei denen sie Biodiesel als Verursache im Verdacht haben. In den Filtern findet sich eine wachsartige Anhaftung und die Motoren verlieren an Leistung. Sowohl die BBC als auch das norwegische Fernsehprogramm „TV 2 hjelper“ haben darüber berichtet.

Die Professorin kann nicht auf eine wissenschaftliche Datenbasis zurückgreifen, wie stark die Probleme seit der Beimischung zugenommen haben. Eine Statistik über das Vorher und Nachher gibt es nicht. Biodiesel sei aber weniger stabil als herkömmlicher Diesel, was unter Technikern und Forschern bekannt sei. Biodiesel besitzt oxydative Komponenten, die sich durch falsche Aufbereitung und Lagerung bemerkbar machten. Das könne zu den wachsartigen Ablagerungen führen.

Mangelnder Standard

Die EU hat mit dem Standard EN 590 Produkteigenschaften wie Cetanwert, Dichte oder Viskosität definiert – aber die gelten nur für den Zeitpunkt, wenn Biodiesel die Fabrik verlässt. Für die Lagerung über Zeit und Lagerbedingungen bei Kälte hingegen gebe es keine definierten Standards. Die Technikexpertin glaubt, dass weitere Tests und mögliche Feinfiltration von wachsartigen Partikeln wegen höherer Produktionskosten ausgelassen wurden. Lovas fordert mehr Forschung auf diesem Bereich.

Biodiesel ist sicher

Inger-Lise Nostvik, Generaldirektorin vom Norwegischen Petroleum Institut (NPI) zeigt sich angesichts dieser Meldungen verwundert: „NPI verantwortet 98 Prozent der Treibstoffverkäufe und kommt auf drei Milliarden Liter Diesel im Jahr. Es gibt ganz wenige berichtete Probleme.“ Es sei zwar richtig, dass einige Feststoffe im Biodiesel in der extremen Kälte in Norwegen schneller ausflocken, doch die EU-Standards werden erfüllt. Zudem wird im norwegischen Winter spezieller „arctic diesel“ verkauft, der für strenge Temperaturen angepasst ist. Die Sicherheit für Biodiesel ist ein dynamischer Prozess zwischen Treibstoff- und Motorenherstellern.

Verderbliches Gut

Norwegen hat den Anteil von Biodiesel im Jahr 2009 von fünf auf sieben Prozent erhöht. Bereits zwei Jahre vorher testete DB Schenker in Norwegen einen wesentlich höheren Beimischungsanteil von 30 Prozent. Für die Sorte B30 mussten Motoren, Filter und Düsen angepasst werden. „Je mehr Leben im Biodiesel ist, desto kürzer ist die Lebensspanne. B30 musste behandelt werden wie ein verderbliches Gut“, beschreibt Einar Spurkeland, Sprecher von DB Schenker in Norwegen. Den Versuch mit B30 hat die internationale Spedition aber wegen der Einführung der Biodiesel-Besteuerung aufgegeben.

Trotz aller Bedenken glaubt Terese Lovas an die Zukunft von Biodiesel. Vor allem im Schwerverkehr kann die Politik der EU, im Jahr 2020 ein Fünftel der Energie aus regenerativen Quellen zu erzeugen, nicht ohne Biodiesel erreichen. Dafür müsste für die polaren Winter noch etwas mehr in die Forschung investiert werden.

roRo

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