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Exporte auf Allzeithoch

Handel

BGA warnt vor Protektionismus

„Es geht uns heute so gut wie nie zuvor“, sagte Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), auf der Herbstpressekonferenz in Berlin.
Im Jahr 2012 werden die Ausfuhren nominal um vier Prozent auf 1.103 Milliarden Euro steigen. Die Importe steigen mit einem Plus von drei Prozent weniger dynamisch, erreichen aber auch 929 Milliarden Euro. Damit erreicht das Handelsvolumen mit zwei Billionen Euro einen neuen Rekordwert und erzielt einen Handelsüberschuss in Höhe von 174 Milliarden – zehn Prozent über dem Vorjahreswert.

Prognose 2013

Der BGA erwartet nach einem kleinen Abflauen im vierten Quartal 2012 auch für das kommende Jahr einen erfolgreichen Außenhandel. Die USA würden Signale für eine Wirtschaftsbelebung aussenden und auch China führt den Weg der Marktreform weiter. Für Deutschland kommt der Schwung auch aus den Schwellen- und Entwicklungsländern und wird einen Teil des abflauenden innereuropäischen Handels aufnehmen. Ein Gewinner wird der Dienstleistungssektor sein, der in den letzten zehn Jahren um 90 Prozent angestiegen ist. Die Länder bauen Gesundheitssysteme auf und Deutschland kann die „Software“ dafür liefern. Neben Ingenieursleistungen werden Pflege und Gesundheitsdienste immer wichtiger.
Zumindest in den ersten drei Quartalen 2012 haben die USA und Ostasien das schrumpfende Handelsvolumen mit den südeuropäischen Ländern kompensiert. Börner forderte ein energischeres Eingreifen in deren Innenpolitik, da die Länder ihrer „Verantwortung für Europa nicht gerecht werden“. Wenn alles passt, dann können die deutschen Exporte im nächsten Jahr auf 1.158 Milliarden Euro und der Import auf 980 Milliarden steigen.

Keine Welthandelspolitiker in Sicht

Es könnte sogar noch mehr sein. Derzeit weiten sich bilaterale Handelsbeziehungen aus, weil die Doha-Runde stockt. Börner verzeichnet auch protektionistische Tendenzen. So verlangt Ungarn von den Lebensmittelhändlern eine zusätzliche Umsatzsteuer in Höhe von 2,5 Prozent, die für die ungarischen Franchise-Unternehmen nicht anfallen. Das belastet ausländische Unternehmen mit 340 Millionen Euro. Auch eine Steuer auf vermeintlich ungesundes Essen verteuert Produkte. Für die ungarische Salami hingegen gibt es eine Ausnahmeregelung.
In der Slowakei werden die Kosten für Lebensmittel-Inspektionen von den Produktionsstätten auf die Abnehmer übertragen. Solche Ideen beschränken genauso den Wettbewerb, wie Handelsschutzinstrumente der EU gegen Keramik und jüngst gegen chinesische Photovoltaikmodule. Börner: „Diese zutiefst chauvinistischen Tendenzen sind völlig inakzeptabel!“
Neue Impulse setzen die bilateralen Abkommen. So konnte die Automobilindustrie trotz des Freihandelsabkommen mit Südkorea 12 Prozent mehr Autos nach Fernost absetzen. Der Ansatz für ein Abkommen zwischen den USA und der EU sei daher zu begrüßen, werde aber 2013 noch keine Impulse aussenden.
Am besten sei allerdings die Fortführung der Welthandelsrunde. Ein Doha-Abkommen würde die Weltwirtschaft mit zusätzlichen 600 Milliarden US-Dollar im Jahr beleben. Aber, so erklärte Börner gegenüber Herd-und-Hof.de, es gibt keine multilateralen Persönlichkeiten, die bei den G8 und G20 – Gruppen die Handelsrunde vorantreiben. Die „big player“ kommen mit den bilateralen Beziehungen zurecht und seien in eine Lethargie gegenüber der Doha-Runde verfallen. Die bilateralen Beziehungen seien besser als nichts und es gibt auch keine Tendenzen, die ein „Doha-Minus“ erwarten lassen – aber ein erfolgreicher Abschluss würde die Welt bereichern.

Lesestoff:

Protektionismusbericht der EU

Energiewendekampf EU – China

Roland Krieg

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