Emotionalen Mehrwert besser vermarkten
Handel
„Romantische Komponente von Bio-Produkten“
Reicht Bio allein nicht mehr, um einen größeren Marktanteil zu bekommen? Das fragt sich Anne Merz vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in der Schweiz. Diese Frage war das Thema des dem alle zwei Jahre stattfindenden Biokongress, auf dem die Branche eine Standortbestimmung durchführt. Einer der zentralen Vorträge stammte vom Berliner Marktstrategen Jörg Reuter.
Status „Food Skills“
Reuter zeigte sich überzeugt, so Merz, dass der Biomarkt weiterhin ein hohes Wachstumspotenzial aufweist. Um dieses auszuschöpfen brauche es in der Verarbeitung aber einen Paradigmenwechsel von den 3G (Genuss, Gesund, Gerecht) zu den 4E (Egoistisch gut, Emotional nah, Ethisch richtig, Erleuchtend), wie Reuter seine Formel kurz zusammenfasste. Bio fokussiere heute zu stark auf Strategie, Grenzwerte und Richtlinien und vernachlässige darüber die romantische Seite des Konsumenten, der emotional abgeholt werden wolle.“Der Fluch liegt in der Abgrenzung“, meinte Reuter. Die Biobewegung schotte sich mit ihrer Konzentration auf Weltverbesserung zu stark ab. Heute suche der bewusste Konsument eher die Sinnhaftigkeit im lustvollen Konsum, als die verzichtorientierte Selbstbeschränkung. Deshalb, so die Prognose des grünen Trendforschers, „werden Verbandslabel emotionalen Produkt-Produzenten-Geschichten Platz machen müssen“. Dieser Trend werde noch verstärkt durch die zunehmende Bedeutung von sogenannten „Food Skills“ als Statussymbole. Mit Kochkunst und dem Wissen über originelle Produzenten und in uriger Handarbeit hergestellten Delikatessen könne man heute angeben wie einst mit einem tiefer gelegten Sportwagen. Das äußert sich gemäß Reuter auch in einer zunehmenden Zahl von Gastro-Events bei denen zum Beispiel im urbanen Rahmen öffentlich ein Schwein geschlachtet und zu exzellenten Spezialitäten verarbeitet wird.
„Crafted“
Handwerk heißt das Zauberwort. Jörg Reuter hat in einem Interview mit „bio aktuell“ die „romantische Komponente von Produkten“ im Biobereich eigefordert. Sie finden das Interview auf den Seiten 16 und 17 der Ausgabe von „bio aktuell“ 8/14: www.bioaktuell.ch/fileadmin/documents/ba/zeitschrift/archiv/2014/ba-d-2014-08.pdf
Anne Merz, Roland Krieg