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Endlich: „Die Lebensmittelwirtschaft“

Handel

Branchenkommunikation Lebensmittelbranche gegründet

Das hören viele nicht gerne: Die CMA hatte den direkten Draht zum Verbraucher und streute Informationen mit Rezeptideen unter das Volk. Seit Ende der CMA hat es immer wieder Versuche für eine Branchenkommunikation gegeben. Hintergrund: Die Vorstellungen der Menschen decken sich kaum noch mit den Realitäten der Landwirtschaft, des Handels und der Märkte.
Das fängt in der Landwirtschaft an: Die Anbindehaltung wollen alle Verbraucher abgeschafft wissen, wie sie in der Realität aussieht, kennt jedoch kaum jemand. Jeder hat unterschiedliche Vorstellungen über die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln – doch das Lebensmittelbuch kennt kaum jemand [1]. Alle wollen ständig neue Produkte zu günstigen Preisen haben, doch wie schwer der Weg ins Regal in einem gesättigten Markt ist, kann kaum einer nachvollziehen.

Branchenkommunikation

Aufklärung tut not. Angesichts vieler Interessensgruppen und deren Veröffentlichungen hat vor allem der konventionelle Bereich Kommunikationsschwierigkeiten. Die Schweinebranche hatte eine Kommunikation eingeführt: Eingestampft nach wenigen Monaten. Die Milchbranche wollte eine eigene Branchenkommunikation gründen und hat in diesem Jahr den Plan wieder aufgegeben: Die Branche will sich der Imageinitiative des Bauernverbandes anschließen. Alleine die Obst- und Gemüsebranche agiert auf diesem Bereich – auf Sparflamme.

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) wollte schon zur Anuga 2011 in Köln eine eigene Branchenkommunikation vorlegen [2] – es kam nur der Handelsverband Deutschland mit einer Imagekampagne heraus. Auf der Jahrestagung 2012 des BLL verkündete Geschäftsführer Prof. Dr. Matthias Horst gegenüber Herd-und-Hof.de, dass noch im Sommer die Initiative das Licht der Welt erblickt [3]. Es wurde der Indian Summer: Am Donnerstag hat sich in Berlin der Verein „Die Lebensmittelwirtschaft“ gegründet.

„Die Lebensmittelwirtschaft“

Die Initiative „wird von Erzeugern, dem Lebensmittelhandwerk, Lebensmittelherstellern und dem Lebensmittelhandel“ getragen und will „einen entscheidenden Beitrag zur Versachlichung und Klarstellung verbraucherelevanter Themen rund um das Lebensmittel leisten“. Die Branche will mit fakten- und wissenschaftsbasierten Informationen ihre Leistungsfähigkeit für die Versorgung der Bürger über 365 Tage im Jahr darstellen und Kernthemen wie Qualität und Sicherheit anpacken.

Träger sind sieben Dachverbände der deutschen Lebensmittelwirtschaft: Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Handelsvereinigung für Marktwirtschaft (HfM), Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL), Unternehmerverband Deutsches Handwerk (UDH), der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Deutsche Raiffeisenverband (DRV).

Der Geschäftsführende Vorstand wird von Gerhard Berssenbrügge, Vorstand Nestlé, Dr. Wolfgang Heer, Vorstandssprecher Südzucker, Markus Mosa, Vorstand Edeka und Friedhelm Dornseifer, Präsident des Deutschen Lebensmittelhandels gestellt.

Den erweiterten Vorstand bilden: Werner Hilse, Vizepräsident DBV, Dr. Henning Ehlers, Generalsekretär DRV, Peter Becker, Deutsches Lebensmittelhandwerk, Gerhard Wagner, Ehrenpräsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelindustrie und Franz-Josef Möllenberg, Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Die Kommunikation beginnt mit einer offiziellen Vorstellung zur nächsten Grünen Woche im Januar 2013. Bis dahin wird der Geschäftsführer des neuen Vereins feststehen. Und dann wird sich zeigen, was „Die Lebensmittelwirtschaft“ leisten kann und was die Verbraucher erwarten dürfen: Informationsmaterial a lá CMA, Materialien a lá Förderverein Nachhaltige Landwirtschaft (FNL), aktive Beteiligung durch Einschätzungen von Studien, die nicht unwidersprochen bleiben sollten – oder gar politische Statements zu aktuellen Risikolagen wie der Gastroenteritis? Die Verbraucher dürfen gespannt sein.

Lesestoff:

[1] Mehr über Lebensmittel aufklären

[2] BLL kündigt Branchenkommunikation an

[3] Noch im Sommer kommt die Plattform

Roland Krieg

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