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Ein bisschen E10

Handel

Kommentar: E10 ist erst der Anfang

Vor dem „Benzin-Gipfel“ hatten sich alle positioniert: Die Warner, die sich auf die Teller-Tank-Diskussion, kaputte Autos und fehlende Informationen bezogen und die Befürworter, die den neuen Sprit als Weg in die Nachhaltigkeit angepriesen haben. Wenn die Erhöhung des Bioethanolanteils im Benzin von fünf auf zehn Prozent so viele Wellen schlägt, ist epidermales Gruseln für die kommenden Aufgaben garantiert. Einige Fragen waren schon beim ersten Einführungsversuch beantwortet, die Verträglichkeitsliste liegt offen und seit Monaten transparent im Wissensnetz der Informationsgesellschaft aus. Wer schürt welche Zweifel?

Dem Autofahrer sei folgendes versichert: In rund 40 Jahren ist es mit dem Erdöl vorbei. Der letzte Liter Erdöl wird nicht von einem Autofahrer auf dem Weg zum Supermarkt verprasst. Weit vorher schon haben Politik und chemische Industrie den Daumen auf die „letzten Erdölreserven“, denn Pflanzenschutzmittel, Medikamente, Computergehäuse und viele andere stoffliche Dinge, die das Leben leichter machen, sind noch länger auf fossile Kohlenstoffketten angewiesen, als der Mobilist.

Die Politik hat sich mit ein „bisschen mehr Bioethanol“ an die Grenze des „Verzeihbaren“ herangewagt und sich blutige Nasen geholt. Ist das der Blick auf die Entkarbonisierung und Entmaterialisierung des Wirtschaftswachstums, um die Ressourcen noch den Kindern zu erhalten?

Der importierte Biotreibstoff ist ein bisschen zertifiziert, braucht nur ein bisschen Fläche für den Rohstoffanbau und erzeugt ein bisschen weniger Kohlendioxid. Ohne das „bisschen“ geht es nicht. Und wer mehr will, kann die Ressourcen aufteilen: Jeder fährt nur noch 12.000 Kilometer im Jahr und Autos mit mehr als 9,5 Liter je 100 Kilometer werden verboten?

Wer schon bei der „weichen Umstellung“ ins Chaos fällt – welches Verhalten erwartet uns, wenn die ersten Verbote kommen?

Roland Krieg

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