Entschieden wird an der Kasse
Handel
Bestseller unter den Newcomern
Produkte, die es seit Jahren auf dem Markt gibt verlieren heutzutage bald ihren Kaufreiz. Mit den so genannten „Line Extensions“ sucht der Handel oft unter hohem Risiko einen Ladenhüter produziert zu haben, neue Produkte über den Ladentisch zu bringen. Wirtschaftlich der Erste bei einem neuen Trend zu sein, verspricht zusätzliche Gewinne.
Auf der anderen Seite der Ladentheke steht mit dem Verbraucher jemand, der immer wieder etwas neues ausprobieren will. So machte die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft zu Jahresbeginn auf der Internationalen Grünen Woche, „Ethic Food“, Bioprodukte, Chilled Food als Fertiggerichte, Functional Food und Convenience als neue Trends und Moden 1aus.
Nur wenn Angebot und Nachfrage zusammen kommen, dann wird daraus ein Erfolg für beide Seiten. Der Ort der Wahrheit ist die Ladenkasse.
Der Kunde hat entschieden
So hat der Marktforschungsspezialist Information Resources (IRI) aus Nürnberg am vergangenen Mittwoch bei der Frankfurter „Bestseller-Night“ in 31 Warengruppen jeweils die drei Produkte ausgezeichnet, die diesen Namen auch verdient haben: „Meistverkaufende“. Die Produkte stammten aus den Bereichen Essen und Trinken sowie Haushalt, Körperpflege und Tiernahrung. Das Besondere an dieser Prämierung war, das eben nicht eine Jury über den Erfolg entschieden hat, sondern der Kunde: Prämiert wurde, was in der Zeit zwischen August 2005 und Juli 2006 am meisten im Einkaufswagen landete.
Dabei haben nicht nur die großen Konzerne Auszeichnungen eingeheimst, sondern auch mittelständische Unernehmen und Nischenplayer. Gewertet wurde der durchschnittliche Marktanteil je Woche für alle neuen Produkte in einer Kategorie, so dass sie alle die gleichen Chancen hatten.
„Produktinnovationen sind das Salz in der Suppe. Sie sind es, die das Interesse der Verbraucher wach halten, die Märkte, Hersteller und Handel stets aufs Neue stimulieren“, sagte Dr. Michael Rosada, Geschäftsführer von IRI Deutschland.
Verbrauchervorlieben machen Bestseller
Wellness zum Beispiel ist ein Thema, das sich quer durch das gesamte Warengruppen-Spektrum zieht, analysieren die Nürnberger Marktforscher. Dafür stehen zuckerfreie und kalorienarme Getränke wie zum Beispiel die neue Coca Cola Zero oder der alkoholfreie Söhnlein Brillant Sekt. Fertiggerichte gewinnen, wenn sie mit ihrer Rezeptur asiatisch inspiriert sind, wie es Nestlé und Wingert vormachen. Manche Produkte tragen den Wohlfühleffekt bereits im Namen: Platz 3 in der Kategorie Dusche/Deo für Nivea Cashmere Moments.
Schon seit Jahren ist Convenience ein starker Trend und dennoch gibt es Neues über die vorderen Plätzen zu berichten: Meggle hat seine Kräuterbutter in die Tube gepackt und Hengstenberg bietet Apfel-Rotkohl im Aromabeutel an.
Die Marktexperten von IRI entdeckten auch, dass Verbraucher wieder stärker auf den Genuss achten. So landeten drei Premium-Eiscremes auf den ersten drei Plätzen in der Kategorie Tiefkühlartikel.
Frühling einen Sommer lang
Die Bestseller Studie von IRI brachte sogar hervor, dass ein Produkt nicht das ganze Jahr über in den Regalen angeboten werden muss, um riesigen Erfolg zu haben. So hat sicher der Super-Sommer im Juni und Juli Pepsis Sunny Summer Variante von Punica auf Platz drei in der Kategorie Wasser gebracht. Weltmeister Kartoffelsalat und Nestlés Cerealien FIFA werden in den nächsten Monaten kaum noch im Rampenlicht stehen, konnten aber in dem Untersuchungszeitraum Auszeichnungen gewinnen.
Mit Coke Zero Vollgas geben
Manche Produkte hingegen tragen die volle Last der Unternehmenserwartungen. Der amerikanische Brause-Riese wollte 2003 die Einführung des Einwegpfandes nicht mitmachen und an seinen gewohnten Flaschenformen festhalten. Die Discounter brachten ihre eigenen Flaschen in Stellung – ohne Coke. Günter Birnbaum, Getränkeexperte der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hielt das für eine „falsche Entscheidung“. Bis 2004 sank für Coca-Cola den Marktanteil von 56 auf 49 Prozent. Deutschland ist der fünftgrößte Markt für den US-Konzern und mit der neuen Linie sollen vor allem trendbewusste Männer angesprochen werden: „Mit Coke Zero hoffen wir das Wachstum wieder nach oben korrigieren zu können“, sagte Claudia Fasse, Sprecherin der Coca-Cola in Deutschland. In der Kategorie „Alkoholfreie Getränke“ hat die Brause den ersten Platz gemacht.
roRo