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Einkaufsgemeinschaften im LEH

Handel

Die Macht hinter der Macht

Die Konzentration des Lebensmitteleinzelhandels auf überwiegend nur noch fünf Händler in Deutschland sorgt die vorgelagerte Wertschöpfungskette. Doch Rewe und Co. sind nicht allein. Meist unbekannt bilden Einkaufsgemeinschaften wie EMD, Agecore oder AMS die transeuropäische Macht.

Wer zusammen einkauft, bündelt eine größere Warenmenge und kommt in den Genuss von Mengenrabatt. Wer sich organisiert, bekommt Waren aus verschiedenen Regionen und kann sie über eine gemeinsame Logistik verteilen. Das kommt Verbrauchern zugute, stellt aber atomistisch organisierte Erzeugern vor Probleme. Oder sie bilden ebenfalls eine Verkaufsmacht auf Augenhöhe. Sonst muss der einzelne Erzeuger die Bedingungen akzeptieren oder seine Ware woanders verkaufen.

In dieser Woche haben die Autoren der EU-Wissenschaftsstudie Studie „Retails alliances in the agricultural and food supply chain“ im Agrarausschuss des Europaparlamentes ihre Ergebnisse vorgestellt. Einkaufsgemeinschaften für den Handel gibt es seit den 1930er Jahren. Sie wurden von unabhängigen Kaufleuten für eine Verbesserung ihrer Verhandlungsposition gegründet. Erst seit den 1980er Jahren haben sie Aufwind erhalten und sind heute europa- und weltweit tätig. Französische und niederländische Wissenschaftler haben im Auftrag der DG Agri Licht in die Geflechte gebracht, die bislang nur wenig erforscht sind.

Edeka und Rewe sind nationale Einkaufsgemeinschaften unabhängiger Kaufleute. Kleinere Einkaufsgemeinschaften meist auf maximal Länderebene sind U/Auchan in Frankreich oder Centrale Italiana. Die transeuropäischen Systeme wie EMD oder Agecore gehen auch strategisch für die Marktentwicklung ihrer Kunden vor. AMS wurde beispielsweise 1988 gegründet und ist mit zehn Mitgliedern in 18 europäischen Ländern aktiv. Coopernic aus dem Jahr 2006 hat lediglich vier Mitglieder (Coop aus Italien, Ahold Delhaize aus Belgien und den Niederlanden, dem französischen Leclerc und der deutschen Rewe), ist aber in 22 europäischen Ländern aktiv.

Für die Verbraucher sind die niedrigen Preise der größte Vorteil. Die Einkaufsgemeinschaften nutzen Kostenvorteile, Vertragsstrategien und Verhandlungsmacht für den Wettbewerb. Zumindest, solange ein Wettbewerb funktioniert, grenzen die Autoren ein. Die Auswirkungen auf Innovationen werden unterschiedlich bewertet. Die Begrenzung des Angebots kann Innovationen schmälern, die Nachfrage der Einkaufsgemeinschaften kann sie als Kundenwunsch aber auch initiieren. Vergleichbar verhält es sich mit der Produktverfügbarkeit. Kundenwünsche nach neuen Produkten werden am Ende auch über die Einkaufsgemeinschaften weitergegeben. Am ehesten verdrängen die Großen kleine Händler, die keine wettbewerbsfähigen Preise anbieten können. Allerdings zeigt die aktuelle Entwicklung in der Pandemie auch die relative Vorzüglichkeit neuer Direktvermarktung außerhalb der großen Einkaufsgemeinschaften.

Derzeit werden die unfairen Handelspraktiken in Brüssel und Deutschland verhandelt. Damit soll ein Missbrauch von Marktmacht ausgeschlossen werden. Generell sieht der Vertrag der Europäischen Union über seine Arbeitsweise im Artikel 102 schon Kriterien vor, ab wann unfaire Praktiken vorliegen. Die Details aber werden erst jetzt geregelt. Die EU hat 2019 die Richtlinie 2019/633 aufgestellt, für deren Umsetzung die Länder bis zum 01. November 2021 Zeit haben.

Lesestoff:

Colen L. et al.: Retail alliances in the agricultural and food supply chain, European Commission 2020 ISBN 978-92-76-18585-7 doi:10.2760/33720, JRC 12071   https://ec.europa.eu/jrc/en/publication/eur-scientific-and-technical-research-reports/retail-alliances-agricultural-and-food-supply-chain+&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de

Roland Krieg

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