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EU setzt auf Erzeugerorganisationen

Handel

Vorschlag für Obst- und Gemüsereform

EU-Kommissarin Mariann Fischer Boel hatte bei der Eröffnung der Grünen Woche die Vereinfachung der gemeinsamen Marktordnung angesprochen und für den 24. Januar den Vorschlag für die Obst- und Gemüsereform versprochen. Heute Mittag wurde diese auf einer Pressekonferenz von John Benstedt-Smith, Direktor für landwirtschaftliche Analysen in der EU, vorgestellt.

EU hat ein Angebotsdefizit
In den Jahren 2003 bis 2005 wurden weltweit 1.314 Mio. Tonnen Obst und Gemüse hergestellt. Ein Drittel davon wird in China produziert, dann folgt Indien mit einem Anteil von 10 Prozent, die EU mit 8,3 und die USA mit fünf Prozent. Die EU der umgerechnet schon 27 Länder kamen auf 108 Mio. Tonnen. Davon waren 440 Mio. Tonnen Obst und 874 Mio. Tonnen Gemüse.
Innerhalb der EU sind Spanien mit 29 Prozent, Italien mit 24, Frankreich mit 12 und Griechenland mit 8 Prozent die größten Produzenten. Deutschland liegt auf Platz sechs mit fünf Prozent Anteil. Die beiden wichtigsten Obst- und Gemüsesorten sind in der Tabelle aufgeführt:

Tomaten

Äpfel

Spanien

2,1 Mio. t

Polen

2,3 Mio. t

Italien

1,3 Mio. t

Frkr. + Italien

jeweils 2,1 Mio. t

Griechenland

0,8 Mio. t

D + Spanien

jeweils 0,8 Mio. t

Frkr. und Nl.

jeweils 0,6 Mio. t

EU gesamt

6,3 Mio. t

EU gesamt

11 Mio. t

Trotzdem reicht es nicht. Auch bei den nicht tropischen Früchten führt die EU Obst und Gemüse, meist aus Marokko, Israel und Kenia ein. Insgesamt liegt das Einfuhrvolumen bei etwa 1,5 Milliarden Euro im Jahr.
Außerdem will die EU, dass ihre Bürger mehr Obst und Gemüse verzehren. 400 Gramm sollen es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation täglich sein. Davon sind die Mitgliedsstaaten aber weit entfernt. Lediglich Griechenland liegt mit 500 Gramm darüber. In Großbritannien und Schweden sind es nur knapp über 200 g. „Hier haben wir etwas, woran wir arbeiten müssen“, sagte Benstedt-Smith.
Dann gibt es noch ein Strukturproblem. Nur etwa ein Drittel des Obst und Gemüses wird effizient über Erzeugergemeinschaften vermarktet. Die neue Richtlinie der EU soll 60 Prozent betragen, wobei der Analytiker feststellte, dass die Fokussierung auf mehr Erzeugerorganisationen nicht gleichbedeutend mit einem zunehmenden Konzentrationsgrad ist. Die Vielfalt könne erhalten blieben, gab er sich optimistisch.
Die Infrastruktur der Erzeugerorganisationen ist über Europa sehr unterschiedlich verteilt. In Belgien und den Niederlanden ist der Anteil weit über 80 Prozent, auf Zypern und in Polen nahezu Null.
Das hier Verbesserungen notwendig sind, zeigte Benstedt-Smith anhand des hohen Konzentrationsgrades des Lebensmitteleinzelhandels. Wie In Frankreich haben die großen Ketten auch in Deutschland einen Anteil von 70 bis 90 Prozent am Gesamthandel. Das sei ein Prozess, der in anderen Ländern weiter fortschreiten werde. Daher muss die Angebotsseite effizienter gebündelt werden.
Das hatte vor zwei Jahren bereits Gerhard Dichgans, Direktor des Verbandes Südtiroler Obstgenossenschaften auf dem Obst- und Gemüseforum der ZMP schon formuliert: Der einzelne Bauer habe kaum noch eine Chance, seine Produkte abzusetzen. Die Bündelung in Erzeugerorganisationen erschließe eine handelsfähige Absatzmenge und bessere Vermarktungsstrategien.

Vorschläge sollen die Erzeuger stärken
Mit einem Etat von etwa 700 Millionen Euro sollen die Erzeugerorganisationen vor allem in den Ländern gestärkt werden, wo es sie noch gar nicht gibt. Der Zuschuss an operationellen Programmen soll auf 60 Prozent steigen. Für ein Krisenmanagement soll es Informationen und Hilfen geben, bei Nichternten oder ernten vor der Reife. Die Betriebsprämienregelung soll durch die Reform auch auf Obst und Gemüse ausgedehnt werden. Bei den Umweltmaßnahmen sollen Obst und Gemüse ebenfalls mit einbezogen werden. Für ökologische Erzeugung gibt es einen Gemeinschaftszuschuss von 60 Prozent je operationelles Programm. Im Rahmen der gesunden Ernährung sollen Verkaufsförderungen von Obst und Gemüse an Schulen ebenfalls mit 60 Prozent finanziert werden. Auch wenn die Verhandlungen im Rahmen der WTO zur Zeit ruhen, so sollen die Exporterstattungen in diesem Bereich abgeschafft werden. Und generell werde die Marktordnung einfacher.
Bislang hat es im Rahmen der Marktvereinfachung Reformen für Getreide, Mittelmeerprodukte, wie Baumwolle, Zucker und Bananen gegeben. Mit Obst und Gemüse wird vorletzte Lebensmittelgruppe vereinfacht. Was aussteht ist die Reform für Wein.

Lesestoff:
Alle Details werden im Laufe des heutigen Tages auf http://ec.europa.eu/agriculture/capreform/fruitveg/index_de.htm veröffentlicht. Am Donnerstag wird die EU ihre Obst- und Gemüsereform in der Halle 21b präsentieren und freut sich auf Diskussionsteilnehmer

roRo

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