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Green Economy means Power to the People

Handel

Schavan und Altmaier starten Initiative „Green Economy“

Das Bundesforschungsministerium und das Umweltministerium haben am Dienstag in Berlin den Startschuss zur Initiative „Green Economy“ gegeben. Beide Ministerien haben dazu ein Leitbild herausgegeben, das eine international wettbewerbsfähige, umwelt- und sozialverträgliche Wirtschaft favorisiert und Ökologie und Ökonomie zur Steigerung der gesellschaftlichen Wohlfahrt verbindet. Das Bundesforschungsministerium plant in diesem Rahmen eine Neujustierung der Forschungsförderung „Forschen für Nachhaltige Entwicklungen“ (FONA) und das Umweltministerium will die Rahmenbedingungen für den Wandel zur „grünen Wirtschaft“ ausgestalten.

Forschung für das Wirtschaftswunder

Forschungsministerin Annette Schavan will an das Wirtschaftswunder der 1950er Jahre anknüpfen und sieht in der sozialen Marktwirtschaft das beste Wirtschaftsmodell für die Umsetzung der Initiative. Während vor 60 Jahren der materielle Wohlstand im Vordergrund stand, werde das neue Wirtschaftswunder sich um andere Parameter kümmern müssen. Die Politik müsse von seiner reparierenden zu einer vorbeugenden Aufgabe wechseln und ein qualitatives Wachstum schaffen, von denen auch die künftigen Generationen profitieren.
Die Basis der Initiative ist die Forschung und die Freiheit der Innovationen. In den Bereichen Bildung, Forschung und Entwicklung müsse der Haushalt durch ein steigendes Budget eine gegenläufige Tendenz aufweisen. Nicht nur in Deutschland: „Europa muss innovationsstärker werden“, sagte Schavan.

Labor Deutschland

Nach Umweltminister Peter Altmaier ist die Energiewende ein tragender Teil der „grünen Wirtschaft“. Altmaier betont die Unumkehrbarkeit der Energiewende, „denn es ist nicht gut, so wie es ist.“ Der Markt regele aber nicht alles. Man müsse daher nicht fragen, „ob“, sondern „wie“ der Staat das ergrünen der Wirtschaft befördern kann.
Umwelt und Klimasünden gehen nach Altmaier alle an, denn Fehler, die woanders gemacht werden, erreichen über das Ökosystem Alle. Daher dürfen Bank- und Staatsschuldenkrise das Thema Ökologie nicht verdrängen.
Deutschland komme eine besondere Aufgabe zu, denn Altmaiers Erfahrung auf der Konferenz „Rio +20“ war keine gute. Er habe gesehen wie unbeweglich solche Konferenzen geworden sind: „Die deutsche Energiewende kann bei Übertragung auf andere Länder mehr erreichen.“
Auch wenn bislang wegen fehlender Speicher und Netze nicht alles optimal verlaufe, will Altmaier die bisherigen Erfolge nicht kleinreden. In den letzten zehn Jahren haben sich die erneuerbaren Energien von einen „Nischengadget“ zu einem Wirtschaftsfaktor entwickelt, der heute 25 Prozent der deutschen Primärenergie abdeckt. Noch in diesem Jahr wird das Umweltministerium einen „Green Tech – Atlas 3.0“ vorlegen, der alle Umwelttechnologien beschreibt, die derzeit auf dem Markt sind [1].

Power to the People

Der amerikanische Buchautor Jeremy Rifkin und Präsident der Foundation on Economic Trends verlangt mehr Mut für die anstehende dritte industrielle Revolution. In der ersten hat die Dampfmaschine das Industriezeitalter eingeleitet und bei der zweiten hat die IT die Kommunikation revolutioniert. Die dritte industrielle Revolution zeigt Parallelen zwischen Energiewende und Entwicklung der Smart Phones.
Das fossile Zeitalter mit seiner Infrastruktur und wirtschaftlichem Frontalunterricht großer Energiekonzerne geht zu Ende. Erdöl und Erdgas gibt es nur an wenigen Punkten auf der Erde, doch Sonne, Wind und Wasser steht fast an jedem Gartenzaun zur Verfügung. Parallel zur Dezentralisierung der Energieerzeugung hat sich die Kommunikation vom digitalen Mainframe zum individuellen Desk Top und Smart Phone entwickelt. „Beides passt perfekt zusammen“, so Rifkin.
Er fordert mehr Mut zum radikalen Umbau, weil die Demokratisierung der Energieversorgung auch die vertrauten Infrastrukturen überholt. „Power to the People“, forderte Rifkin – im Sinne von Energie und Macht. Die alten Energieversorger werden sich wandeln müssen. Sie werden Energie nicht mehr erzeugen und verteilen, sondern als Partner von Tausenden Kleinerzeugern das Energiemanagement übernehmen. Die Vision Rifkins: Europa solle aus jedem Gebäude ein energieautarkes Haus machen. Das schaffe Millionen von Arbeitsplätzen.
Als Treiber dieser Energiewende sollen Frankreich und Deutschland zusammenarbeiten. Die USA hingegen wenden sich rückwärts und suchten ihre Energieautonomie in den kanadischen Schiefersanden. Obamas „Green Economy“ sei konzeptlos, resümiert Rifkin.

Lesestoff:

www.fona.de

Teil II: Abschlussdiskussion

[1] Wirtschaftsfaktor Klimaschutz

Interview mit vzbv-Vorstand Gerd Billen

Greening the Economy: Böll-Tagung 2010

TEEB-Abschlussbericht: Was kostet sauberes Trinkwasser?

„Im Zweifel für die Umwelt!“ (Altmaier). Neue Mensch-Umwelt-Beziehung gesucht

Nachhaltiger Wohlstand. Worldwatch Bericht 2012

Roland Krieg (Text und Fotos)

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