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Dobre, bo polskie

Handel

Polen in der EU

> Natürlich unterscheiden sich die polnischen Bauern nicht von den deutschen. Damit sich, dem ländlichen Aberglauben gemäß, die Dinge nicht zum Schlechten wenden, klagt er jedoch lieber, wie schlecht es ihm gehe. Zumindest hatte er im letzten Jahr ein ganz aufregendes hinter sich, wie es der polnische Agrarminister W. Olejniczak heute auf der Grünen Woche sagte. Dieser wurde nicht müde, jede Gelegenheit zu nutzen, auf die Vollwertigkeit der polnischen Mitgliedschaft hinzuweisen. Mit 30 Gesetzen und 600 Verordnungen im Jahr 2004 hat Polen, wie alle anderen Länder auch, den gleichen Status und die gleichen Rechte und Pflichten wie die ?alten? 15 Länder der EU übernommen und erreicht. Der Handel mit Polen wird sich auch mit Deutschland einspielen, wie zwischen jedem anderen Land in der EU. Solange Polen allerdings noch nicht in der Euro-Zone ist, gibt es neben klimatischen und natürlichen Standortvor- und ?nachteilen, auch noch Währungsdifferenzen, die Handelsströme leiten. Wer in den EU-Binnenmarkt exportiert, muss zugelassen sein, so wie es bereits alle Fleisch liefernden Betriebe in Polen sind. Irrationale Ängste, dass Polen die Bundesrepublik mit Roggen oder anderen Waren überflutet, entstehen eher aus der allgemeinen Angst vor dem Markt.
Minister Olejniczak freut sich, dass nunmehr über 2.000 Betriebe statt 12 vor dem Beitritt ?den gemeinsamen Tisch der EU mit decken?. 2004 hat Polen zum ersten Mal ein positives Handelssaldo mit landwirtschaftlichen Waren erzielt.

Doch jenseits der makroökonomischen Erfolge stehen Polen große Veränderungen bevor. Die Betriebe, die für den Markt produzieren, weisen mittlerweile über 10 Hektar Fläche auf. Vor einigen Jahren waren es kleinere Betriebe mit Flächen bis zu sechs Hektar. Dieser Trend wird anhalten, so der Minister. Die Zahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten und die Zahl von 1,4 Millionen Höfen ?ist im Augenblick zu hoch?. Vor allem die vielen Betriebe zwischen einem und drei Hektar sind nicht wettbewerbsfähig. Ein 50jähriger Bauer mit einem Betrieb unter 10 Hektar wird allerdings im ländlichen Raum auch woanders keine Arbeit finden. Als ?sozialpolitisch vernünftig? sieht es der Minister, den Betrieb zu erhalten. Dafür gibt es eine Strukturrente als Unterstützung, die zu 80 Prozent aus dem EU-Fonds für den ländlichen Raum stammt und zu 20 Prozent aus nationalen Mitteln kofinanziert wird.

Mehrere tausend Betriebe nutzen den Agrotourismus, um sich ein zweites wirtschaftliches Standbein zu sichern. In der Halle 15.1 sind neben polnischen Spezialitäten auch Broschüren für den Landurlaub in Polen erhältlich.
Dobre, bo polskie heißt übrigens: Gut, weil polnisch.

roRo

[Sie können sich alle bisherigen Artikel zur Grünen Woche im Archiv mit dem Stichwort ?IGW 2005? anzeigen lassen.]

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