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Exportstandbein Obst und Gemüse

Handel

Marktchancen entwickeln sich

Die EU importiert jährlich rund drei Millionen Tonnen Gemüse und fünf Millionen Tonnen Obst. Die Gemeinschaft ist noch lange kein Selbstversorger und die Exportmengen sind einschließlich Reimporte mit 300.000 t Gemüse und 150.000 t Obst verschwindend gering. Trotzdem lotete das 3. Obst- und Gemüseforum der ZMP die Exportchancen deutscher Gartenbauer aus und stellte fest, dass es Märkte mit Bedarf und Chancen gibt, den Frischemarkt in Angriff zu nehmen.

Russlands Obst- und Gemüsebedarf
73 Prozent der russischen Bevölkerung leben im europäischen Teil des Riesenlandes. 13 Städte haben mehr als eine Million Einwohner, das Einkommen steigt und Konsumenten fragen vermehrt nach qualitativen Produkten mit gesundheitlichem Wert. Russland hat aber auch ein Problem, wie Alexandra Buzakovo von der JFC Group bemerkte. Die klimatischen Bedingungen erlauben nicht den Anbau aller Obst- und Gemüsesorten und die lokale Versorgung ist aufgrund mangelnder Lager- und Kühlkapazitäten streng auf die Saison eingegrenzt. So gibt es auf den lokalen Märkten ab November keine russischen Äpfel mehr. Mit 43 kg Obst und Gemüse weist der Verbrauch noch große Verzehrreserven auf.
In diesem Jahr wird Russland rund fünf Millionen Tonnen Obst und Gemüse importieren. Über 13 Prozent davon sind Äpfel, wobei die meisten preiswertere Waren aus Polen und China sind. Italien hat sich mittlerweile auf den dritten Importplatz hervorgearbeitet. Die JFC-Gruppe kanalisiert seit 1994 Obst mit höherer Qualität nach Russland und bezieht die Ware aus einem anderen Portfolio:

Gefährden Clubsorten die alten Apfelsorten?
Die Vermarktung von Clubäpfeln sind Verbrauchern meist noch wenig bekannt. Über die neue Vermarktungsmöglichkeit sprach Herd-und-Hof.de mit Michael Weber von VariCom GmbH, der am ersten Tagungstag über Clubsorten referierte.
Die EU-Förderung von Erzeugerorganisationen kommt dem Clubapfel sicher entgegen, wenn auch die Erfahrung der VariCom zeigt, dass es auch ohne öffentliche Gelder geht, sagte Weber. Verbraucher bräuchten sich keine Sorgen um das Verschwinden alter Sorten zu machen, denn der Club werde in Zukunft noch mehrere neue Sorten auf den Markt bringen. Derzeit gibt es ein Projekt für ein vergleichbares System Ökosorten in einem offenerem System zu vermarkten.
Im Zusammenhang mit den öffentlichen Förderungen von Obst und Gemüse (Mr. Fruitness) sieht auch Weber eine gute Chance für den Obst- und Gemüseanbau Waren abzusetzen. Aber, so grenzt er ein, der Club bietet eine bessere Differenzierung einer besonderen Qualität.
Roland Krieg

Argentinien, Chile und Deutschland. Die JFC profitiert davon, dass ausländisches Kapital die Handelsstrukturen ausweitet und sich an die Konsumenten mit höheren Einkommen wendet. Den Kunden bietet JFC ein Komplettpaket mit Verpackung und Lieferung bis in den Laden an. Allerdings ist die Vermarktung hoher Qualitäten in Russland noch schwierig, weil die Konsumenten mehr auf die regelmäßige Form der Äpfel als auf den Geschmack achten. Eine Farbe muss sich auch intensiv präsentieren und darf nicht in eine andere verlaufen. So stehen Gloster, Jonagold und Red Prince in der Beliebtheit an erster Stelle.

Zwiebeln für den Osten
Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt wiesen vor der Wende etwa 5.000 Hektar Zwiebelanbau auf und die Anbauer haben vor zehn Jahren zur Sicherung ihrer Produktion das Mitteldeutsche Zwiebelkontor in Herbsleben aufgebaut. Geschäftsführer Poul Sonnichsen verwies darauf, dass es das Kontor ohne Exportmöglichkeiten gar nicht gäbe.
Es sind nicht nur die rot-, gelb- oder weißschaligen Zwiebeln, die eine breite Angebotspalette bieten, sondern auch eigene Schälung und Innovationen, wie die Zwiebel mit geringer Reizung der Tränendrüsen, die das Angebot für das Ausland attraktiv machen. Mittlerweile ergänzt ein Erzeuger aus Nordrhein-Westfalen die elf Stammbetriebe. Im Kontor übernehmen Agenten die Fakturierung der Ware, die an Packbetriebe, Lebensmittelhandel und Verarbeiter gehen. Durch Lagerung ist das Kontor in der Lage an 365 Tagen im Jahr zu liefern und es dauere nur eine Woche nach Eingang der Bestellung bis ein ganzer Lkw mit Zwiebeln verpackt in 5-kg-Säcke am Bestimmungsort ist.
Aber nicht alle Märkte sind gleich attraktiv. Im Baltikum sind die Qualitätsansprüche nicht so hoch und Polen liegt dort direkt vor der Haustür. In Polen wird auf viel Fläche mit wenig Ertrag kostengünstig produziert. In Tschechien und der Slowakei ist die Eigenproduktion nach der Wende fast zum Erliegen gekommen und das Kontor erfreut sich steigender Absatzchancen in diesen Raum. Auch nach Ungarn geht die Ware, weil dort durch den Ausbau der Anbaufläche die Zwiebel, die eine weite Fruchtfolge braucht, unter Krankheiten leidet. Die Zielrichtung Russland sei nur attraktiv, wenn die Ware nicht erst über Dänemark und die Ostsee geliefert werden muss, sondern auf direkten Landweg in den Süden des Landes gehen kann.
Das Zwiebelkontor hat sich einen guten Ruf erworben, weil es für den Export die gleichen Qualitätsstandards anbietet wie im Inland. Zweite Wahl für den Export, sei der falsche Weg, folgert Sonnichsen.

