Ein Apfel mit Tirolerhut

Handel

Die Zukunft gehört den Vermarktern

>Obstbauern haben als Einzelkämpfer am Markt keine Chance mehr. Die Zukunft gehört den Vermarktern prophezeite Gerhard Dichgans, Direktor des Verbandes der Südtiroler Obstgenossenschaften bereits Mitte November auf dem ZMP Forum Obst und Gemüse. Wie ernst die Südtiroler das nehmen, zeigte sich gestern bei der offiziellen Vorstellung des neuen g.g.A. - Siegels "für die neuen Märkte" auf der Berliner Fruit Logistica.

Südtiroler Apfel g.g.A.
Qualitätsmerkmale werden für Erzeuger und Vermarkter immer wichtiger, "je mehr unsere Märkte von Allerweltsprodukten überzogen werden", entschied Matthias Josef Gamper, Obmann des Südtiroler Apfelkonsortiums. Zwei Jahre lang hat die Anerkennung durch die EU gedauert. Zwei Jahre Leidensweg, wie Hans Berger, Landesrat für Landwirtschaft beschrieb. Seit Juni 2005 ist es offiziell: "Südtiroler Apfel" ist eine geschützte geografische Angabe (g.g.A.) und darf bei elf der 15 Südtiroler Apfelsorten diese Bezeichnung mit dem grünen Siegel der EU im Namen tragen. In Südtirol wurde bereits 1831 ein erstes Lehrbuch über den Apfelanbau herausgegeben und 1976 wurde der Marienkäfer als Markenlogo für den integrierten Anbau zugelassen. Zum 30jährigen Geburtstag bekommt der punktierte Käfer einen bunten Gebirgszug hinzugestellt, der die kulturelle Vielfalt Südtirols repräsentiert. Hans Berger trauert noch ein wenig den Zeiten nach, als in der alten EU jeder achte Apfel aus seiner Region kam. Mit der Erweiterung ist es nur noch jeder zwölfte. Und den sollen die Verbraucher finden, sagte Berger. Josef Gamper definierte auch die eindeutigen Ziele der Kampagne: Das Zeichen soll zu einer Anbau- und Umsatzsteigerung führen, die Äpfel sollen einen höheren Preis erzielen können.

Region ist Marke
Der Kölner Tiefenpsychologe Jens Lönneker gab Erkenntnisse aus über 2.000 Tiefeninterviews bekannt, was das Geheimnis einer regionalen Marke ist. Über die Wortkette Heimat - Heim - Heimelig verbinden Verbraucher etwas Vertrautes mit regionalen Marken. Bier sei beispielsweise die ?Versaftung der Heimat? und jeder ist überzeugt, dass seine Heimatmarke die beste der Welt ist.
Heimatverbundene Marken sind mittelpreisig. Heimatlose Marken, die überhaupt keine Verbindung zu irgendeiner Region aufweisen finden sich im Niedrigpreisbereich, während die überregionalen Marken die höchsten Preise erzielen können. Damit verbindet der Kunde meist eine bestimmte Kultiviertheit und ist bereit, mehr Geld hinzulegen.
Nur ganz wenige Produkte, wie das Kölsch aus Köln, verdeutlichen noch, wo man herkommt. Oder wo man auf Reise gewesen ist und das Produkt nach Hause genommen hat. Aber genau das ist das Problem der Vermarkter: Das Regionalprodukt ist außerhalb der Region ?fremd?. Das Ziel ist, das "unheimlich Fremde aus der Sicht des Ortsansässigen" erfolgreich zu vermitteln. Urlaubserfahrung sei einer der besten Mittler, unterstrich Lönneker.
Der Apfel nimmt in der Tiefenpsychologie der Menschen die Bedeutung von Lebendigkeit und Fruchtbarkeit ein. Für Südtirol stehen das Klima, die Berge und die Atmosphäre. Der Südtiroler Stand ist in der Messehalle einer der belebtesten. Die Menschen sitzen zusammen, trinken, essen und unterhalten sich. Diese Atmosphäre will der Urlauber mit dem Südtiroler Apfel wieder erlangen.
Die Entwicklung habe gezeigt, so die Erfahrung aus den Interviews, dass Kunden einzelne Produkte in einem "Marken-Flimmern" nicht mehr wahrnehmen können: "Bei meinem Edeka gibt es 10 Meter Joghurt". Regionalmarketing ist die Antwort auf die Ubiquität des Angebots.
Wer also den knackig grünen Apfel mit dem aufgesetzten Tirolerhut auf dem Holztisch liegen sieht, der weiß: Der kommt aus Südtirol.

Herkunftsbezeichnungen
In der EU gibt es drei Herkunftsbezeichnungen:
Die geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) besagt, dass sowohl die Erzeugung, als auch die Herstellung und die Verarbeitung aus einem bestimmten geografischen Gebiet kommen muss. Dazu gehören Produkte wie der "Bayrische Meerrettich" und der "Allgäuer Emmentaler".
Die geschützte geografische Angabe (g.g.A.) besagt, dass mindestens eine Verbindung mit der Region bestehen: Die Erzeugung, die Verarbeitung oder die Herstellung. Neben dem Südtiroler Apfel gehört auch die Schwarzwaldforelle und der Nürnberger Lebkuchen dazu.
Die schwächste Bezeichnung ist die garantierte traditionelle Spezialität (g.t.S.). Das Gütezeichen bezieht sich nicht auf ein bestimmtes Gebiet, sondern hebt nur die traditionelle Zusammensetzung des Produkts oder ein traditionelles Herstellungsverfahren hervor. So können "niedersächsische Kuhmilchkugeln" in italienischer Aufmachung als Mozzarella verkauft werden.

roRo

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