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Exporte zwischen „Hui“ und „Pfui“

Handel

BGA blickt auf langfristige Exporterfolge

Die unruhigen Zeiten gehen auch am deutschen Export nicht vorbei. Die Aussichten des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) sind trotz einiger Kritik rosig. Präsident Anton F. Börner formulierte es in Berlin so: „Wir erwarten im neuen Jahr 2015 keine nennenswerten Zuwächse, aber auch keinen konjunkturellen Einbruch.“ Klappern gehört eben zum Handwerk und dazu muss die Kritik die positiven Ausblicke einrahmen.

Die Stimmung der Außenhandelsbranche hat sich über den Jahreswechsel eingetrübt. Die Unternehmen müssen mehr tun, um das bewährte Niveau zu halten. Der Stimmungsindex ist um vier Punkte gefallen und hat die magische Schwelle von 120 Punkten knapp unterschritten. 119,8 Punkte sind dennoch ein Mittelwert der letzten 11 Halbjahresbewertungen. .

Der BGA blickt in diesem Jahr auf einen Umsatz von 1.135 Milliarden Euro. Das liegt knapp unter dem bisherigen Höchstwert aus dem Jahr 2012 mit 1.144 Milliarden und variiert gegenüber den beiden letzten Jahren um eine Millionenstelle nach oben. Real betrachtet hat der Großhandel auf Grund gesunkener Preise um 1,2 Prozent höhere Umsätze erwirtschaften können. Für eine Lokomotive in der wirtschaftlich schwächelnden EU kein schlechter Wert.

Der Binnenkonsum werde weiter stabil bleiben und auch der Außenhandel ist 2014 erneut ein Erfolgsbaustein für die Unternehmen gewesen.

Außenmärkte

Der Blick auf die Außenhandelsmärkte wird aber differenzierter - „kritischer“ wie Börner es formuliert. Alleine das westeuropäische Umfeld, Nordamerika und Asien werden als gefestigt angesehen. Insbesondere der russische Raum wird wegen der Ukrainekrise als unsicher betrachtet.

Der Dienstleistungssektor mit Beratungsleistungen, Planungen, Ingenieurswesen sowie Infrastrukturarbeiten wie Internet und Wasserver- und Wasserentsorgung werden in den nächsten Jahrzehnten die Hälfte der deutschen Exportleistungen ausmachen. „Wir sind ein kommender Dienstleistungsriese“, prognostiziert Börner.

Gegenüber Herd-und-Hof.de zählt Börner die künftigen Erfolgsmärkte auf: Südostasien bleibt dabei im Fokus des Außenhandels. Vor allem China wird zunehmend attraktiv, weil der wachsende Wohlstand im Reich der Mitte eine konsumfreudige Käuferschicht hervorbringt. „Je reicher der Kunde, desto besser läuft unser Geschäft“, freut sich Börner. Ein langfristig sehr interessanter Markt bildet sich in Afrika südlich der Sahara aus. „Verhalten optimistisch“ zeigt sich Börner auch für den islamischen Raum. Dieser befindet sich in einer großen Transformationsphase in Richtung Globalisierung.

Saubere Staatsfinanzen

Börner baut aber kräftige Partner. Dabei blickt er auf die europäischen Nachbarländer. Griechenland bringt die Eurokrise wieder zurück auf die Agenda. Frankreich und Italien schwächeln. Der BGA-Präsident fürchtet, dass Deutschland im Alleingang im Welthandel auf Dauer nicht bestehen kann. „Wir brauchen wirtschaftlich starke Partner.“

Voraussetzung sind „saubere Staatsfinanzen“. Italienische und griechische Firmen investieren überall, nur nicht zu Hause, weil das Vertrauen in die Wirtschaftspolitik verloren gegangen ist. Die frühzeitig erreichte „schwarze Null“ in Schäubles Haushalt sei Grund zur Freude.

