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Energiespar-Aldi mit Frischfleisch

Handel

Aldi Süd hat die Nase trotz Marktverlusten wieder vorn

> Kühlsysteme im Lebensmittelhandel sind vielfältig und kosten. Es gibt steckerfertige Kühlmöbel, Einzelkühlmöbel mit eigenem Verflüssigungssatz des Kühlmittels oder Verbundanlagen mit einem zentralen Kompressorraum. Im Rahmen einer Studie über Treibhausgase in Kühlmöbeln untersuchte das Umweltbundesamt 226 Penny Märkte in Deutschland und stellte fest, dass die Verbräuche pro laufenden Meter Kühlmöbel zwischen 4 und 14 kWh pro Tag variieren können. Zwar bleiben die mit der Kühlung verbundenen jährlichen Stromkosten gegenüber dem Flächenumsatz im Promillebereich, doch machen sie typischerweise 45 bis 70 Prozent des Stromverbrauches eines Lebensmittelgeschäftes aus. Wer also hier spart, kann einige Euro an den Verbraucher weitergeben.

Energiespar-Aldi
Discounter gewinnen bei Obst, Wein und mittlerweile auch Fleisch Marktanteile. Günstige Preise erzielt Aldi normalerweise durch harte Verhandlungen, aber auch durch konsequente Einsparungen bei den Betriebskosten. Der früher berüchtigte Palettenverkauf und Verzicht auf Ladenregale gehört mittlerweile der Geschichte an.
Dr. Wolfgang Pelzl, Professor für Immobilienmanagement an der Universität Leipzig hat in Beilngries bei Eichstätt im vergangenen Monat den ersten Aldi-Energy-Store eröffnet. Ökologisches Herzstück des Energiesparladens bildet, so berichtet die Lebensmittelzeitung (LZ 31/05), ein dachintegriertes Photovoltaiksystem, bei dem Dünnschichtsolarmodule und Aluminiumtafeln untrennbar miteinander verschmolzen sind. Das Solardach ist vom Boden aus nicht sichtbar und beeinträchtigt daher nicht die "Corporate Identity" des Discounters. 320 qm sollen rund 13.500 kWh Strom in der schwäbischen Alb produzieren. Die Bodenplatte des Geschäftes liegt nicht direkt auf dem Boden auf, sondern auf einer dämmenden Schicht von Glasschaumschotter: "Der Kunde läuft quasi auf alten Glasflaschen", so Pelzl in der LZ. Die Abwärme der Kühltruhen soll im Winter den Verkaufsraum heizen und 20 Prozent Heizkosten sparen. Aldi Süd hat für diese erste Filiale auch die Internetseite www.Aldi-Energy-Store.de eingerichtet.

Frischfleisch Süd
Mit 21 Frischfleischartikeln in verschiedenen Kühlmöbeln startete Aldi Süd letzte Woche in einigen Filialen mit Frischfleisch in Mönchengladbach, Mörfelden, Aichtal, Roth und Mühlheim. Damit stößt der Discounter in ein neues Marktsegment vor und testet nebenbei die preisgünstigste Kühlung. Zwar zieht der Discounter ein offenes Wandregal den günstigeren Kühltruhen vor, aber die Mehrkosten für die notwendigerweise um 2 Grad höheren Temperaturen sollen ausgeglichen werden, weil das Wandregal direkt mit dem Kühlraum der Filiale verbunden ist. Aldi Süd baut seine Filialen so, dass zwischen Lager und Verkaufsraum keine tragende Wand eingezogen ist. Die Branchenkenner zeigen sich in der LZ allerdings von den angebotenen Preisen enttäuscht: Hackfleisch oder Schweinefilet kann preislich "eine Großfläche mit Mischkalkulation ... immer mal wieder unterbieten", wie es heißt. Angeboten werden auch Putenschnitzel, die allerdings wegen den schlechten Haltungsbedingungen der Tiere zur Zeit in heftiger Kritik stehen (Herd-und-Hof.de vom 03.06.2005).

Marktverluste trotz sparen
Immer nur billig hat scheinbar auch ein natürliches Wachstumsende, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im bisherigen Jahresverlauf für den bisherigen Branchenprimus Aldi ermittelt: Aldi verliert in Deutschland Marktanteile. Als Ursachen werden verschiedene Entwicklungen angeführt: Aldis Schwäche liegt im Angebot, dass fast ausschließlich aus Eigenmarken besteht, mit 4.000 Filialen kann Aldi durch neue Standorte keinen neuen Umsatz mehr generieren, ist quasi ausgewachsen, und die Umsätze im Nonfood-Bereich gehen zurück: "PC-Aktionen mit sechsstelligen Absatzzahlen lassen sich nun einmal nicht ewig wiederholen", so ein Handelsmanager. Gewinner der ersten Jahreshälfte im Discountbereich ist Lidl. Zehn Prozent legte die Schwarz-Tochter zu, hält aber mit 7,1 Prozent Umsatzanteil am Lebensmittelhandel insgesamt immer noch weniger als die Hälfte von Aldi (19,1 Prozent). Mit dem Neusegment Frischfleisch und möglichen preiswerten Angeboten durch Energiesparen hat Aldi trotzdem die Nase vorn.

VLE

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