Landestypische Herausforderungen beachten
Die Pfalz Fresh GmbH aus Mutterstadt liefert von 2.100 Mitgliedern mittlerweile Gemüse in 21 EU-Länder und in der Hauptsaison verlassen alleine am Wochenende 60 Lkw die Pfalz. Angefangen hatte das Unternehmen mit Frühweißkohl und Chinakohl in einer Saison von acht bis 12 Wochen. Derzeit erzielt die Pfalz Fresh einen Umsatz von 87 Millionen Euro und bietet zwischen März und November 80 verschiedene Produkte an. Exportmanager Holger Schmitt beschrieb aber auch die Tücken des Auslandsgeschäfts, auf die sich Exporteure einlassen müssen:

ZMP muss bleiben
Durch das noch ausstehende Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Erhebung der Absatzfondsabgabe ist die Finanzierung der CMA und damit auch der ZMP gefährdet.
Mit scharfer Kritik hat sich die agrarpolitische Sprecherin der Grünenfraktion, Cornelia Behm, auf die Forderungen des agrarpolitischen Sprechers der FDP, Hans-Michael Goldmann Ende letzter Woche reagiert. „Wenn Herr Goldmann meint, man könne die Aufgaben der landwirtschaftlichen Marktpreisberichterstattung privatisieren, dann erscheint das doch sehr realitätsfern. Denn die Erfüllung dieser Aufgaben ist teuer. Dass genügend Landwirte bereit sind, freiwillig das dafür notwendige Geld bereitzustellen, erscheint doch sehr unwahrscheinlich. Ob sich dieser Dienst – nahezu werbefrei – durch Abogebühren tragen wird, ist ebenso fraglich. Letztlich läuft die Forderung nach Privatisierung der ZMP also auf eine Zerschlagung der ZMP hinaus. Das aber wäre für die Landwirtschaft ein schwerer Verlust. Es würde ein erhebliches Stück Markttransparenz verloren gehen.“ Sollte das Gericht die Absatzfondsabgabe für verfassungswidrig halten, dann müsste, so Behm weiter, das Bundeslandwirtschaftsministerium die Finanzierung übernehmen.
roRo

Österreicher legen Wert auf einen Blumenkohl mit einem Kopfgewicht von 1,3 kg, bei den Franzosen müssen es mindestens 1,5 kg sein. Die Engländer wollen je Kiste acht Köpfe in englischer Verpackung, die zunächst in die Pfalz geholt werden muss. Bei Qualitätsabweichungen von drei Prozent werde die Ware gar nicht mehr angenommen. In Skandinavien wird der Kohl als Gewicht zu sieben Kilo inklusive Verpackung verkauft, so dass das Nettogewicht der Stiegen eine wichtige Rolle spielt. Die Norweger bevorzugen kleine Köpfe.
Nur wer das alles weiß, kann in andere Länder liefern und müsse den entsprechenden Aufwand berücksichtigen. Hinzu kommen unterschiedliche Zahlungsziele, Reklamationen, unvorhergesehene Weiterlieferungen an andere Märkte: Da muss die Ware nach acht Tagen Transport bis zum Markt unter mediterraner Sonne immer noch frisch aussehen.
Die Pfalz Fresh zeigt jedoch, dass der Export von Gemüse trotzdem zum Erfolg werden kann. Frei nach pfälzischem Risikomanagement: „Uffpasse, uffpasse, uffpasse“, so Schmitt.

Napoleon auf dem Rückzug
Mit Beharrlichkeit und Innovation könne man auch abgeschlossene Märkte erobern, weil sich in der EU die Märkte aufeinander zu bewegen. Zu diesem Schluss kommt Leo Ochs aus dem Saarland, der mit seiner Frucht-Import-Agentur in St. Ingbert zunächst begann, französische Ware nach Deutschland zu liefern. 1971 ernteten die Franzosen allerdings wenig, die deutschen viele Zwetschen, so dass Ochs die wertvolle Ware auf dem Pariser Großmarkt Rungis unterbrachte. Weil aber Frankreich mit einem starken Agrarministerium die eigenen Bauern und heimischen Produkte zu unterstützen weiß, wurden seine Zwetschen verschiedentlich aus fadenscheinigen Gründen nicht über die Grenze gelassen, blickt der Unternehmer zurück.
Mittlerweile kann er mit solchen Erfahrungen umgehen und Erfolge vorweisen: Eigentlich kennen die Franzosen nur das längliche Radieschen mit rosa Spitze der Sorte Napoleon. Jetzt aber hat er die runden und schärferen deutschen Radieschen im Mutterland der Delikatessen erfolgreich bekannt gemacht.
Marktchancen bieten offenbar auch neue Marketingsysteme, wie die Clubäpfel. „Honey Crunch“ wird seit 1999 im französischen Loiretal angebaut und seit 2004 in Lizenz auch im Alten Land bei Hamburg. Ein Teil davon wird wieder nach Frankreich verkauft.
Deutschland muss sich in Frankreich auf dem Obst- und Gemüsemarkt gegenüber Spanien, den Niederlanden oder Marokko erst noch einen Namen machen, aber Leo Ochs beweist, dass Wachstumsmärkte nicht nur in Mittel- und Osteuropa liegen.

Roland Krieg

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