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Die wahren Risiken bei Lebensmittel

Handel

Keime, Keime und eine Konsolidierung

Die jüngste Häufung von Lebensmittelrückrufen hat gezeigt, dass Keime die echten Gesundheitsrisiken von Lebensmittel sind. Meist werden andere Gefahren, wie zu viel Zucker oder grüne Gentechnik gefühlsmäßig überbewertet – doch Keime begleiten die Menschen während der ganzen Evolution. Fehler und Sorglosigkeit im Umgang mit der Hygiene beseitigen die Gefahr auch in der Moderne nicht.

Keime und Todesfälle

Das Deutsche Milchkontor hat Milch wegen Durchfall erzeugende Keime zurückgerufen. Die Wilke Fleisch- und Wurstwaren hat vorerst die Tore ganz geschlossen. Mittlerweile haben die Listerien zu drei Todesfällen geführt. Auch die Franzosen haben Rohmilchkäse wegen Keimbelastung aus Deutschland zurückgerufen.

Die Hälfte der beanstandeten Lebensmittelkontrollen bezieht sich seit mehr als zehn Jahren auf mangelnde Betriebshygiene [1]. Das hat sich in der letzten Woche deutlich gezeigt. Die Aufgaben werden nicht einfacher und die Kontrolleure scheinen immer zu spät zu kommen [2]. Daran hat auch der neue Chefkoordinator für Lebensmittelsicherheit im Bundesernährungsministerium bislang nichts geändert. Staatssekretär Dr. Hermann Onko Aeikens will die Amtschefs der Länder zu einem Gespräch einladen, teilte Ministerin Julia Klöckner am Samstag mit: „Ich lege Wert darauf, wenn die Länder stets ihre Zuständigkeit hier betonen, dass sie ihrer Verantwortung auch mit ausreichend Personal für diese Aufgabe gerecht werden. Als Bund will ich wissen, wo die Schwachstellen vor Ort liegen. Die Länder müssen bereit sein, über stärkere Konzentration und Bündelung von Verantwortlichkeiten zu sprechen, um die Lebensmittelkontrolle zu optimieren.“

Kein Personal und keine Zeit

Wie das vielfach vor Ort aussieht, hat die zuständige Veterinärin letzte Woche im „Bayern-Ei“-Prozess ausgesagt. Ein Legehennenbetrieb aus Niederbayern soll mit Salmonellen belastete Eier in Umlauf gebracht haben. Nach einem Salmonellenbefund von jungen Beständen in der Packstation habe die Regierung in Niederbayern die Untersuchung der ältesten Hennenbestände angeordnet. Die Veterinärin hätte keine rechtliche Grundlage für eine Stallprobe gehabt und stünde unter personellem und zeitlichem Druck. Sie hat zusammen mit einer Aushilfe die Aufgaben für drei Veterinäre ausfüllen müssen.

Margendruck

Mit Wurst und Fleisch ist kaum noch Geld zu verdienen. Wilke gehört zwar nicht zu den Top Ten der deutschen Wursthersteller, aber zunächst einmal ist ein Lieferant für den Großhandel weggefallen. Der Tönnies-Konzern hatte im vergangenen Jahr das Wurstgeschäft der Schweizer Bell-Gruppe in seine Zur-Mühlen-Gruppe aufgenommen und führt den Markt an. Aktuell planen die Wurstproduzenten Kemper und Reinert eine Fusion und rücken hinter Tönnies auf Platz 2 mit 700 Millionen Euro Umsatz vor. „The Familiy Butchers“ heißt das neue Unternehmen, das aus keiner Liebesheirat resultiert, sondern eine Vernunftehe für den scharfen Wettbewerb ist. Beides sind Familienunternehmen, die mit TFB einen Teil ihrer Selbstständigkeit aufgeben. Die Wursthersteller stecken nach Angaben der Lebensmittelzeitung zwischen Fleischkonzernen und Handel. Die Konsolidierung schreitet fort.

Lesestoff:

[1] Bericht Lebensmittelüberwachung 2018: https://herd-und-hof.de/ernaehrung-/verbesserungsbedarf-bei-kantinen-im-pflegebereich.html

https://herd-und-hof.de/ernaehrung-/problemkind-betriebshygiene.html

[2] Lebensmittelüberwachung 2030: https://herd-und-hof.de/ernaehrung-/lebensmittelkontrolle-2030.html

Roland Krieg

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