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EU genehmigt Sekt-Hochzeit

Handel

Kataloniens Freixenet jetzt in deutschem Besitz

Am Dienstag hat die EU-Wettbewerbsbehörde den Einkauf der Oetker-Tochter Henkell von Freixenet genehmigt. Sekt beider Marken wird im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Welt verkauft. Zumindest innerhalb Europas treten beide Marken komplentär auf, so dass die Wettbewerbsbehörde keinen Grund für Einschränkungen und Auflagen sieht. Für andere Weltregionen seien ausreichend Wettbewerber vorhanden.

Die zur Dr. August Oetker KG gehörende Henkell & Co. Gruppe mit Sitz in Wiesbaden exportiert neben dem Klassiker Henkell Trocken auch Fürst Metternich. In 21 Ländern gibt es Tochterunternehmen und Kunden in mehr als 100 Staaten. Gegründet wurde die Firma 1832 von Adam Henkell in Mainz als Weinhandlung für französische Importe. 1856 wurde aus einem französischem Cuveè mit deutscher Handwerkskunst Henkell Trocken auf den Markt gebracht. 1909 zog die Firma nach Wiesbaden in eine neue Kellerei.

Ein bisschen später begründete die Heirat zwischen Pedro Ferrer und Dolores Sala 1889 den Zusammenschluss zweier Familien, die neben Wein auch mit Schaumweinen erfolgreich waren. 1914 wurde die Marke Freixenet in Sant Sadurni d´Anoia bei Barcalona gegründet. Cava Freixenet ist die dabei Hochzeit aus dem spanischen „Sekt“ mit dem Namen des Landsitzes „Freixenet“, das katalanisch für Eschen steht. Diese wachsen rund um das Weingut und Pedro Ferrer wurde von den Einheimischen „El Freixenet“ gerufen. Heute exportieren die Spanier rund 200 Millionen Flaschen Sekt in mehr als 150 Länder.

Vorbehaltlich der Genehmigung durch die Wettbewerbsbehörde hatte Henkell bereits diesen März die Kaufoption für 50,67 Prozent Freixenet-Anteile unterzeichnet. Der heutige Geschäftsführer José Luis Bonet Ferrer hofft auf eine deutliche Stärkung der spanischen Marke, die in den letzten zwei Jahren keine Dividende mehr hat auszahlen können. Im April 2017 hatte sich der Gewinn auf 8,4 Millionen Euro vervierfacht – bei einem Umsatz von 535 Millionen Euro.

Für Oetker-Henkell ist die Sachlage einfacher. „Die Oetker-Gruppe setzt den Ausbau ihrer Geschäftsfelder konsequent fort“, sagte Gesellschafter Dr. Albert Christmann. Henkell-Sprecher Dr. Andreas Brokemper betont die „gemeinsame unternehmerische Vision“ beider Sekthersteller. Jetzt gebe es „ein in der Branche einzigartiges Sortiment erstklassiger Marken und Spezialitäten.“

Angebandelt hatte Henkell schon länger. Doch die drei spanischen Eigentümer-Familien, wehrten sich lange gegen den Verkauf in den Norden. Sie besitzen auch ein Vorkaufsrecht. Die geografische Lage des spanischen Sektherstellers hat den Verkauf zusätzlich behindert. Die mögliche Selbstständigkeit und der Austritt Kataloniens aus der EU hat die Fusion zuletzt belastet. Jetzt hat sich Freixenet unabhängig von Kataloniens Zukunft den Verbleib in der EU gesichert.

Roland Krieg

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