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Donald Johnson und Boris Trump

Handel

Wie stark ist die „Bromance“ zwischen Johnson und Trump?

Seit Boris Johnson Premierminister in Großbritannien ist, weht im auch auf der Insel starker Wind ins Gesicht. Seine Reisen nach Schottland, das immer noch ein zweites Referendum im Sinn hat, und Nordirland, die alles, nur keine harte Grenze zur irischen Republik will,  zeigen nur die „außenpolitischen“ Probleme. England als Kernstück des Vereinten Königreichs wehrt sich gegen die Pläne, den harten Brexit am 31. Oktober ohne das Parlament durchzusetzen. Jetzt äußerte Parlamentspräsident John Bercow, bis zum letzten Atemzug für das Parlament zu kämpfen.

Vertrag mit den USA?

Großbritannien ist zerrissen. Und der Ausblick auf den 01. November zeigt kein wirkliches Licht am Ende des Tunnels.  2018 hatte sich Boris Johnson vorgestellt, wie Donald Trump den Brexit durchführen würde und stellte die Weichen auf Konfrontation. Sein Vorbild gibt sich umschmeichelt und ist stolz auf Johnsons neuen Beinamen „Britain Trump“. Johnson hat als Premier gleich mit Trump telefoniert und Ende August wollen sie auf dem nächsten G7-Treffen im französischen Biarritz miteinander reden. Die US-Medien haben der neuen romantischen Brüderschaft den Namen „Bromance“ vergeben.

Der Treuetest steht aus aus und wird eher unromantisch enden. Anfang August war die britische Handelssekretärin Liz Truss in den USA. Erneut wurde über ein Handelsabkommen zwischen den USA und Großbritannien diskutiert. Denn das Königreich muss sich nach Austritt aus der EU um neue Partner kümmern. Die Beziehungen, die bislang unter dem Dach der EU bestehen, müssen eigenständig neu verhandelt werden. Trump glaubt, dass sich der transatlantische Handel zwischen Washington und London verdrei- bis verfünffachen wird.

Ist das aber so? Am Vertragstisch nimmt Großbritannien eher die Rolle des verzweifelt suchenden Partners ein und hat die schlechteren Karten in der Hand als der amerikanische Partner. Selbst wenn die USA verkünden, sie hielten den Kugelschreiber für die Unterschrift bereits in der Hand: Es gibt keinen Automatismus. Trumps Verhandlungskurse bei Handelsbeziehungen können sich über Jahre hinziehen. Zeit, die Großbritannien nicht hat.

Das Comeback des Chlorhühnchens

In den Handelsgesprächen haben die USA es mit einem Partner Großbritannien leichter als mit einem Königreich, das auf weitere 27 Partner bauen kann. Die Amerikaner werden Chlorhühnchen und Rindfleisch, das mit Hormonen gemästet wurde, auf den Verhandlungstisch legen. Großbritanniens Verbraucher können nur ihren vorbeugenden Verbraucherschutz aufbieten, der von den Amerikanern als aufgebläht angesehen wird. Die Amerikaner haben auch bei Datenflüssen und Medikamentenzölle ganz andere Ansichten als die Briten. Politisch hat sich London gerade in der Iranpolitik auf die abwartende Handlungsposition von Frankreich und Deutschland zurückgezogen. Trump wird Politik und Handel auf dem Verhandlungstisch vermischen.

Das hat er bei der Erneuerung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada (NAFTA) ebenfalls getan. Eine Klausel gibt ihm die Möglichkeit, NAFTA wieder einzustampfen, sollten die beiden Länder Abkommen mit nicht-marktwirtschaftlichen Ländern abschließen. China heißt das Zauberwort. London hingegen würde durchaus mit Huawei zusammen arbeiten. Im Bereich der neuen Technologien bieten die Chinesen den Briten einiges an wirtschaftlichen Marktmöglichkeiten. Bereit zum Verzicht?

Nur harter Brexit zählt

London muss sich aber nicht nur zwischen Washington und Peking entscheiden. Auch zwischen Washington und Brüssel müssen die Briten lavieren. Sollte bis Ende Oktober irgendwie noch ein weicher Brexit gelingen, wird sich London noch länger an Brüssel binden müssen. Das steht einem schnellen Abschluss mit den USA im Wege. Die USA setzen auf einen harten Brexit. Dann sind die im Kontrakt mit London die EU los. Und Trump kann dem Handel mit London seinen Stempel aufdrücken.

Trump entscheidet über ein Wirtschaftsabkommen mit Großbritannien nicht allein. Seine Gegnerin Nancy Pelosi hat bereits angekündigt, dass die Demokraten einen Abschluss verweigern, sollte London eine harte Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland einrichten.

Roland Krieg; VLE

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