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Die tägliche Ressourcenschonung

Handel

Kein Obsoleszenz-Gesetz

Spätestens als das Bundesumweltamt in seiner Studie schrieb, das Obsoleszenz nicht nachweisbar ist, wurde der Ruf nach einer Gesetzesgrundlage gegen vorzeitige Alterung technischer Geräte wackelig. Es geht bei dem Begriff nicht nur um den „kurz nach Ablauf der Garantie geplanten Defekt“, sondern im Wesentlichen geht es um den Ressourcenverbrauch und den immer schneller werdenden Austausch technischer Geräte. Sei es, sie sind tatsächlich defekt, sei es, sie sind so konstruiert, dass sie nicht mehr zu reparieren sind oder weil der technische Fortschritt Geräte schneller veralten lässt [1].

Die Linke hat einen entsprechenden Antrag gegen die Obsoleszenz in den Bundestag eingebracht, der am Donnerstag endgültig abgelehnt wurde. Die Ablehnung speist sich aber auch aus alten Klischees. Nach Sozialdemokrat Michael Thews nehme der Antrag den Verbrauchern die Möglichkeit, sich für billigere Geräte zu entscheiden. Und der Wunsch nach einer Ressourcenverbrauchsabgabe entspräche der „linken Staatspolitik“. Koalitionskollege Thomas Gebhart (CDU) verweist auf die Sollvorgabe im Elektrogesetz, Geräte im Sinne der Kreislaufwirtschaft zu bauen. Auf europäischer Ebene spiegele sich das in der EU-Ökodesign-Richtlinie wider.

Dabei sind alle Parteien überzeugt, dass Konsumgüter wieder länger genutzt werden sollen und der Konsum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln sei. Verbraucher müssen an die Hand genommen und unterstützt werden. So öffnen als neuester Trend „Repair-Cafes“ in den Städten, „die Menschen helfen, ihre alten Geräte wieder flott zu machen“, wie Peter Meiwald von Bündnis 90/Die Grünen sagte. Das Thema ist bei den Konsumenten offenbar schon angekommen. Jetzt sei der Zeitpunkt, den Trend, „Ressourcen billiger und Arbeit teurer zu machen“ umzukehren. Schweden habe bereits reagiert und setzt den ermäßigten Mehrwertsteuersatz als Lenkungsfunktion bei Dienstleistungen im Reparaturservice ein, ergänzt Ralf Lenkert von der Linksfraktion.

So weit hat Thomas Göppel von der CSU noch nicht gewagt, zu denken. Doch die „Langlebigkeit“ sei das Gebot der Stunde eines konservativen Menschen. In den vergangenen Jahrzehnten des Wohlstands hätten wir uns von diesem Prinzip entfernt. Die Repair-Cafes sind dagegen Vorreiter einer neuen Wirtschaft, so Göppel. Die Reparaturfähigkeit solle von den Herstellern als Qualitätsmerkmal bei der Vermarktung genutzt werden.

Lesestoff:

[1] Psychologische Obsoleszenz: https://herd-und-hof.de/handel-/psychologische-obsoleszenz.html

Roland Krieg

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