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EU forciert Beira Corridor Project

Handel

Ausbau der EU-Partnerschaft mit Mosambik

Heute weilt EU-Präsident José Manuel Barroso in Begleitung des Entwicklungs-Kommissars Andris Piebalgs für Gespräche zum Ausbau der Partnerschaft in Mosambik. Drei Abkommen werden unterzeichnet. Zum einen geht es um die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung des afrikanischen Landes, dann um die Unterstützung der Zivilgesellschaft und um die Stärkung der Rechtsstaatlichkeit und öffentlichen Rechenschaftspflichten. „Das Land hat in den letzten zwanzig Jahren einen bemerkenswerten politischen Wandel durchgemacht und in der letzten Zeit beeindruckende Wachstumsraten erzielt“, erklärte Barroso vor dem Abflug. Die EU will eine wirtschaftliche Entwicklung unterstützen, die der ganzen Bevölkerung zu Gute komme. Die EU finanziert die drei Programme mit 23, fünf und neun Millionen Euro.

Der Korridor von Beira

Barroso wird die Hafenstadt Beira besichtigen, die mit ihrem Korridor für das südliche Afrika und das Hinterland mit Simbabwe, Sambia und Malawi eine hohe wirtschaftliche Bedeutung hat. Der Korridor von Beira spielt für den Güterverkehr aus dem afrikanischen Kontinent an den Indischen Ozean eine große Rolle und wird durch die EU in Einzelprojekten unterstützt. Unter anderem geht es um die Restaurierung der Sena-Eisenbahnlinie, die bis 2011 mehr als 20 Jahre lang geschlossen war und um den Ausbau des Beira-Kanals. Von europäischer Seite wird der Korridor von der Europäischen Investmentbank mit 190 Millionen Euro unterstützt. Durch den Ausbau des Hafens erreichen seit 2008 mehr als 2.000 Lkw am Tag die Stadt. Im Trockendock werden jährlich mehr als 100 Schiffe, vor allem Fischerboote, gewartet.

Viele Lkw gelten aber als überladen und verursachen große Schäden an den bestehenden Straßen. Das zitiert „All Africa“ aus einer Studie des US-Entwicklungsministeriums Ende Juni. Es gebe zwar Waagen an den Straßen, die jedoch oftmals außer Betrieb sind. Eine Strecke von rund 138 Kilometer zwischen Beira und Inchope sollen kaum noch zu gebrauchen sein. Aus den hohen Schäden durch Überladung resultieren hohe Frachtkosten, die mit sechs US-Dollar je Kilometer Fracht übermäßig verteuerten.
In der letzten Woche sagte Mosambiks Transportminister Paulo Zucula zu „All Africa“, dass sich die Investitionen für die Infrastruktur in Mosambik auf 14 Milliarden US-Dollar für die nächsten fünf Jahre belaufen. Das wurde alleine in den letzten drei Jahren schon aufgebracht. Seit 2009 sind in Straßen, Häfen, Eisenbahn und Telekommunikation bereits mehr als 28 Milliarden US-Dollar investiert worden. Das sei aber immer noch weniger als von den privaten Investoren gefordert: „Die Erwartungen sind riesig, doch die internationalen Ressourcen knapp“, sagte Zucula.

Kohle und Kleinbauern

Der Korridor als Wirtschaftsregion wurde 2010 gegründet und gibt privaten Investoren Gelegenheit zu investieren. Vor allem sollen landwirtschaftliche Güter in die Welt exportiert werden, um die noch notwendigen Lebensmittelimporten zu vermeiden.
Der Korridor innerhalb von Mozambik entspricht der Fläche Großbritanniens, wird aber von nur knapp fünf Millionen Menschen bewohnt. Das Durchschnittseinkommen beträgt rund 300 US-Dollar und die Unsicherheit der Nahrungsversorgung ist groß. Von den 10 Millionen Hektar werden derzeit nur 1,5 Millionen von gut 800.000 Kleinbauern bewirtschaftet. Das Land gehört dem Staat und wird auf 99 Jahre verpachtet. Mehrere Flüsse wie der Save oder Sambesi sorgen für ausreichend Wasser. Etwa 123 Milliarden Kubikmeter durchfließen den Beira Korridor jährlich. Mit 15 bis 22 Grad Celsius sind die Temperaturen gemäßigt.
Als Ankerinvestitionen gelten der Regierung in Mosambik aber die Kohlevorräte. Ab 2015 sollen jährlich 13 Millionen Tonnen gefördert werden.

Infrastrukturdefizite

Im Jahr 2000 haben schon einmal 112 Farmer aus Simbabwe Tabak, Sonnenblumen und Paprika im kommerziellen Stil angebaut. Mehr als 100 Erzeugergruppen haben Mais und Gemüse für den Export erzeugt. Heute gibt es nur noch drei dieser Pionierbauern, da wegen mangelnder Infrastruktur der Absatz der angebauten Früchte nicht funktionierte.
Heute wird vor allem Zuckerrohr im kommerziellen Stil angebaut. Die meisten Bauern praktizieren Selbstversorgung.
Generell wird das Anbaupotenzial der Region als hoch eingeschätzt und und die Bauern könnten Chili, Mais, aber auch Mastgeflügel für den Export erzeugen. Aber die Bewässerungskosten und die Logistik vom Hof bis zum Endverbraucher sind hoch.

Lesestoff:

www.beiracorridor.com/documents/IBlow.pdf

roRo; Grafik: Beira Corridor Project

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