Die wirtschaftliche Lage in Myanmar

Handel

Lebensmittelpreise in Myanmar steigen

Die Militärregierung in Myanmar hat am Wochenende erneut viele Zivilisten, die gegen den Militärputsch demonstrieren, gezielt getötet. Das brutale Vorgehen gegen die Bevölkerung hat eine neue Dimension erreicht.

Wirtschaftlich trifft der Putsch ein Land, das bereits im Pandemiejahr 2020 gelitten hat. Umso erstaunlicher ist der Widerstand der Myanmaren gegen das Militär. Die Auslandsabteilung des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) hat darüber hinaus die wirtschaftliche Situation im Land mit dem Fokus auf die Nahrungsversorgung aus zahllosen Quellen zusammengestellt.

Verringerter Handel

Seit dem 05. Februar hat die Militärjunta Im- und Exporte ausgesetzt. Die Demonstranten haben mit ihren Streiks auch Abteilungen der Ministerien für Landwirtschaft und das für Bewässerung lahm gelegt. Die Veterinärbehörde in Myanmar erstellt derzeit keine Einfuhrzertifikate und das Ministerium für Ernährung stellt keine neuen Genehmigungen für Lebensmittel aus, die erstmals ins Land kommen sollten.

Seit Ende Februar stottert der Gütertransport per Lkw, weil nicht ausreichend Fahrer verfügbar sind. Rund 40 Prozent der Importwaren gelangen über den Asia World Port in Yangon ins Land. Ende Februar sollen sich dort bis zu 10.000 Container gestapelt haben. Erst Anfang März wurden nach Berichten des USDA Dutzende Container abgefertigt. Die Schiffsverbindung zwischen Singapur und Yangon war zeitweise unterbrochen.

Kooperation oder Boykott?

Die Militärjunta hat im Rahmen eines neu gebildeten Handelskomitees ein „One Stop Center“ für Importe aufgebaut. Darüber werden prioritär Lebensmittel und verderbliche Güter ins Land gelassen. Dazu gehören auch Futtermittel für Schweine, Geflügel und die Aquakultur, um die Eigenversorgung des Landes aufrecht zu erhalten. Allerdings riskierten die adressierten Firmen ihren Ruf als Kooperateure mit der Militärregierung.

Das betrifft auch den Lebensmitteleinzelhandel. Die thailändische MAKRO Myanmar hat Land von der Militärregierung gepachtet und werde von der Zivilregierung boykottiert. Der heimische Lebensmittelhändler City Mart habe importierte Lebensmittel für nur noch zwei Monate auf Lager. Die Franzosen sind 2020 mit Carrefour in den Markt eingestiegen, Die Zukunft der 15 Geschäfte ist ungewiss.

Ausländische Firmen haben bereits reagiert. Die japanische Brauerei Kirin habe wegen des Militärputsches zwei Joint Ventures mit myanmaren Brauereien aufgekündigt. Suzuki und die thailändische Amata, ein Entwicklungsprojektor für industrielle Ansiedlungen, haben ebenfalls Investitionen zurückgezogen.

Landwirtschaft

70 Prozent der Bevölkerung Myanmars leben und arbeiten in der Landwirtschaft. Reis ist die Hauptkultur und wichtigste Export Cash Crop. Die Militärs versuchen über den Export Lebensmittelpreise zu regulieren und Einkommen zu erzielen. Sie wollen „unnötige Lebensmittelimporte“ künftig vermeiden und die Eigenversorgung stärken. Die Analysten des USDA halten das für schwierig, weil Myanmar auf vielen Agrarmärkten nicht wettbewerbsfähig sei. Zudem ist es auch ein Mengenproblem. Myanmar hat 2020 beispielsweise Palmöl zum Kochen aus Indonesien für 600 Millionen US-Dollar eingekauft. Solche Mengen lassen sich auf die Schnelle nicht substituieren.

Der Lebensmittelpreis ist für die Menschen einer der wichtigsten Schlüssel für die Nahrungsversorgung. Reis und Speiseöl sind bereits zwischen zehn und 15 Prozent teurer geworden und manche Regionen sollen sogar eine Verdoppelung der Preise vermelden. Wegen der Ausgangssperren müssen Händler früher schließen und verdienen weniger. Schon das Pandemiejahr 2020 hat Bauern auf dem Land den Zugang zu Mikrokrediten begrenzt. Dieses System ist im ländlichen Raum weit verbreitet. Die Banken sind seit dem 08. Februar geschlossen, die Geldautomaten leer. Die Junta hat Höchstmengen für Überweisungen festgelegt und droht aktuell damit, private Geldinstitute zu privatisieren.

Unklar sei, wie viele Dieselvorräte das Land noch hat. Sie sind für den regionalen und überregionalen Austausch von Lebensmitteln notwendig.

Roland Krieg

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