GroKo-Zeugnis

Dennoch hat die große Koalition aus wirtschaftlicher Sicht Nachholbedarf. Die Versetzung ist zwar nicht gefährdet, aber es gibt eine Mängelliste des BGA. Die Unternehmen klagen über steigende Arbeitskosten, hohe Energiekosten, bürokratische Regelungen und zähen Ausbau der Infrastruktur [1]. Die Große Koalition konnte, so Börner, in ihrem ersten Regierungsjahr die Unternehmen nicht überzeugen, mehr als erforderlich zu investieren. Die Investitionen lassen sich nicht verordnen, aber eine Verkürzung der Aufbewahrungsfrist über eine Entbürokratisierung, steuerliche Erleichterung bei Investitionen wie die Gebäudesanierung seien Rahmenbedingungen, die Investitionen fördern.

Dennoch gibt es Grund zur Freude. Nicht aber durch Berlin verursacht. Die niedrigen Energiepreise seien ein großes Geschenk, „ein Konjunkturriesenprogramm“, strahlt Börner. Die Unternehmen sparen bei den Treibstoffkosten und die Konsumenten konsumieren. Schon allein deshalb, gebe es keinen Grund. von einer Deflation zu sprechen [2].

Wirtschaft weltweit gut aufgestellt

Der BGA hat trotz aller Kritik einen guten Start der deutschen Wirtschaft in das Schlussquartal 2014 verzeichnet. Im Oktober konnte trotz weltweiter Krisen „dank Rückenwind durch die niedrigen Rohstoffpreise und den schwachen Euro im Oktober ein neuer Monatsrekord erzielt werden“, sagte Börner Mitte Dezember. Das Statistische Bundesamt hat für den zehnten Monat ein nominales Plus von vier Prozent auf 103,9 Milliarden Euro verzeichnet. Die Importe hingegen nahmen nur um 0,9 Prozent auf 81,9 Milliarden Euro zu. Die Außenhandelsbilanz im Oktober schloss mit einem Überschuss von 21,9 Milliarden Euro. „Die Zahlen unterstreichen, dass die deutsche Wirtschaft weltweit gut aufgestellt ist“, sagte Börner im Dezember. Stoppen könnte Deutschland sich nur selbst, wie am Dienstag ausgeführt.

Nur die Ernährungsindustrie leidet

Einen Einbruch im Exportgeschäft musste allerdings die deutsche Ernährungsindustrie verzeichnen. Der Stimmungsindex sank um 25 Prozent auf 34 Punkte. Besonders betroffen sind die Exporteure von Fleisch, Molkereiprodukten und Obst und Gemüse. Die Ernährungsbranche trifft weltweit auf harten Wettbewerb. Die Ausfuhren stiegen in den ersten neun Monaten 2014 nur um 2,4 Prozent auf 39,8 Milliarden Euro. Außerdem stellten immer mehr Drittländer neue Handelshemmnisse auf. Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) fürchtet um Stabilität und Beschäftigung in der Ernährungsindustrie.

Der Trend wird wohl anhalten. Nach Minhoff wird der Wettbewerb zu einer Konsolidierung der Branche führen, „Hinzu kommt, dass in den Wachstumsmärkten außerhalb Europas große Lebensmittelkonzerne entstanden sind, die sich im Wettbewerb gegenüber deutschen Unternehmen behaupten können.“

Kann Deutschland mithalten?

Jüngst hat der amerikanische Getreiderat die Tricon Energy als neuestes Mitglied vermelden können [3]. Das ist weltweit nicht die einzige große Investition in den Bereich der Landwirtschaft. Milliardenschwere Bergbaukonzerne in Australien investieren riesige Summen in die Landwirtschaft. So will die Bergbaumilliardärin Gina Rinehart eine halbe Milliarde Dollar in den Milchsektor stecken. Schon ab 2016 will sie jährlich 30.000 Tonnen Milchpulver nach China verkaufen. Forrester hat mit Harvey Beef den einzigen Fleischerzeuger in Westaustralien gekauft, der eine Exportlizenz nach China hat. Global stehen die Zeichen beim Export auf Sturm.

Lesestoff:

[1] BGA fordert Neuanfang bei Infrastrukturplanung

[2] Für die Entwicklungsländer kann der niedrige Ölpreis ein Segen sein

[3] Tricon tritt dem USGC bei

Roland Krieg

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